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Moskau: Ramsch-Rating "auf direkten Befehl aus Washington"

RUSSIA VENEZUELA MADURO DIPLOMACY
Präsident Wladimir Putin(c) APA/EPA/PAVEL GOLOVKIN / POOL (PAVEL GOLOVKIN / POOL)
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S&P hat die Kreditwürdigkeit russischer Staatsanleihen auf Ramschniveau gesenkt. Die Regierung übt heftige Kritik.

Die russische Regierung hat mit Empörung auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes reagiert. Die Entscheidung der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Bewertung auf Ramschniveau zu senken, sei "auf direkten Befehl aus Washington" erfolgt, sagte Vize-Außenminister Wassili Nebensia am Dienstag der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Präsident Wladimir Putins Sprecher sprach von einem "politischen" Vorgang. Die Herabstufung belastete die Moskauer Börse. S&P hatte am Montag als erste große Ratingagentur Russland auf Ramschniveau herabgestuft. Die Kreditwürdigkeit des Landes, das mit dem Ölpreisverfall und den Folgen der westlichen Sanktionen in Folge der Ukraine-Krise kämpft, sei um eine Stufe auf BB+ abgewertet worden, teilte das Unternehmen mit. Eine weitere Abwertung werde nicht ausgeschlossen.

Börse drehte ins Minus

Nach Bekanntwerden der Entscheidung rutschte der Rubel um rund sechs Prozent ab, notierte aber am Dienstag wieder fester. Die Moskauer Börse drehte zu Handelsbeginn am Dienstagmorgen deutlich ins Minus, der in Dollar berechnete Index RTS erholte sich im Tagesverlauf nur geringfügig.

Vize-Außenminister Nebensia erklärte, die S&P-Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht überraschend. In einem "merkwürdigen Zufall" falle sie zusammen mit einer "neuen Welle der anti-russischen Hysterie". Russland sei mit "koordinierten Aktionen" gegen seine Wirtschaft konfrontiert, beklagte Nebensia. Sie gehörten zu dem "mehr oder weniger offiziell erklärte Sanktionskrieg" gegen sein Land.

Auch Putin-Sprecher Dmitri Peskow nannte den Vorgang "politisch". "Seriöse Unternehmen werden sich kaum beeinflussen lassen von solchen Ratings, die nicht die tatsächliche Lage der Dinge wiedergeben", sagte er laut RIA Nowosti

Zunahme der Kapitalflucht droht

Russlands Finanzminister Anton Siluanow erklärte, S&P lege einen "übertriebenen Pessimismus" an den Tag. Es gebe keinen Grund, die schlechtere Bewertung der Kreditwürdigkeit zu "dramatisieren". Die Herabstufung auf Ramschniveau bedeutet, dass russische Staatsanleihen bei bestimmten Investoren automatisch aus dem Portfolio genommen werden. In der Folge droht eine Zunahme der Kapitalflucht, die bereits im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht hatte.

Die Entscheidung der Ratingagentur erhöht somit den Druck auf die ohnehin angeschlagene russische Wirtschaft. Ihr setzen bereits der sehr niedrige Ölpreis und die westlichen Sanktionen in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt zu. Für dieses Jahr wird ein starker Einbruch der Wirtschaftsleistung erwartet. Schätzungen gehen von einem Minus von bis zu fünf Prozent aus.

 

(APA)