Der russische Gaskonzern Gazprom und die OMV einigten sich über Anpassungen des Gasliefervertrags. Sie werden als wichtiger Schritt für weiterhin zuverlässige Gaslieferungen nach Österreich bezeichnet.
Wien. Die OMV hat ihrem russischen Lieferanten Gazprom niedrigere Gaspreise abgerungen. Die beiden Konzerne hätten einen bestehenden Liefervertrag angepasst, teilte der österreichische Öl- und Gaskonzern am Mittwoch mit, ohne Details zu nennen. "Der langfristige Vertrag ist damit auf neue Beine gestellt und spiegelt die veränderten Marktkonditionen wider", erklärten die Österreicher lediglich
Das Gaslieferabkommen zwischen OMV und Gazprom hat eine Laufzeit bis 2027. Im Zuge dessen hatten die beiden Partner den Bezugspreis lange im Voraus festgelegt. Doch mit der mauen Nachfrage im Zuge der Wirtschaftskrise brachen die tatsächlichen Marktpreise ein, was bei den Österreichern und anderen Versorgern zu hohen Verlusten geführt hatte. Einem Insider zufolge orientiert sich der neue Preis für die Gaslieferungen künftig nicht mehr am Ölpreis, sondern an den Marktpreisen für Gas.
Ende 2013 hatte sich OMV, der seit knapp 50 Jahren Gas aus Russland bezieht, mit Gazprom rückwirkend per April 2013 bereits auf eine vorübergehende Preissenkung geeinigt. Nun haben die beiden Partner auch eine dauerhafte Lösung erzielt. "Gazprom und die OMV haben heute einen wichtigen Schritt gesetzt, um die Belieferung Österreichs mit Erdgas langfristig abzusichern", sagte OMV-Chef Gerhard Roiss.
Auch der deutsche Versorger RWE hatte eine Vereinbarung mit Gazprom erzielt, um weitere Belastungen aus den langfristigen Lieferverträgen zu vermeiden. Insgesamt bezieht die EU rund ein Drittel des benötigten Gases aus Russland.
Gazprom legt Ausbau der Ostsee-Pipeline auf Eis
Gazprom legt seine Pläne zum Bau zweier weiterer Röhren der Ostsee-Pipeline Nord Stream zunächst zu den Akten. Bei fallenden Gaspreisen seien solche Projekte schwer zu realisieren und manchmal sogar unmöglich, sagte Gazprom-Manager Viktor Tschubkow am Mittwoch auf einer Konferenz in Wien.
Die Entscheidung hänge auch mit der komplizierten politischen Situation zusammen, sagte eine mit der Situation vertraute Person aus dem Gazprom-Umfeld zu Reuters. Durch die Pipeline wird seit 2012 Gas aus Sibirien nach Deutschland und in weitere Staaten in Europa gepumpt. An den Leitungen sind auch E.ON und BASF beteiligt.
Das in der Schweiz ansässige Betreiber-Konsortium erklärte, die Entscheidung liege in der Hand der Anteilseigner. Gazprom hält 51 Prozent der Anteile, E.ON und die BASF-Tochter Wintershall je 15,5 Prozent, die niederländische Gasunie und GDF Suez aus Frankreich je neun Prozent.
Die Erdgaspreise sind wegen eines Überangebots unter Druck. Viele langfristige Lieferverträge sind an den Ölpreis gebunden, der seit Mitte 2014 um mehr als die Hälfte gesunken ist. Die Ostsee-Pipeline hat eine Kapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmetern. Dies entspricht gut der Hälfte des Jahresverbrauchs in Deutschland.
Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise und der westlichen Sanktionen sind in den vergangenen Wochen mehrere geplante Wirtschaftsprojekte mit Russland abgeblasen worden, so etwa ein milliardenschweres Tauschgeschäft zwischen BASF und Gazprom. Nach Differenzen mit der EU hatte Russland zudem Pläne zum Bau der South-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer bis nach Österreich aufgegeben.
Gazprom streitet mit der EU-Kommission auch über den Zugang zur Opal-Leitung, durch die das Gas der Ostsee-Pipeline von Deutschland weiter nach Tschechien transportiert wird. Auch wegen des begrenzten Zugangs zu dieser Röhre ist die Ostsee-Pipeline nur zur Hälfte ausgelastet. Ob die EU Gazprom künftig einen größeren Zugang zur Opal-Pipeline einräumt, könnte sich in den nächsten Wochen entscheiden.