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Wirtschaftswachstum dürfte bis 2019 schwach bleiben

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Die Arbeitslosigkeit wird laut Wifo bis 2018 hoch bleiben, die Reallöhne stagnieren, das Exportwachstum verlangsamt sich trotz niedrigen Eurokurses.

Wien. Das Wirtschaftswachstum in Österreich dürfte in den nächsten fünf Jahren verhalten bleiben, die Arbeitslosigkeit steigt noch. Immerhin kommt es zu einem geringfügigen Reallohnplus bei moderater Inflation, erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) laut der am Mittwoch publizierten Mittelfristprognose.

Das Wifo rechnet bis 2019 im Schnitt mit einem jährliche Plus bei der Wirtschaftsleistung von 1,25Prozent – praktisch gleich viel wie in der Periode 2010–2014 (1,3Prozent). Das Wachstum in Österreich entspreche damit auch dem Durchschnitt der Eurozone.

„Das geringe Tempo der Erholung“ liege vor allem an der fehlenden Dynamik bei den Exporten, schreibt das Wifo. Das Exportwachstum werde sich auf 3,2Prozent pro Jahr verlangsamen. „Die österreichische Exportwirtschaft dürfte daher ihre internationale Marktposition voraussichtlich nicht halten können“, heißt es im Bericht des Wifo. Dennoch bleibe der Außenhandel ein Plusfaktor. Insgesamt bleibe die Wirtschaft unter ihrem Potenzial, die Abweichung schließe sich aber langsam.

 

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Stagnation bei Löhnen

Die niedrigen Zinsen reichen nicht für eine Ausweitung der Investitionen aus, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen werde „gedämpft“ bleiben, heißt es in der Mitteilung des Wifo. Auch Einkommen und Konsum bleiben „verhalten“. Über fünf Jahre dürfte das verfügbare Einkommen (Kaufkraft) der privaten Haushalte um jährlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Periode 2010–2014 wachsen. Dabei legen aber praktisch nur die Einkommen aus Vermögen und Transferleistungen zu, die Bruttoreallöhne pro Kopf dürften im Schnitt nur um 0,1Prozent pro Jahr steigen. Für 2015 und 2016 erwartet das Wifo sogar eine Stagnation der Bruttoreallöhne.

Das Wifo geht davon aus, dass die „Konsumzurückhaltung ob der schwachen realen Einkommenszuwächse der Haushalte“ anhält. Die Sparquote, die von 11,9Prozent vor der Krise (2008) auf zuletzt 7,1Prozent (2014) zurückgegangen ist, dürfte wieder auf acht Prozent zulegen, was „im Vorsichtsmotiv aufgrund der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt begründet ist“.

Denn die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind wenig ermutigend. Zwar legt die Beschäftigung wegen der leichten Expansion der Wirtschaftsleistung im Schnitt um jährlich 0,8Prozent zu, zugleich steigt aber das Angebot an Arbeitskräften um 0,9Prozent, weil mehr ausländische Arbeitskräfte sowie mehr Frauen Arbeit suchen und zugleich der Übertritt in die Früh- und Invaliditätspension erschwert wird. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte daher bis 2018 um 53.000 zulegen. Damit könnte die Arbeitslosenquote 2017 und 2018 nach österreichischer Definition auf 9,4Prozent und nach EU-Definition auf 5,4Prozent steigen, um dann 2019 jeweils um 0,2 Prozentpunkte zurückzugehen.

Immerhin hilft die Verlangsamung der Inflation, dass die Realeinkommen steigen. Die Verbraucherpreise dürften bis 2019 jährlich um 1,5 bis 1,8Prozent zulegen, im Schnitt um 1,6Prozent und damit in der Größenordnung, die von der EZB angestrebt wird. Von 2009 bis 2014 hatte es eine Teuerung von 2,2Prozent gegeben.

Angesichts der Verschlechterung der Konjunktur rechnet das Wifo mit einem Budgetdefizit für 2015 von 2,4Prozent (nach Maastricht), 2016 werden es 1,9Prozent sein (strukturell 1,1Prozent). (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2015)