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Wiener Spitalsärzte: Mehr Gehalt, flexiblere Arbeitszeit

Ärzte: Einigung für städtische Spitäler Wiens
SymbolbildPresse (Fabry)
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In den städtischen Spitälern Wiens erhöht sich das Grundgehalt für Turnus- und Fachärzte, Nachtdienste werden reduziert. Die Mediziner im AKH verhandeln separat weiter.

Im Tauziehen um die Umsetzung des neuen Arbeitszeitgesetztes für Spitalsärzte gibt es eine Einigung für die Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Nach einer durchverhandelten Nacht haben Vertreter der Mediziner, der Stadt Wien, der Gewerkschaft sowie des KAV neue Arbeitszeit- sowie Gehaltsmodelle vereinbart. Konkret sollen die Mediziner künftig nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten. Da dadurch vor allem gut bezahlte Nachtdienste wegfallen, werden die Grundgehälter erhöht - vor allem für Turnusärzte gibt es ab 1. Juli 2015 knapp 30 Prozent mehr.

Das neue Modell gehe jedoch weit über die reine Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie für Spitalsärzte hinaus, wie Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) betonte. "Wir haben es geschafft, miteinander eine sehr große Strukturreform einzuleiten und die Spitalsorganisation auf neue Beine zu stellen." Es seien sehr, sehr schwierige Verhandlungen gewesen, aber mit einem "guten und solidarischen" Ende.

Nachtdienstbeginn von 13 auf 19 Uhr verlegt

"Zeitgemäßere" Arbeitsbedingungen sollen vor allem durch eine interne Umschichtung der Dienste in den Krankenhäusern erreicht werden. Bisher begann der Nachtdienst um 13 Uhr, künftig wird die Tagesarbeitszeit von 7 Uhr bis 19 Uhr gehen. Erst dann beginnen die Nachtstunden. Damit sollen vor allem in den Nachmittagsstunden mehr Patienten versorgt, während die Nachtdienste um ein Drittel reduziert werden. "Dadurch wird der Personalbedarf in den KAV-Spitälern nicht steigen, sondern sinken", erklärte Wehsely.

"Es ist sehr viel wert, dass wir endlich in Richtung der 40-Stunden-Woche kommen", betonte Christian Meidlinger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (GdG-KMSfB). Auch die Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Mehrleistung sei jetzt klarer.

Hinsichtlich der Gehälter hat man sich darauf geeinigt, die eigentlich für 2017 geplante Besoldungsreform aller Wiener Gemeindebedienstete für die KAV-Ärzte vorzuziehen und die Gehaltskurve deutlich abzuflachen. Turnusärzte verdienen mit 1. Juli 2015 3400 Euro bis 4000 Euro brutto monatlich, was eine Steigerung von 25 bis 29 Prozent entspricht. Zudem erhalten sie künftig fünf Tage Prüfungsurlaub. Fachärzte verdienen künftig zwischen 5200 Euro und 7900 Euro - diese Anpassung wird in zwei Schritten durchgeführt: Die erste Etappe im Ausmaß von 70 Prozent wird mit 1. Juli 2015 durchgeführt, die zweite dann am 1. Jänner 2017. Fix sind außerdem 6,5 für Fortbildung reservierte Tage. "Das ist der Stadt auch etwas wert gewesen", so Wehsely. 47 Millionen Euro kommen aus den Dienstumschichtungen, 19,9 Millionen Euro schießt die Stadt extra zu.

Die Gehälter von Ärztlichen Leitern und Primaren werden noch extra begutachtet, sie sollen dann im Zuge der Besoldungsreform angepasst werden.

Beschluss im März, Abschluss 2018

"Wien ist das einzige Bundesland, das nur noch in Ausnahmefällen während der Umstellung auf die Opting-Out-Variante zurückgreifen wird", erklärte Wehsely. Grundsätzlich ist in der Umsetzung der EU-Richtlinie, die seit 1. Jänner 2015 in Kraft ist, mit dem "Opt-Out" eine Übergangsmöglichkeit vorgesehen, die es Ärzten mit ihrer Zustimmung erlaubt, weiterhin mehr als 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Bis 2016 wolle man diese Variante gar nicht mehr brauchen, betonte die Gesundheitsstadträtin.

Bis März werden nun die Details der neuen Modelle zwischen KAV und Gewerkschaft ausgearbeitet, im selben Monat soll das neue Arbeitszeit- und Gehaltsschema dann im Wiener Landtag beschlossen werden. Dann beginnt die sukzessive Umsetzung in den einzelnen Abteilungen, mit einem vollständigen Abschluss rechnet Wehsely im Jahr 2018.

In den Spitälern des KAV arbeiten 3000 Ärzte, davon 1900 Fachärzte. Noch nicht abgeschlossen sind die Verhandlungen in den Wiener Ordensspitälern, dem Hanusch-Krankenhaus sowie dem größten Spital Österreichs, dem Wiener AKH. Die nächste Verhandlungsrunde der AKH-Ärzte ist für Montag im Wissenschaftsministerium anberaumt.

"Überfällig": Politik reagiert zurückhaltend

Ein neues Arbeitszeitmodell sei "längst überfällig" gewesen, reagierten ÖVP und FPÖ in Aussendungen mit Kritik auf die späte Einigung. Positiv seien sowohl die Anpassung der Dienstzeiten als auch jene der Gehälter, räumte aber VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec ein. Allerdings fehle noch eine nachhaltige Entlastung der gesamten Ärzteschaft von bürokratischer Schreibarbeit. Die FPÖ gab sich vorsichtig erfreut über die Neuregelung der Dienstzeiten. Problematisch bleibt laut dem nicht amtsführenden Stadtrat David Lasar allerdings die Personalfrage: Derzeit fehle es nicht nur an Ärzten, sondern auch an Schreibkräften und Pflegepersonal. "Man darf also gespannt sein, wann endlich eine tiefgreifende Lösung auf den Tisch kommt", so Lasar.

(APA)