Harte Vorwürfe gegen Börsenliebling Alibaba

File photo of people riding a double bicycle past a logo of The Alibaba Group at the company´s headquarters on the outskirts of Hangzhou
File photo of people riding a double bicycle past a logo of The Alibaba Group at the company´s headquarters on the outskirts of Hangzhou(c) REUTERS (ALY SONG)
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Die chinesischen Aufsichtsbehörden nehmen den Online-Händler wegen der angebotenen Fälschungen aufs Korn. Das belastet den Aktienkurs zusätzlich.

Hongkong. Normalerweise sind Unternehmen in China bemüht, es sich mit den Behörden nicht zu verscherzen. Viele Vorschriften sind nur vage formuliert, die Umsetzung wird oft beliebig gehandhabt. Der einzelne Beamte verfügt über beträchtlichen Ermessensspielraum bei der Entscheidung, ob er mögliche Vergehen verfolgt oder nicht. Umso bemerkenswerter ist der derzeit öffentlich ausgetragene Streit zwischen dem Direktor der Marktaufsicht und Alibaba – dem zwischenzeitlich höchst bewerteten E-Commerce-Unternehmen der Welt.

Chinas Staatliche Verwaltung für Industrie und Handel (SAIC) hat schwere Vorwürfe gegen Alibaba erhoben. Das Unternehmen würde auf seiner Handelsplattform Taobao nicht energisch genug gegen gefälschte Produkte vorgehen. Die Aufsichtsbehörde sprach von „illegalen Aktivitäten“.

Taobao wies die Vorwürfe nicht nur zurück. Die Firmenleitung der Alibaba-Tochter griff den Leiter der Untersuchung, Liu Hongliang, persönlich an. Der Direktor für Marktaufsicht sei „nicht objektiv“. Seine Vorgehensweise sei „emotional getrieben und rufschädigend“, hieß es in einem Schreiben.

Bei Taobao handelt es sich um Chinas derzeit umsatzstärkste Handelsplattform – sie ist quasi Ebay und Amazon in einem. Millionen von chinesischen Händlern haben auf der Plattform sogenannte Taobao-Shops eingerichtet, über die sie ihre Waren anbieten. Von Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug über Lebensmittel bis hin zu ganzen Fertighäusern ist so ziemlich alles erhältlich, was in China selbst und auch in den meisten Teilen der Welt hergestellt wird. Allerdings finden sich auch jede Menge Fälschungen.

Den Untersuchungen von SAIC zufolge ist weniger als 60 Prozent der auf Taobao angebotenen Ware lizensiert. Konkret heißt das: Der Rest ist gefälscht. Von allen überprüften Handelsplattformen würde Taobao mit Abstand am schlechtesten abschneiden, kritisiert SAIC.

Management ist nervös

Die Manager von Alibaba sind sichtlich nervös. Im September konnte das Unternehmen beim Börsegang in New York rund 25 Mrd. Dollar einsammeln. Alibaba legte den größten Börsengang der Geschichte hin. Viel davon waren jedoch Vorschusslorbeeren.

Zwar beherrscht das 1999 gegründete Unternehmen rund 80 Prozent des chinesischen Onlinehandels und setzt heute mehr um als die US-Online-Riesen Ebay und Amazon zusammen. Einen so gigantischen Börsengang wie im September rechtfertigen Alibabas Zahlen aber nicht.

Obwohl der Umsatz im abgelaufenen Quartal um 40 Prozent auf 4,22 Mrd. Dollar stieg, zeigen sich die Börsianer in diesen Tagen dennoch enttäuscht. Sie hatten mit sehr viel mehr gerechnet. Im Vorquartal waren die Erlöse noch um mehr als die Hälfte nach oben geschnellt. Prompt stürzte der Kurs der Alibaba-Aktien bei Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstag um fast neun Prozent ab. Der Streit mit der Aufsichtsbehörde dürfte den Sturz beschleunigt haben.

Zurecht stellt sich die Frage, warum Chinas Aufsichtsbehörde mit ihren Vorwürfen ausgerechnet zu dem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit tritt, kurz bevor Alibaba die Quartalszahlen verkündet. Jeder in China, der sich regelmäßig auf den Taobao-Webseiten aufhält, weiß um die vielen Fälschungen. Echte Ware wird meist explizit gekennzeichnet. Die Taobao-Manager haben ihre Erklärung: Die Beamten der Aufsichtsbehörden hätten mitbekommen, wie viel jeder Alibaba-Mitarbeiter als Mitinhaber beim Börsengang verdient hat. Das habe die Beamten neidisch gemacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2015)

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