Pflege auf möglichst schnellem Weg

Pflegerin
(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Die Firma Ingentus entwickelt eine Planungssoftware, mit der Einsatzpläne für mobile Pflegedienstleister rasch erstellt werden können.

Die Pflege eines Angehörigen ist für alle Beteiligten nicht immer einfach, sie kostet Zeit und Kraft. Da ist es wertvoll, wenn professionelle Hilfe herangezogen werden kann. Eine einfache und effiziente Organisation dieser Services ist sehr wichtig. Die Firma Ingentus in Wien entwickelt eine Software, mit der sich Einsatzpläne für mobile Pflege besonders schnell und kostenoptimal erstellen lassen.

Die Idee zur Software entstand ursprünglich am Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der Universität für Bodenkultur in Wien. „Das Konzept soll nicht nur in der Forschung bleiben, sondern auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können“, sagt Jan Zazgornik. Nach seiner Dissertation wollte er die komplizierten Algorithmen als Softwareprodukte auf den Markt bringen. 2012 gründete er daher die Firma Ingentus als Spin-off des Instituts, an dem er zuvor als Wissenschaftler tätig gewesen war. Unterstützt wird die Firma derzeit von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS).

Verschiedene Organisationen bieten mobile Pflege für zu Hause an, die auf die individuellen Bedürfnisse genau zugeschnitten ist. „Bisher war die Erstellung der täglichen Einsatzpläne dieser Organisationen für mobile Hilfe sehr aufwendig und zeitintensiv. Vielerlei Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden, wie etwa die Art der Pflege oder das nötige Qualifikationsprofil der Pflegekräfte“, sagt Jan Zazgornik.

 

Unvorhergesehenes umplanen

Ist einmal ein Plan erstellt, können unvorhergesehene Situationen, wie etwa krankheitsbedingte Ausfälle von Pflegern, zu Engpässen führen. Mithilfe der neuen Software kann auf derartige Umstände rasch reagiert werden, zudem können alternative Einsatzpläne erstellt und Planungsausfälle verhindert werden. Der Plan wird genau auf den Kunden maßgeschneidert. „Das Konzept soll in schon bestehende Software als Plug-in integriert werden. Derzeit planen wir mehrere Kooperationen mit bestehenden Softwareanbietern“, so Zazgornik. Durch diese Eingliederung in bestehende Systeme muss bei der Pflegeorganisation also kein zusätzliches Softwareprogramm installiert werden. Bis ein Plan erstellt ist, dauert es nur zwei Minuten – bis zu 40 Prozent weniger verglichen mit bisherigen Systemen. Zudem gelingt es mit der besseren Planung, deutlich Kosten zu sparen.

Effiziente Pflegekonzepte werden künftig mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung immer wichtiger: Bis 2030 ist aufgrund der derzeitigen demografischen und sozialen Entwicklungen mit einem deutlichen Anstieg des Pflegebedarfs zu rechnen. Gleichzeitig nehmen jedoch die Bereitschaft und die Möglichkeiten, Angehörige selbst zu pflegen, in vielen Familien ab, zum Beispiel durch längere Erwerbstätigkeit.

Ingentus will seine Planungsalgorithmen künftig jedenfalls auch für andere Branchen verwenden, etwa für den Holztransport.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2015)