Finanzchef Kaeser ist optimistischer als Konzernboss Löscher.
München (DPA/Reuters). Der deutsche Elektronikkonzern Siemens sorgt mit divergierenden Aussagen zur Wirtschaftsentwicklung für Verwirrung am Kapitalmarkt. Nachdem Konzernchef Peter Löscher am Mittwoch die Anleger auf eine Senkung des Ausblicks eingestimmt hatte, bekräftigte Finanzchef Joe Kaeser am Donnerstagabend, Siemens werde im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 (Ende September) einen operativen Gewinn von acht bis 8,5 Mrd. Euro einfahren. „Solange es keine neue Zahl gibt, gilt die alte“, sagte Kaeser.
Später hieß es in Börsenkreisen, Kaeser habe die Prognose nicht explizit bestätigt, sondern darauf hingewiesen, dass der Vorstand diese Ende April unter die Lupe nehmen werde. Unter Analysten gilt die bisherige Prognose angesichts der Weltwirtschaftskrise seit Langem als unrealistisch. Im Schnitt gehen Branchenexperten von einem operativen Gewinn von etwa sieben Mrd. Euro aus.
Medizintechnik brilliert
Gut laufe es in der Medizintechnik, die die Rekordwerte aus dem Vorjahr im laufenden Quartal und auch im Gesamtjahr übertreffen werde. Auch in der Energietechnik liefen die Geschäfte glänzend. Im Industriesektor seien allerdings die Antriebs- und Automatisierungstechnik sowie die Lichttechniktochter Osram gebeutelt. „Dort werden wir enttäuschende Ergebnisse sehen, auch über das Quartal hinaus“, sagte Kaeser.
Gleichzeitig betonte der Finanzvorstand, dass die Durststrecke „eher noch zwei Jahre als zwei Quartale“ andauern werde. In vielen Geschäftsbereichen sei die Talsohle noch nicht erreicht. Deshalb werde sich die Zahl der derzeit rund 7400 von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten „deutlich“ erhöhen. Kurzarbeit sei ein sehr probates Mittel, eine längere Schwächephase zu überbrücken, so Kaeser. „Die Krise ist bei Siemens angekommen, aber wir sind nicht in der Krise.“
Die Börse reagierte trotz dieser unterschiedlichen Aussagen positiv. Siemens-Aktien legten in Frankfurt um gut zwei Prozent auf 45,32 Euro zu.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2009)