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Alkoholverbot im Grazer Uni-Viertel

Trinkend
(c) EPA (Geoff Caddick)
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Alkoholunterstützte Partyszenen unter freiem Himmel sollen im Grazer Uni-Viertel der Vergangenheit angehören. Kritiker äußern massive Zweifel an einer wirksamen Kontrolle.

Alkoholunterstützte Partyszenen unter freiem Himmel sollen im Grazer Uni-Viertel der Vergangenheit angehören. Ab 2. April gilt in den Gassen zwischen Universitätscampus und Stadtpark ein Alkoholverbot auf öffentlichen Straßen.
Trotz hoher Lokal- und Bar-Dichte haben jugendliche Gäste immer wieder Gehsteige und Grünflächen zwischen Harrachgasse, Glacis- und Elisabethstraße als Freiluftpartyzone benutzt. Massive und regelmäßige Anrainerproteste wegen Lärmbelästigungen und Verschmutzungen waren die Folge. Mit den Stimmen der ÖVP, SPÖ und FPÖ wurde die Verbotszone im Gemeinderat abgesegnet. Laut Verordnung sind Strafen bis zu 2000 Euro möglich. Üblicher werden es aber wohl Organmandate (36 Euro) werden.

„Ein erster Schritt, um die Verhältnisse für die betroffene Wohnbevölkerung wieder erträglich zu machen“, lobt FP-Stadtrat Mario Eustacchio den Beschluss. Kontrolliert wird das Verbot von der Ordnungswacht des Grazer Magistrats. 18 Beamte sind dort Anstandsverletzungen wie „Wildpinkeln“ oder Verstößen gegen die Leinen- und Beißkorbpflicht bei Hunden auf der Spur.

Skeptiker zweifeln an der Durchschlagskraft der Überwachungstruppe und befürchten eine Verlagerung der Trinkszene in Gassen außerhalb der Verbotszone. „Der Schwachpunkt ist immer der Vollzug der Kontrolle“, gibt VP-Bürgermeister Siegfried Nagl zu. Er plädiert daher für eine personelle Aufstockung der Ordnungswacht.

Schwarz-grüner Konflikt

Der Beschluss hat jedenfalls einen Keil in die schwarz-grüne Rathauskoalition getrieben. „Man kann einem Konflikt nicht mit einer Verbotsflut begegnen, sondern muss damit anders umgehen“, sagt Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne). Ihr schwebt eine sozialpädagogische Interventionstruppe nach Schweizer Vorbild vor.

Die Verordnung von alkoholfreien Zonen ist in Graz nicht neu. Bereits vor zwei Jahren wurde ein kurzer Abschnitt der Mondscheingasse in der Nähe des zentralen Jakominiplatz „trockengelegt“. Zuletzt wurde auch das Alkoholverbot am Hauptplatz verlängert. Eine Ausweitung der Promille-Sperrzone auf ganz Graz schließt Bürgermeister Nagl aber aus.
Die Wirte entlang der Bar-Meile zeigen sich jedenfalls sehr erfreut. Sie hoffen auf mehr Umsatz in ihren Lokalen.

In anderen steirischen Städten hat man bereits einschlägige Erfahrung mit den Verboten der zentralen Plätze. In Bad Aussee gilt bereits seit 2005 ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen (mit Ausnahmen zur Faschingszeit). Ein entsprechendes Verbot gilt auch in Voitsberg, Gleisdorf, Bärnbach, Köflach, Bruck/Mur und seit Anfang März ebenfalls in Judenburg.

Während in Judenburg – Auslöser war dort ansteigender Vandalismus – bereits an einer ersten Evaluierung gearbeitet wird, hat man in Bruck/Mur schon „gute und positive Erfahrungen“, wie es aus dem Rathaus heißt. Neben dem Hauptplatz gilt das Verbot dort auch an anderen Innenstadtplätzen beziehungsweise am Bahnhof. Für die Überwachung sind die 13 Beamte der eigenen Stadtpolizei zuständig.

Auch im oststeirischen Hartberg könne man auf magistratseigene vereidigte Sicherheitsbeamte zurückgreifen. Die Einführung einer Alkoholsperrzone soll bei der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Montag beschlossen werden.