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Pegida-Marsch: Viel mehr Gegendemonstranten als Anhänger

Symbolbild: Polizei
Symbolbild: PolizeiDie Presse
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Rund 100 Pegida-Anhänger, 5000 Demonstranten, allesamt bewacht von 1200 Polizisten - so präsentierten sich die Zahlverhältnisse Montagabend.

Der Versuch, die deutsche Pegida-Bewegung in Österreich salonfähig zu machen, hat zunächst vor allem die Gegner mobilisiert: Vor Beginn des Pegida-Marsches fanden sich kaum 100 Anhänger der Bewegung ein.

Die Gegner setzten sich bereits am Nachmittag beim Museumsquartier in Bewegung und zogen Richtung Stephansplatz los. Laut Polizei schlossen sich 5000 Personen dem Protest an. Aufgerufen zu dem Marsch hatte die „Offensive gegen Rechts“ gemeinsam mit mehreren muslimischen Organisationen.

Die Route sollte über den Ring und die Kärntner Straße zum Stephansplatz führen, wo eine Standkundgebung geplant war. Anschließend sollte die Demonstration aufgelöst werden. Laut Käthe Lichtner von der „Offensive gegen Rechts“ sei anschließend zwar noch eine Kundgebung beim Michaeler Platz angemeldet worden. Ob diese stattfinden wird, werde erst „je nach Lage“ entschieden. Auch bei der Freyung war von #nopegida eine Kundgebung angekündigt.

Großaufgebot der Polizei

„Wir wollen gemeinsam ein Zeichen gegen Pegida und deren menschenverachtende Ideologie und Propaganda setzen“, betonten die Veranstalter bei der Kundgebung vor dem Museumsquartier. „Nieder mit Pegida"-Sprechchöre erschallten, die Demonstranten hielten Schilder und Transparente mit den Aufschriften „Muslime und Flüchtlinge willkommen!“ oder „Junger Widerstand gegen alte Zeiten“ sowie „Keine Hetze gegen Muslime".

Die Exekutive, die mit einem Großaufgebot von 1200 Mann erschienen war, führte bei einigen jungen vermummten Männern, die angesichts der umgebundenen Österreich-Fahne wohl zur Pegida-Anhängerschaft zu zählen waren, Identitätsfeststellungen durch.

Die Pegida-Organisatoren hatten wenige Stunden vor Start des Premieren-Marsches, der an ähnliche Kundgebungen in Dresden anschließen soll, via Facebook noch einmal Verhaltensregeln ausgegeben. Unter anderem wurden die Anhänger aufgefordert, auf Uniformen zu verzichten, weder Pyrotechnik noch Waffen mitzuführen und auch nicht mit fremdenfeindlichen Parolen oder Plakaten aufzufallen. Erwünscht sind dagegen Österreich-Fahnen, Fahnen der Bundesländer und „auch sehr gerne Fahnen von anderen Nationen oder Städten".

Die Polizei will bei ihrer Taktik vom vergangenen Freitag bei den Kundgebungen gegen den FPÖ-Akademikerball mit "Dialog und Deeskalation" bleiben. Man habe gute Verbindungen zu den Organisatoren der beiden Demonstrationen und werde wieder über soziale Medien wie Facebook und Twitter kommunizieren, kündigte ein Polizeisprecher an.

Die beiden Demonstrationszüge sollten sich nicht in die Quere kommen, wenn alle auf ihren Routen bleiben. Wenn nicht, würde die Polizei einschreiten, weil die angezeigten Versammlungen nur für die angegebenen Routen gelten, erläuterte ein Polizeisprecher. Von etwaigen Blockadepunkten der Gegendemonstranten, wie am vergangenen Freitag, ist der Polizei nichts bekannt.

Aufgrund der Demonstrationen wird es auch wieder zu Verkehrsbehinderungen in der Wiener Innenstadt kommen. Die City-Buslinien 1A, 2A und 3A werden ab circa 17.00 Uhr eingestellt, bei den Ringlinien könne es - je nach Entwicklung - zu Kurzführungen oder Umleitungen kommen, teilte ein Sprecher der Wiener Linien mit. Die Wiener Linien empfehlen, auf die U-Bahn auszuweichen bzw. die Durchsagen zu beachten.

Warnung vor Pegida Östrerreich als "Tarnmantel"

Laut Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel sollte überlegt werden, nach dem Vorbild von Genf die Organisatoren von Demonstrationen für etwaige Schäden - unabhängig davon, ob sie diese verursacht haben - zur Kasse zu bitten. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Tanja Windbüchler, betonte zwar das Recht der Pegida, auf die Straße zu gehen, sie hofft aber, dass dies in Wien ein "einmaliges Schauspiel" bleibe. Es sei nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" "höchst bedenklich", dass Menschen auf die Straße gehen und "schreien, der Islam ist schuld am Leid dieser Welt".

Auch die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati, hofft, dass sich aus Pegida in Österreich kein ernst zu nehmendes Phänomen entwickeln wird. "Hass und Ausgrenzung sind nie ein Rezept, um eine Gesellschaft in ihrem Wir-Gefühl zu stärken", meinte Baghajati in einer Aussendung. Für das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes dient Pegida in Österreich Rechtsextremen und Neonazis als "Tarnmantel", um "endlich wieder einmal auf der Straße Präsenz zu zeigen".

(APA)