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Kurden: "Warum liefert denn Österreich keine Waffen?"

AM KURZ IM IRAK: FLUeCHTLINGSLAGER CAMP BAHARKA
Sebatian Kurz im Flüchtlingscamp BaharkaAPA/DRAGAN TATIC
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Bei seinem Besuch in Erbil, Hauptstadt der eigenständigen Kurdenregion im Irak, musste sich Außenminister Kurz unbequeme Fragen gefallen lassen.

Majida Habib erinnert sich noch genau an die Nacht des 26. August. „Plötzlich hörten wir heftige Explosionen“, erzählt die 44-jährige Frau. Sie haben uns von allen Seiten mit Granaten beschossen.“ Majida Habib und ihre Familie packten das Nötigste zusammen. Dann flüchteten sie, wie die meisten anderen Einwohner von Qaraqosh. Die nordirakische Stadt, zwischen Mosul und dem kurdischen Erbil gelegen, wurde vor allem von Christen bewohnt. Bis zu jenem 26. August, an dem die Extremisten des sogenannten Islamischen Staates (IS) über die Stadt herfielen.

Majida Habib musste damals zum zweiten Mal flüchten. Zuvor hatte die Christin bereits Mosul verlassen müssen – die nordirakische Großstadt war im Sommer 2014 von IS überrannt worden. Heute lebt die Frau mit ihrer Familie in Ainkawa, einem vorwiegend von Christen bewohnten Vorort von Erbil, der Hauptstadt der Kurdenregion im Nordirak. Ihr neues Zuhause ist eine kleine Zeltstadt, die auf einem Platz in Ainkawa mit Hilfe der chaldäischen Kirche aufgebaut worden ist. „180 Familien leben hier“, berichtet der Bischof von Erbil, Bashar Warda. „Sie leben mit dem Schmerz, Flüchtlinge zu sein.“

Bischof führt Kurz durchs Camp

Der Bischof führt eine österreichische Delegation durchs Camp. Außenminister Sebastian Kurz reiste nach seinem Besuch in Bagdad weiter. Dort traf er mit dem Premier der Kurdenregion, Necirvan Barzani und mit ihrem Außenminister Falah Mustafa zusammen. Danach besuchte Kurz die vertriebenen Christen in Ainkawa und das Flüchtlingslager Baharka, etwas außerhalb von Erbil.
In Baharka ziehen sich lange Zeltreihen über den braunen Erdboden. In einer ehemaligen Lagerhalle wurden kleine Wohneinheiten errichtet, bei denen Plastikplanen gleichsam als Dach und Wände dienen. 2800 Flüchtlinge sind in dem Lager untergebracht. Der Vormarsch des IS schlug hunderttausende Menschen in die Flucht.

AM KURZ IM IRAK: FLUeCHTLINGSLAGER CAMP BAHARKA
Sebatian Kurz im Flüchtlingscamp BaharkaAUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC

„Wir wurden selber immer wieder verfolgt. Deshalb verstehen wir den Schmerz dieser Menschen gut“, sagt der Außenminister der Kurdenregion, Falah Mustafa. „Wir bieten den Flüchtlingen hier Sicherheit, egal welcher Ethnie oder Religion sie angehören“, beteuert Falah Mustafa. „Wir sind uns bewusst, dass die große Zahl an Flüchtlingen eine enorme Herausforderung ist“, sagte auch Außenminister Kurz bei einer Pressekonferenz. Und Kurz wies darauf hin, dass die Regierung in Wien humanitäre Hilfe in der Höhe von etwas mehr als einer Million Euro beschlossen habe.

„Nemsawi“ – Granaten aus Österreich

„In den 1980er-Jahren haben uns die Truppen von Saddam Hussein mit Kanonen aus Österreich angegriffen. Warum liefert Österreich jetzt nicht Waffen an uns Kurden?“, fragte ein kurdischer Journalist. „Nemsawi“ – „Österreicher“, nannten die kurdischen Kämpfer die Granaten, die von den Noricum-Haubitzen abgeschossen worden waren. Die Geschütze österreichischer Bauart waren illegal an den irakischen Diktator geliefert worden. Die Affäre ging als Noricum-Skandal in die Geschichte der Zweiten Republik ein.

 

AM KURZ IM IRAK: KURZ / BARZANI
Sebastian Kurz mit dem Premier der Kurdenregion, Neciran BarzaniAUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC

Österreich sei ein neutrales und friedliebendes Land, erklärte Kurz. Aufgrund seiner Gesetze habe Österreich nicht die Möglichkeit, Waffen zu liefern. In Europa gebe es im Kampf gegen IS eine Arbeitsteilung: Einige Länder beteiligten sich an Luftangriffen, andere Länder wie Deutschland lieferten Waffen an die Peshmerga. Und Länder wie Österreich beteiligten sich mit humanitärer Hilfe. Im Gegenzug bedankte sich der kurdische Außenminister: „Auch politische Solidarität und humanitäre Hilfe bedeuten viel.“