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USA: Masern breiten sich rasant aus

MASERN-EPIDEMIE
MASERN-EPIDEMIE(c) APA (BARBARA GINDL)
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Vor 15 Jahren galt die gefährliche Krankheit in den Vereinigten Staaten als ausgelöscht. Die von Falschinformationen gestützte Weigerung vieler Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen, sorgt nun für eine Gesundheitskrise.

Washington. Was Mitte September in Kalifornien im Vergnügungspark Disneyland begann, ist mittlerweile ein Gesundheitsproblem, das ganz Amerika betrifft: Der Ausbruch der Masern hat mittlerweile 14 US-Bundesstaaten erfasst. Die Bundesseuchenbehörde CDC hat bis Samstag 102 Erkrankungsfälle registriert, tatsächlich aber sind viel mehr Kinder und Jugendliche von diesem gefährlichen Virus befallen, weil nicht alle bundesstaatlichen Behörden ihre Daten schnell genug an die CDC liefern. Das kalifornische Gesundheitsministerium allein hat 91 Fälle erfasst, von denen 58 auf den Ausbruch in Disneyland zurückgeführt werden können.

Somit sind in den ersten vier Wochen des neuen Jahres schon mehr Menschen in den Vereinigten Staaten an den Masern erkrankt als im statistischen Mittel der letzten Jahre. Dabei war die jahrzehntelange Impfkampagne der amerikanischen Gesundheitsbehörden auf Bundes- und Staatsebene derart erfolgreich, dass die Regierung im Jahr 2000 erklären konnte, dass die Masern in den USA ausgerottet sind.

 

Eine fatale falsche Studie

Die Rückkehr dieser Krankheit, die über die Atemwege übertragen wird und zu tödlichen Lungen- sowie Gehirnhautentzündungen führen kann, liegt in erster Linie am Erstarken der Bewegung von Impfgegnern. Sie berufen sich auf eine im Jahr 1998 im wissenschaftlichen Fachjournal „Lancet“ veröffentlichte Studie des britischen Forschers Andrew Wakefield, der aus der Beobachtung von zwölf autistischen Kindern den Schluss gezogen hatte, dass die weitverbreitete Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu schweren Schäden des Immunsystems und zu Autismus führe. Einige Jahre später stellte sich heraus, dass Wakefield seine Forschungsergebnisse gefälscht und verheimlicht hatte, dass er von einem Anwalt bezahlt wurde, der eine Schadenersatzklage gegen Pharmaunternehmen vorbereitete. „Lancet“ zog die Studie 2010 zurück und bedauerte den „schädlichsten medizinischen Betrug der vergangenen 100 Jahre“, Wakefield verlor seine britische Zulassung, als Arzt zu praktizieren, und mehrere Folgestudien lieferten keinen Beleg dafür, dass das Konservierungsmittel Thiomersal Autismus verursacht. Abgesehen davon wurde dieser Stoff schon 2001 aus den Impfstoffen für Kinder entfernt beziehungsweise auf geringe Mengen gesenkt.

Diese Tatsachen ändern jedoch nichts an der wachsenden Zahl von Eltern, die der Pharmaindustrie im Allgemeinen und dem Impfen von Kindern im Speziellen misstrauen. Dieses Phänomen ist besonders bei überdurchschnittlich gut gebildeten weißen Besserverdienern verbreitet, wie die statistische Auswertung der Masernfälle zeigt. Vor allem in Marin und Orange County in Kalifornien gibt es viele dieser „Anti-Vaxxers“, die ihre Kinder nicht impfen lassen und argumentieren, man müsse Kinder an Masern erkranken lassen, um ihr Immunsystem zu stärken.

 

Obama ruft zum Impfen auf

Das hat zu einer Senkung der Durchimpfungsraten geführt, was die Übertragung des Virus erleichtert und für chronisch kranke Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, eine tödliche Gefahr darstellt. Präsident Barack Obama rief darum am Sonntag die Bürger auf, ihre Kinder impfen zu lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2015)