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Pegida: Der Spaziergang blieb stehen

Insgesamt waren 1200 Polizisten im Einsatz
Insgesamt waren 1200 Polizisten im EinsatzStanislav Jenis
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Die erste Auflage der Pegida-Demo in Wien mit rund 250 Teilnehmern kam nicht weit. Einige Demo-Teilnehmer fielen mit Hitlergruß auf.

Ein Spaziergang hätte es werden sollen, geworden ist es letztlich eine Standkundgebung: Die erste Auflage der Pegida-Demo (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) in Wien kam über den Startpunkt Freyung nicht hinaus. Den rund 250 Teilnehmern stellte sich eine ebenso große Gruppe an Gegnern entgegen. „Wir sind die Mauer, das Volk muss weg“, skandierte die Gruppe – während auf der Pegida-Seite „Wir sind das Volk“ ertönte.

Das Bild der Pegida war dabei kein einheitliches. Da waren Abtreibungsgegner mit dem Transparent „Integriert unsere ungeborenen Kinder“, Tierschützer („Religiöses Schächten ist Tierquälerei“), Hooligans mit Schlachtgesängen – und einige Teilnehmer, die den dreifingrigen Kühnengruß oder auch den Hitlergruß zeigten, vereinzelt war „Sieg Heil“ zu hören. Es wehten österreichische Fahnen, auch eine deutsche, eine serbische, eine slowakische – und eine mit dem Weihnachtsmann samt dem Gruß „Merry Christmas“. Auch Martin Graf, früherer Dritter Nationalratspräsident und FPÖ–Politiker, nahm an der Kundgebung teil.

Die Blockade der Freyung

Anfangs wähnte man sich fast wie in einem Monty-Python-Film, als Pegida-Sprecher Georg Immanuel Nagel zur Begrüßung ansetzte – und ihn kaum jemand hörte: „Wir haben keine Anlage mitgenommen, weil wir gedacht haben, ein Megafon genügt.“ Doch bald formierte sich die Truppe, schwang Fahnen und setzte zum Losmarschieren an. Allein, zu diesem Zeitpunkt hatte sich eine Gruppe von Gegendemonstranten am unteren Ende der Freyung postiert und blockierte die geplante Route.

Eine Gruppe junger Menschen, darunter viele Frauen, und einige Vermummte, die „Alertá, Alertá Antifascista“ skandierten. Dazwischen die Polizei, die die Gruppen auseinanderhielt. Es folgten eineinhalb Stunden Stehschach – abgesehen von zwei Bierdosen und einem Feuerwerkskörper, die von Pegida-Seite abgefeuert wurden. Und einem Durchbruch zweier Pegida-Anhänger. Es kam zu einer Rangelei, die die Polizei schnell trennte.

Insgesamt waren rund 1200 Beamte im Einsatz. Und sie blieben beim zähen Kräftemessen zwischen den Gruppen weitgehend passiv, machten nicht viel mehr, als die Gruppen nicht aufeinanderprallen zu lassen. Ob man denn dem Pegida-Zug den Weg nicht freimachen könnte, fragte ein Teilnehmer. „Das glaube ich nicht, aber das liegt im Ermessen der Behörde“, antwortete ihm ein Polizist. Die Behörde entschied sich dagegen, ließ die Gruppen ihre Parolen schreien. Schließlich, knapp eineinhalb Stunden nach dem Beginn des Spazierenstehens, löste man die Kundgebung auf.

"Lügenpresse"

„Diktatur“, schrien die verbliebenen Pegida-Anhänger – die Reihen hatten sich schon gelichtet. Es folgte der „Lügenpresse“-Ruf. Von einer Niederlage will man dennoch nicht sprechen. „Macht nix. Der Sieg ist unser“, rief ein Anhänger mit Österreich-Fahne. Und Sprecher Nagel kündigte an, dass es kommende Woche wieder eine Kundgebung geben soll.

Nach Ende der Demo setzte es noch mehrere Identitätsfeststellungen und Anzeigen – gegen 30 Pegida-Anhänger, die den Versammlungsort nicht verließen. Und gegen weit mehr als hundert Gegendemonstranten – und einige Journalisten –, denen die „Störung einer Versammlung“ vorgeworfen wird. Und offenbar, so beklagte eine Sprecherin der „Offensive gegen Rechts“, wurde eine Aktivistin von mehreren Pegida-Anhängern verfolgt, geschlagen und getreten. Sie ist nach Angaben der Sprecherin in Spitalsbehandlung.

Konsequenzen für Hitlergruß angekündigt

Konsequenzen soll es auch für jene Demoteilnehmer geben, die durch Hitlergruß und rassistische Sprüche auffielen – laut Polizei wird Bildmaterial von der Demo ausgewertet, die Personen sollen ausgeforscht werden. Man habe nicht schon während der Demo zugegriffen, hieß es, um eine mögliche Eskalation zu vermeiden.