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Schweigen der Justiz: Die Namen der gedopten Athleten bleiben geheim

(c) AP (Fabrice Coffrini)
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In Österreich gehen Athleten gedopt an den Start. Die Justiz weiß es, darf aber die Dopingjäger nicht informieren.

Wien. „Wir wissen von einigen Profisportlern, dass sie zurzeit gedopt an den Start gehen“, sagt ein Ermittler der „Presse am Sonntag“. Im Zuge der Dopingaffäre wurden mehrere Sportler als Abnehmer von verbotenen Präparaten ausgeforscht. Die Athleten üben ihren Sport weiter aus. Sie gehen an den Start. Und so mancher empörte sich in den letzten Tagen sogar publicity-trächtig über das böse Doping.

Für die Ermittler der Sonderkommission Doping im Bundeskriminalamt (BKA) und für die Staatsanwaltschaft Wien sind gedopte Sportler lediglich Auskunftspersonen. Denn Doping ist in Österreich strafrechtlich nicht verboten. Nur auf den Handel mit Dopingmitteln stehen sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis.

Seit Tagen läuft die Nationale Anti-Dopingagentur (NADA) dagegen Sturm, dass sie die Namen der Dopingsünder nicht erfährt. „Eine bessere Kooperation wäre wünschenswert, um sicherzustellen, dass der Anti-Doping-Kampf kein Lippenbekenntnis bleibt“, fordert Gernot Schaar, Vorsitzender der Rechtskommission der Nationalen Anti-Dopingagentur.

Aber so komisch es klingen mag: Würden die Ermittler ihr Wissen an die NADA weitergeben, würden sie sich strafbar machen. Denn sie würden ein Amtsgeheimnis preisgeben. Und auf Amtsmissbrauch steht eine genauso hohe Haftstrafe wie auf Dopinghandel.

„Momentan fehlt uns die gesetzliche Grundlage, mit der Anti-Dopingagentur zu kooperieren“, heißt es im BKA. Denn der Austausch von sensiblen Daten ist nur von Behörde zu Behörde möglich. Und so bürokratisch die Bezeichnung „Nationale Anti-Dopingagentur“ klingen mag, dahinter verbirgt sich rein juristisch nur eine Kapitalgesellschaft, eine GmbH. Auch wenn Bund, Länder, Österreichisches Olympisches Komitee und Österreichische Bundes-Sportorganisationen als Gesellschafter aufscheinen.

Doch das Amtsgeheimnis für gedopte Sportler hat für die Ermittler auch einen Vorteil. Die zehnköpfige Soko hat in den letzten Tagen auch deshalb so viel Staub aufwirbeln können, weil noch nicht erwischte Dopingsünder ohne sportliche Konsequenzen den „geheimen Kronzeugen“ spielen können.

Wie berichtet wurden ein 33-jähriger Ex-Radrennfahrer, ein 50-jähriger Wiener Apotheker und der 53-jährige frühere Trainer der österreichischen Langlauf- und Biathlonmannschaft, Walter Mayer, festgenommen. Der Pharmazeut und Mayer befinden sich nach wie vor in U-Haft. Dutzende Verdächtige, wie etwa der frühere Betreuer des gedopten Radprofis, Bernhard Kohl, und ein Wiener Arzt und Hobbytriathlet, befinden sich auf freiem Fuß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2009)