Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Ein neuer Tempel für Thor und Odin

Ásatru-Hohepriester Hilmar Orn Hilmarsson (in der Bildmitte bei einem Ritual im Juni 2012) will für die alten nordischen Götter bei Rejkyavik einen Tempel errichten.
Ásatru-Hohepriester Hilmar Orn Hilmarsson (in der Bildmitte bei einem Ritual im Juni 2012) will für die alten nordischen Götter bei Rejkyavik einen Tempel errichten.(c) REUTERS
  • Drucken

In Island erlebt der Vielgötterglaube eine Renaissance. Erstmals seit der Wikingerzeit errichten Anhänger der nordischen Götter nun einen Tempel.

Vor 1000 Jahren wurden die nordischen Götter auf Island nach und nach vom christlichen Glauben verdrängt. Nun soll erstmals seit der Wikingerzeit wieder ein größerer Tempel für Thor, Odin, Frigg und die anderen Gottheiten errichtet werden.

Denn der nordische Glaube wird immer populärer auf der nordeuropäischen Insel. „Ich glaube nicht, dass jemand an einen einäugigen Mann glaubt, der auf einem zweieinhalb Meter großen Pferd herumreitet“, erzählt Hilmar Orn Hilmarsson, Hohepriester und damit Anführer der "Ásatrúarfélagið". „Ásatrú" bezeichnet das neugermanische Heidentum. Die Ásatrú-Gemeinde in Island lässt den nordischen Glauben wiederauferstehen. Jener einäugige Reiter ist Odin, der in den nordischen Edda-Sagen eine Art Göttervater-Funktion inne hat. „Wir sehen die Geschichten als poetische Metaphern und als Manifestation der Kräfte der Natur und der menschlichen Psychologie.“

Hochzeiten, Tauerfeiern, Blót

Die Bemühungen der nordischen Priester um neue Popularität der alten Götter sind von Erfolg gekrönt. In den vergangenen zehn Jahren verdreifachte sich die Mitgliederzahl bei „Ásatrúarfélagið“ auf etwa 2400 Menschen. Bei einer ungefähren Einwohnerzahl Islands von 330.000 ist das eine beachtliche Entwicklung.
Der neue Tempel soll kreisförmig errichtet werden und etwa vier Meter in einen Hügel gegraben werden. Das Gelände bietet einen einen Ausblick auf die isländische Hauptstadt Reykjavik. Eine Kuppel als Dach soll Sonnenlicht in den Tempel bringen. Durch den veränderten Sonnenstand im Jahreskreislauf soll das Licht immer neue Stimmungen erzeugen und die Wände des Tempels "bemalen", erklärt Hilmarsson.

Im Tempel sind dann Feiern wie Hochzeiten oder Begräbnisse geplant. Die Gruppe will auch Namenszeremonien für Kinder und Initiationsriten für Jugendliche organisieren, ähnlich wie sie in anderen Glaubensgemeinschaften üblich sind. Der neue Vielgötterglaube der Isländer begeht auch das „Blót“-Ritual mit Musik, Lesungen aus den Edda-Sagen und einem Festmahl. Auf das rituelle Schlachten von Tieren beim Fest wird aber schon seit der Neugründung der „Ásatrúarfélagið“ in den 1970er-Jahren verzichtet.

(klepa/Ag.)