Staatsanleihen mögen sicher sein, eine besonders gute Anlageidee sind sie derzeit in den meisten Fällen aber nicht.
Die Wirtschaftsprognosen werden jetzt in atemberaubendem Tempo nach unten revidiert. Das ist normalerweise die Zeit der Staatsanleihen: Die Renditen sehen zwar verdammt nach dem berühmten Beamtengehaltsschema (am Ersten nix, am Letzten nix, das aber fix) aus, aber sicher sind sie – im Gegensatz etwa zu Aktien – schon: Bevor ein EU-Land Staatsbankrott macht, muss schon noch einiges andere passieren.
Also nichts wie rein in den sicheren Hafen? Das ist ein ziemlicher Trugschluss, meinen Experten: Staatsanleihen sind zunehmend unattraktiv – und sie werden in der „Asset Allocation“ großer Vermögensverwalter – aktuell beispielsweise bei der UBS – gerade deutlich zurückgefahren.
Zumindest jene erstklassiger Schuldner, die normalerweise als klassisches Sicherheitsnetz gelten: Da hat sich eine richtige kleine Blase gebildet, die bald einmal platzen könnte. Die starke Nachfrage im Vorjahr hat nämlich die Kurse ziemlich hochgetrieben. Wer jetzt kommt, kommt eindeutig zu spät.
Deutsche Bundesanleihen etwa werden derzeit zu Kursen von bis zu 120 Euro gehandelt. Man erwirbt also sozusagen einen fix verzinsten Schuldschein über 100 Euro um 120 Euro. Das drückt erstens die Rendite (die Verzinsung orientiert sich ja an den 100 Prozent) und kann sich zweitens unterm Strich wohl nur nach dem berühmten „Greater-Fool-Prinzip“ (Sie wissen schon: Man kauft ein teures Papier und hofft, dass man einen noch größeren Deppen findet, der es einem noch teurer wieder abkauft) funktionieren.
Da kann man Privatanlegern nur sagen: Finger weg. Österreichische Anleihen sind von den Kursen her deutlich moderater und bringen (wegen des vermuteten höheren Risikos) auch mehr Rendite. Aber eine wirkliche Alternative sind sie derzeit auch nicht.
Wer mit Anleihen wirklich verdienen will, sagen Experten, sollte sich im CEE-Raum umschauen: Da sind die Kurse im Schnitt sehr tief (weit unter 100), die Gefahr von Staatsbankrotten ist durch die jüngsten Hilfsmaßnahmen von IWF und EU aber zumindest kurzfristig stark gesunken. Allerdings: Vorbei ist die Gefahr im Osten nicht. Und es ist nicht jedermanns Geschmack, ein paar Jahre lang zu hoffen, dass es mit Ukraine, Rumänien & Co. doch gutgeht. Auch wenn das Zittern mit vergleichsweise hohen Renditen belohnt wird.
Natürlich muss man Staatsanleihen nicht auf dem Sekundärmarkt kaufen. Man kann bei der Emission zuschlagen und dann die Laufzeit unter jährlichem Kassieren der (freilich eher mickrigen) Zinsen aussitzen. In dem Fall ist die Kursentwicklung dann einfach nicht relevant.
Eine gute Idee muss das derzeit aber auch nicht sein: Angesichts der enormen Inflationierung durch die staatlichen Bankenrettungs- und Konjunkturpakete gibt es eigentlich kaum Ökonomen, die für die Zeit nach der großen Krise nicht eine recht ordentliche Inflation erwarten. Da könnte dann auch eine Verzinsung von vier Prozent recht alt aussehen. Aus der langfristigen Anleihe kommt man dann aber nur über den Sekundärmarkt heraus. Und der dürfte in einem Inflationsszenario auch nicht gerade günstige Ausstiegschancen bieten.
Als Ausweg bieten sich inflationsindexierte Anleihen an, von denen es einige auf dem Markt gibt. Die sind wesentlich ausfallssicherer als die derzeit sehr üppig rentierenden Unternehmensanleihen, bieten aber eine Art garantierten Kaufkrafterhalt (meist auf einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren), egal, ob gerade Deflation hereinbricht oder die Inflation zu galoppieren beginnt. Zinscoupons und Rückzahlung sind bei diesen Anleihen ganz einfach an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. Der Coupon fällt und steigt also mit dem Index. Ein sogenannter „Deflation floor“ verhindert, dass es im Falle von breitflächig sinkenden Preisen zu Kapitalverlusten kommt.
Jetzt, da alle kurzfristig sinkende Preise erwarten, sind diese Anleihen günstig zu haben. Wer richtig streuen will, ist wahrscheinlich mit einem Fonds (Beispiel: UBS Inflation-linked Bond Fund) gut bedient.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2009)