Haders Vorstadt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Ottakring, das ist für den Kabarettisten Josef Hader auch der Geruch von Hopfen und Schokolade. EinCityguide durch den 16. Bezirk. Und eine Reise zurück in seine Studentenzeit.

Hader ist da. Nach längerer Zeit. „Nachschauen“, wie er sagt, im „Café Ritter“ in der Ottakringer Straße, dort, wo er früher Dauergast war. Josef Hader ist gerne da, erzählt er bei einer Melange, obwohl er lieber halb leere Cafés mag und das Ritter an diesem späten Vormittag schon voll ist. Hader hat sich an den einzigen freien Tisch gesetzt, von hier aus sieht man gut in den hinteren, düsteren Teil des Cafés, in dem ein paar ältere Herren bei einem Bier eine Partie Billard spielen. „Wieder mal in Wien?“, ruft einer, als er Hader sieht. Hader lächelt hinüber. Ja, die wissen, dass ich hie und da herkomme, sagt er.

Für den Kabarettisten und Schauspieler ist ein Spaziergang durch Ottakring auch ein bisschen wie eine Reise zurück in die Studentenzeit. Wien war für Hader, der mit 19, nach Schuljahren im Internat im Stift Melk, zum Studieren hergezogen ist, zuallererst einmal Ottakring. Gleich ums Eck vom „Ritter“ hat er seine erste Wohnung gemietet, auch die zweite war in der Nähe, die dritte ebenso. Alle „Zimmer, Küche, Klo am Gang. Richtig klassisch“, sagt er. Und ins „Ritter“ ist er besonders dann gern gegangen, wenn der FC Tirol in Wien gespielt hat und Tirol-Trainer Ernst Happel hier war. Da vorne, sagt Hader und zeigt auf den Cafébereich rechts vom Eingang, in dem jetzt vorwiegend ältere Damen sitzen – sei immer die Kartenspielrunde gesessen. „Und der Happel hat sich hinter die Spieler gestellt und hat geschaut. Und die haben sich nicht aufzuregen getraut“, sagt er und lacht. Auch Hader selbst ist immer „andächtig gekommen“ und hat „a bissl geschaut“, weil „ich den Happel sehr super gefunden habe. Ich mag gewisse Fußballpersönlichkeiten.“ Wenn Hader von Ottakring spricht, sagt er oft „die Vorstadt“. „In der Vorstadt“ hat er gerne gelebt. Als er bekannt wurde – spätestens als 1991 „Indien“ kam – konnte er sich hier (außer im „Ritter“) eine gewisse Anonymität bewahren. „Wenn die Nacht lang war und man in der Früh ungeduscht auf die Straße geht, muss man in Ottakring keine Angst haben, dass man fünf Leute trifft, die einen grüßen“, sagt er. „Das ist eine spezielle Form der Lebensqualität.“

Auf dem Spaziergang vom Ritter zum Brunnenmarkt kommt Hader auch an der Ottakringer Brauerei vorbei. „Ich mag den Ottakringer Geruch. Der war immer dominiert vom Hopfen von der Brauerei“. Oder von der Schokolade aus den Mannerwerken in Hernals. „Oder die Gerüche haben sich vermischt.“ Vorbei an der Brauerei biegt Hader Richtung Brunnenmarkt ab, spaziert an den Marktständen vorbei, an „diesen wunderbaren Kleiderständern mit den billigen Socken“, den türkischen Bäckern, den Obsthändlern. „Das müssen sogar die Inländer zugeben: Das Obst ist bei den Türken am besten.“ Hader lacht, und wenn Hader lacht, dann lacht er laut. „Naturbelassen“ nennt er den Brunnenmarkt und meint damit, dass „diese ganzen Bobo-Angebote fehlen, die es am Naschmarkt gibt.“ Das hier sei noch ein richtiger Markt. Zum Einkaufen kommt er kaum noch hierher, seit er die meiste Zeit im Burgenland lebt.


„Keine gspritzn Leut“. Später wird Hader in den Fünften fahren, ins „Café Rüdigerhof“ (Hamburgerstr. 20). Dort mag er die „Bodenständigkeit“. Und die Gäste, „Studenten, Pensionisten, Künstler“. Und trotz Naschmarktnähe „überhaupt keine gspritztn Leut“. Gemeinsam mit Autor Hass und Regisseur Murnberger hat Hader hier am Drehbuch für den „Knochenmann“ gearbeitet. Oben, im erhöhten Bereich. „Da ist so eine Wohnzimmeratmosphäre und die brauchen wir, wenn wir übereinander herfallen.“ Früher hat er seine Kabarettprogramme oft im „Eiles“ im Achten geschrieben, „aber seit die renoviert haben, kannst da nicht mehr reingehen“. Im Rüdigerhof schreibt Hader auch mit David Schalko an einer ORF-Serie („Der Aufschneider“) über Pathologen in einem Spital. Im April beginnt der Dreh, Hader wird auch die Hauptrolle übernehmen. Und spätestens dann ist er wieder groß da. Nur nicht in Ottakring.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2009)

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