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BP erleidet Gewinneinbruch und wird Pessimist

FILE GERMANY ECONOMY BP
BP(c) APA/EPA/BERND THISSEN (BERND THISSEN)
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Wie allen anderen Ölfirmen vermasselt der Preisverfall auch dem britischen Konzern BP die Bilanz. An eine schnelle Ölpreiserholung glaubt BP nicht und spart daher bei Investitionen. Wie übrigens nun sogar die russische Gazprom.

Wien. Die Verwerfungen auf den Ölmärkten machen auch vor dem britischen Branchenprimus BP nicht halt. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, brach der Gewinn im vierten Quartal 2014 um 21Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar (1,95 Mrd. Euro) ein. „Wir sind in einer neuen und herausfordernden Phase kurz- und langfristig niedriger Ölpreise. Unser Fokus muss nun sein, BP neu aufzustellen“, so Vorstandschef Robert Dudley. Wegen des gesunkenen Ölpreises hat der Konzern Abschreibungen von mehr als 3,6Mrd.Dollar vornehmen müssen. Das betrifft vor allem Förderprojekte in der Nordsee und in Angola.

Demgegenüber konnte BP von seiner knapp 20-prozentigen Beteiligung am russischen Branchenprimus Rosneft profitieren. Dies, weil Rosneft die Währungsrisiken in den Finanzberichten seit dem vierten Quartal vorteilhafter einrechnet als zuvor. Entgegen den Prognosen der Analysten hat BP bei Rosneft daher selbst im vierten Quartal einen Gewinn erzielt, womit der Gesamtüberschuss aus der Russland-Beteiligung 2014 bei 2,08Mrd. Dollar und damit leicht über dem Wert von 2013 lag. Nicht zuletzt deshalb stieg die BP-Aktie gestern um knapp drei Prozent.

 

Erinnerung an 1986

Der Ölpreis freilich schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über der Branche. Seit Sommer ist er wegen des Überangebots um mehr als die Hälfte eingebrochen. Hatte die Nordseesorte Brent im Juni noch knapp 115 Dollar je Barrel gekostet, so waren es im Jänner 2015 weniger als 46 Dollar. Die günstigere US-Sorte WTI ist auf gut 38 Dollar abgesackt. Seit Freitag voriger Woche jedoch gehen die Preise nach oben.

Laut Dudley freilich solle man auf keine starke Preiserholung bauen. Er fühle sich vielmehr an 1986 erinnert, als der Preis von 30 Dollar auf zehn Dollar sank und sich so lange nicht erholte, bis der Irak 1990 in Kuwait einmarschierte. Drei Jahre könnte er nun unter 60Dollar bleiben, so Dudley zu Bloomberg TV: „Es wird lange dauern, bis wir wieder 100 Dollar sehen.“

Dudley gehört damit zu den Pessimisten. Claudio Descalzi, Chef der italienischen Eni SpA, etwa erwartet 90 Dollar zum Jahresende. Der Chef der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Abdalla El-Badri, hält gar eine Explosion auf 200 Dollar für möglich, weil die Konzerne Investitionen in neue Projekte kürzen.

 

Gazprom folgt Ölkonzernen

Das tut auch der BP-Konzern, der seine Investitionen heuer um 13Prozent auf 20 Mrd. Dollar senken und zudem – wie zuvor angekündigt – tausende Stellen streichen wird. Auch die BP-Rivalen Exxon Mobil, Chevron oder Shell kündigten deutliche Einsparungen an – laut Händlern übrigens der Grund dafür, dass sich die Ölwerte seit vorigem Freitag erholen. Brent stieg gestern auf über 57 Dollar je Barrel.

Bemerkenswert, dass auch die Gasbranche ihre Investitionen zu kürzen beginnt. So hat der russische, weltweit größte Gaskonzern, Gazprom, der in den ersten drei Quartalen 2014 – vor allem wegen des Gaszwistes mit der Ukraine – einen Gewinneinbruch von 35 Prozent erlitten hatte, gestern angekündigt, die Investitionsausgaben heuer um fast acht Mrd. Dollar auf 30 Mrd. Dollar zurückzufahren.

Gazprom blickt schwierigen Zeiten entgegen, weil der Gaspreis den Ölpreis mit einer Verzögerung von gut einem halben Jahr abbildet – der Preisverfall also erst bevorsteht. Immerhin würde es dem Konzern laut Vizechef Alexandr Medwedjew zugutekommen, dass er zuletzt in den Verträgen – auf Ersuchen seiner europäischen Abnehmer – die vormalige totale Bindung des Gaspreises an den Ölpreis aufgegeben und in gewissem Ausmaß den Handel nach Spotpreisen an der Börse eingeführt hat. So auch mit der österreichischen OMV-Tochter Econ-Gas.

Am Investorentag in Hongkong unterstrich Gazprom gestern die Wichtigkeit der neuen Asienstrategie. In Europa wolle man bis 2017 wieder zu den vormaligen Rekord-Exportvolumina zurückkehren. 2014 sei der Export nach Europa – Gazproms wichtigste Cashcow - um neun Prozent auf ein Zehnjahrestief von 147 Mrd. Kubikmetern gesunken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2015)