Briatore: "Fernando ist der beste Pilot!"

(c) EPA (Kerim Okten)
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Zum Auftakt der Formel-1-Saison in Melbourne ist Renault-Teamchef Flavio Briatore bester Laune. Der Italiener schwärmt von Alonso, Schumacher und den Queens Park Rangers.

Herr Briatore, die Formel 1 steht für Show, Glamour und Motorsport pur. Zerstört die Finanzkrise in dieser Saison diese „heile Welt“? Oder hat die Teamvereinigung rechtzeitig die richtigen Schritte gesetzt?

Flavio Briatore: Da muss sich überhaupt niemand Sorgen machen! Die Formel 1 wird weiterhin aufregend und glamourös sein. Wir müssen nur vorsichtig darüber nachdenken, wie wir den Sport mit neuen Strukturen absichern. Allerdings, und daran gibt es keinen Zweifel, wird sich der Sport einigen Veränderungen unterwerfen. Meine Fahrer bekommen schon jetzt weniger Geld, aber keine Angst: Sie fahren deshalb sicher nicht langsamer.

Das neue Punktesystem, wonach die meisten Siege und nicht mehr die meisten Punkte zum Titel führen, wurde aufgrund von Protesten auf 2010 verschoben. Was erwarten Sie sich von dem neuen System?

Wenn das neue System 2010 kommt, wird alles noch spannender. Die Show bekommt mehr Gewicht, es geht dann nur noch um den Sieg. Davon lebt der Motorsport, glauben Sie mir.

Vergangene Saison war Ihr Team die große Überraschung. War das allein auf Fernando Alonso zurückzuführen? Ist Renault in dieser Saison wieder ein Titelkandidat?

Zweifellos hat Fernando einen ganz wichtigen Anteil an unserem Erfolg. Er hat vergangene Saison einen unglaublichen Job gemacht! Ich kann gar nicht abschätzen, was wir ohne ihn geschafft hätten. Aber wir dürfen eines nicht vergessen: Die Formel 1 ist ein Teamsport. Ein sehr schneller Fahrer braucht auch ein schnelles Auto. Am Saisonende hatten wir einen Wagen, der genau auf Fernandos Talent abgestimmt war. Ich hoffe, es gelingt uns jetzt schon viel früher. Das bedarf den Einsatz der ganzen Mannschaft.

Was für ein Typ ist Alonso, wie würden Sie ihn beschreiben?

Auf der Rennstrecke kennt Fernando nur eines: gewinnen. Er versucht immer, das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Damit spornt er auch das Team an, er motiviert einfach alle. Auf persönlicher Ebene haben wir ein sehr gutes, ehrliches Verhältnis. Er ist ein intelligenter, junger Mann, der zwar manchmal zurückhaltend und ernst wirkt, aber doch viel Humor hat.

Bei McLaren-Mercedes konnte man damit aber nicht umgehen. Braucht er einen Mentor, einen Aufpasser – wie Sie? Haben Sie im Umgang mit Piloten eigene Tricks?

Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, was er bei McLaren nicht bekommen hat. Hier bei uns fühlt er sich wohl, es ist für ihn sicherlich wie ein zu Hause. Und, ich weiß, wie er tickt! Es ist das Team, mit dem er die meiste Zeit seines Lebens unterwegs war, und diese enge Bindung macht es leichter, so erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Hand aufs Herz: Wer ist der bessere Fahrer, Alonso oder Lewis Hamilton?

Das ist für mich keine Frage. Fernando ist der beste Pilot auf der Strecke!


Würden Sie, wenn es irgendwann möglich wäre, Hamilton engagieren?

Ich habe einen großen Respekt vor Lewis und dem, was er in so kurzer Zeit erreicht hat. Aber ich sehe seine Zukunft eindeutig bei McLaren.

Was zeichnet einen perfekten Formel-1-Fahrer eigentlich aus?

Er muss schnell sein, intelligent und hungrig auf Erfolg.

Wer ist Ihrer Meinung nach der beste F-1-Pilot aller Zeiten?

Ich habe das Glück, sowohl mit Alonso als auch Michael Schumacher gearbeitet zu haben. Für mich zählen sie zu den allerbesten. Aber vergessen wir Ayrton Senna und Alain Prost nicht, sie waren auch große Champions.

Denken Sie noch oft an die Zeit mit Michael Schumacher? War das Ihre größte Epoche in der Formel 1?

Ich habe nur gute Erinnerungen an die Arbeit mit Michael. Wir haben zwei Titel und viele Rennen gewonnen. Genauso spüre ich heute noch die Emotionen, als ich mit Fernando und Renault triumphiert habe. In Wahrheit aber schaue ich immer nur nach vorne. Wenn du deine Träume erfüllt hast, musst du dir neue Ziele setzen, auch wenn es die gleichen sind wie immer. Und im Moment will ich unbedingt, dass Renault wieder Weltmeister wird!


Sind Ferrari und McLaren-Mercedes wieder die Favoriten? Die Testfahrten waren nicht berauschend, auch für Renault nicht.

Diese beiden Teams sind immer stark. Aber wir werden ihnen das Leben wieder schwer machen. In der Vorbereitungsphase waren alle Teams eng beieinander, viele werden sicherlich auch um den Titel mitstreiten. Im Rennen aber ist alles wieder ganz anders.

Sie haben in der Formel 1 alles gewonnen, hat ein Mann in Ihrer Position noch Träume? Wäre es nicht reizvoller, Ihren Fußballklub Queens Park Rangers in der Premier League zu sehen?

Jeder Mensch sollte doch Träume haben und nach Höherem streben! Ich habe viel erreicht, aber ich will immer mehr gewinnen. Natürlich habe ich auch ein Leben außerhalb der Formel 1. Mit den Rangers will ich so schnell wie möglich in der Premier League spielen – das wäre wirklich fantastisch!

Wären Sie nicht auch ein geeigneter Nachfolger für Bernie Ecclestone? Wenn ja, was würden Sie verändern?

Ich bin dem Erfolg von Renault verschrieben, denke also über andere Jobs in der Formel 1 nicht nach. Was Bernie in den letzten 30 Jahren auf die Beine gestellt hat, ist das aufregendste Sportspektakel aller Zeiten, weltweit! Da muss man nichts ändern...

Ihnen eilt ein gewisses Playboy-Image voraus. Stört es Sie nicht, fortlaufend Ziel der Paparazzi zu sein?

Für mich ist das ganz einfach: Du musst hart arbeiten und hart mitspielen. Der Eindruck, dass ich andauernd nur auf Partys bin, stimmt nicht. Wenn ich einmal Urlaub mache in meiner Heimat Sardinien, weiß es gleich jeder und denkt, der Briatore verbringt sein ganzes Leben ja nur am Strand. Dabei ist das nur ein kleiner Teil meines Leben, ein sehr kleiner. Dass ich jeden Tag um sechs Uhr früh in die Arbeit fahre, will hingegen niemand wissen. Oder?

Sie haben im Juni 2008 geheiratet, wie sehr hat sich ihr Leben seitdem verändert?

Es ist einfach großartig für mich, verheiratet zu sein. Ich bin unsterblich verliebt und habe mit Elisabetta die richtige Frau gefunden. Jetzt bin ich ein glücklicher Mann – sehr zum Leidwesen der Paparazzi...

Wie lange bleiben Sie noch in der Formel 1?

Solange ich Spaß an dem habe, was ich tue, werde ich weitermachen. Jetzt gerade sind signifikante Änderungen in diesem Sport im Gange, und da will ich natürlich ein Wörtchen mitreden. Ich kann noch wertvolle Beiträge leisten und das Team in dieser Evolution des Motorsports leiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2009)

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