Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Sprechen Sie Parlamentarisch?

23 Amtssprachen beschäftigen hunderte Dolmetscher im EU-Parlament. Manchmal wird überkreuz übersetzt.

Brüssel. „Es regnet in Strömen“ heißt im Englischen „Es regnet Katzen und Hunde“. Solche Herausforderungen können Hunderte von Simultandolmetschern im EU-Parlament in Brüssel und Straßburg nicht erschüttern. Ist Plenarwoche an einem der beiden Sitze, dann nehmen dort knapp zwei Dutzend von ihnen hinter getönten Scheiben Platz, reihum, mit Blick auf den Plenarsaal. Andere arbeiten im Hintergrund bei Vorbereitungen der Abgeordneten.

785 EU-Parlamentarier haben im Plenarsaal Platz, sie kommen aus 27 Mitgliedstaaten und mehreren Fraktionen oder sind fraktionslos. Sie sprechen die heute 23 Amtssprachen der EU. Ab 1958, zu Beginn der damaligen EG, waren es zunächst nur vier: Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch, die Sprachen der Gründerstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Benelux.

Heute zählt zum Beispiel auch das irische Gälisch dazu oder Maltesisch, wofür es wenige Übersetzer gibt. Damit es trotzdem klappt, wird manchmal „relais“ übersetzt, also über einen Mittler; etwa vom Maltesischen ins Englische. Und der Dolmetscher, der ins Gälische übersetzen soll, was der Malteser gesagt hat, tut das von der englischen Übersetzung weg.

Sogar mehrere „Zwischenstationen“ sind mitunter dabei. Immerhin sind 506 Sprachkombinationen möglich, da jede Amtssprache in die 22 übrigen übersetzt werden kann. Wobei Englisch meist eine große Hilfe beim Relais-Übersetzen ist. Doch gerade für diese Lingua franca in der EU-Metropole Brüssel würden die Dolmetscher knapp, warnte kürzlich die EU-Kommission. Das zeichnet sich auch im EU-Parlament ab. „Es ist gar nicht so schwer – ein Job wie andere auch“, machte die Kommission Mut.

Einig sind sich die Verantwortlichen in allen EU-Institutionen aber darüber, dass die Verantwortung groß ist, in Sekundenschnelle alles „richtig“ zu übersetzen. Also nicht nur die Wörter selbst korrekt zu übertragen. Für das Fachvokabular vom „Komitologieverfahren“ bis zur „EU-Wegekostenrichtlinie“ haben die Dolmetscher fixe, EU-konforme Übersetzungen parat.

Doch auch die eigentliche Bedeutung einer Aussage muss erfasst werden. Oft hilft der Ton oder die Mimik eines Abgeordneten im Europaparlament. Gar nicht so selten kommt es vor, dass die Dolmetscher dann selbst hinter ihren Fenstern, je nach Botschaft des Abgeordneten, ein freundliches oder finsteres Gesicht machen oder wild gestikulieren. Höchste Konzentration zählt, damit „Europa“ sich versteht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2009)