Architekt Hollein: „Dann gebt's es halt dem Gehry“

(c) APA (Roland Schlager)
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Architekt Hans Hollein feiert am Montag seinen 75.Geburtstag und denkt nicht an Pension. Er baut gerade in Peru und China und hätte gerne einmal eine Oper oder einen großen Konzertsaal errichtet.

Sie haben gerade in Peru und China Wettbewerbe gewonnen. Was sind das für Projekte?

Hollein: Wir haben zwei Wettbewerbe gewonnen, einen in Lima, eine Corporate University, dort haben wir schon zwei andere Baustellen. In Shenzhen bauen wir eines von drei Hochhäusern, rund um den angeblich größten „Stock Exchange“ der Welt, für den Rem Koolhaas den Wettbewerb gewonnen hat. Wir werden sehen, wie die Dinge in China weitergehen, ich habe dort gute und schlechte Erfahrungen gemacht.


Rund um die Olympischen Spiele wurde Architekten wie Rem Koolhaas und Herzog & de Meuron, die für Peking ikonische Gebäude bauten, vorgeworfen, sich für Propaganda einspannen zu lassen. Wie sehen Sie das?

Hollein: Nicht ganz so. Ich hätte auch fast das Opernhaus Peking gebaut und mich deshalb auch nicht ausgenützt gefunden. Es ist immer die Frage, was man baut. Ein Gefängnis etwa würde ich nicht gerne bauen.


Gut. Eine Kirche haben Sie aber auch nie gebaut, ebenfalls aus moralischen Gründen?

Hollein: Nein, ich hätte gerne eine gebaut, hatte ja auch mit Monsignore Mauer enge Beziehungen. Der Kardinal Schönborn hat mich zwar einmal zum Essen eingeladen... er hat mich gefragt, ob ich Freimaurer wäre.

Weil Sie zum Beispiel Pyramiden und Säulen verwendet haben?

Hollein: Ich habe mich sehr stark mit dem Tempel in Jerusalem beschäftigt, ohne überhaupt zu wissen, dass es sich hier auch um Freimaurersymbolik handelt. Jedenfalls bin ich kein Freimaurer.

Und woran glauben Sie?

Hollein: Ich bin nicht katholisch, habe mich auch mit anderen Religionen beschäftigt. Aber in Österreich ist es durchaus okay, wenn man mit gewissen katholischen Situationen lebt. Ich glaube, dass Rituale sehr wichtig sind.

Auch der Kunstsenat, dessen Präsident Sie sind, ist ja eine Art Ritual. Viel hört man jedenfalls nicht von ihm...

Hollein: Wir weisen schon auf Dinge hin, haben uns etwa sehr für das Radio Symphonie Orchester eingesetzt. Wissen Sie, der Kunstsenat besteht aus 21 Mitgliedern – und einige habe ich überhaupt noch nie gesehen. Es gibt aber eine Kerngruppe, die aktiv ist.

Eigentlich sollte der Kunstsenat die jeweilige Regierung in kulturellen Fragen beraten.

Hollein: Also der Morak hat auf uns gehört. Und mit der Frau Ministerin Schmied hatten wir erst kürzlich eine Begegnung – allerdings war das zwei Tage, bevor ihr Konflikt mit den Lehrern begann, das ist jetzt natürlich ihre Hauptproblematik.

Sind Sie zufrieden mit der Kulturpolitik der letzten Jahre?

Hollein: Nein, absolut nicht. Beim Morak sind wir ein bisschen nähergekommen. Der Kunstsenat hat ja immer ein eigenes Kunstministerium gefordert, das habe ich Molterer auch vorgetragen – aber er hat nur gesagt, das könne er selbst.

Soll das ORF-Zentrum unter Schutz gestellt werden?

Hollein: Ja, und der ORF könnte ohne Weiteres auch dort bleiben.

Ist es ein Hauptwerk Roland Rainers?

Hollein: Für mich ist es jedenfalls eher ein Hauptwerk als die Stadthalle. Es war ein Statement für eine neue Art des Bauens. Das mit den Hauptwerken ist aber immer schwer zu beantworten, das weiß auch ich nie, das ist wie mit Kindern, da kann man auch nicht sagen, welches man am liebsten hat.


Gut, also fragen wir anders: Was hätten Sie denn am liebsten gebaut?

Hollein: Ein Opernhaus unter anderem – einen kleinen Konzertsaal habe ich ja erst kürzlich gemacht, in Waidhofen an der Ybbs. Ich war aber schon nahe daran, bei der Disney Concert Hall in Los Angeles, da habe ich den Fehler meines Lebens begangen. Nach mehreren Stunden Beratung sind für die Jury zwei Architekten übrig geblieben, Frank Gehry und ich. Um Mitternacht hat man mich dann angerufen, ob ich mir vorstellen könne, mit Gehry gemeinsam zu bauen. Ich war mit ihm befreundet und er hat damals in L.A. noch nichts zu bauen gehabt, da habe ich gesagt – dann gebt's es halt dem Gehry.

Zur Person

Am 30.März 1934 in Wien geboren, gilt Hans Hollein heute als international anerkanntester österreichischer Architekt, er ist einziger österreichischer Träger des renommierten Pritzker-Preises. Er studierte bei Clemens Holzmeister, entwarf in den 60er Jahren radikale Architektur-Utopien, entwarf Möbel etc. 1965 dann der erste Bau, das Kerzengeschäft Retti in der Wiener Innenstadt. Bekannt wurde er auch für seine Museumsbauten wie in Mönchengladbach, Frankfurt und in der Auvergne („Vulcania“). Seit 1999 ist er Präsident des österreichischen Kunstsenats.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2009)

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