Es warad wegen der Wahl

Slogans politischer Parteien sind meist eher griffig als inhaltsvoll.

Slogans politischer Parteien sind meist eher griffig als inhaltsvoll. „Sozial. Entschlossen. Zuverlässig“ oder „Den sozialen Weg gehen“, zum Beispiel, klingen zwar gut. Doch hinterlassen sie nach zustimmendem Nicken („Ja, das mit sozial ist sicher super!“) ein Vakuum, was man denn nun konkret damit anfangen soll. Geschweige denn, dass man den Inhalt der Sprüche in den Jahren nach der Wahl ohnehin kaum in der realen Politik aufspüren könnte.

Insofern wünscht man sich geradezu eine neue Ehrlichkeit: dass nämlich auf den Plakaten genau das steht, was die wahlwerbende Gruppe wirklich antreibt. So wie es zuletzt das Duo Fritz Strobl vom Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband und Wiens Bürgermeister, Michael Häupl, für die Wahl zur Wiener Wirtschaftskammer getan haben: „Es warad wegen der Wahl.“ So ist es. Hoffen wir also auf weitere ehrliche Plakate, etwa im kommenden Wiener Wahlkampf: „Einmal noch“ (SPÖ), „Ich bin so gern Vizebürgermeisterin“ (Grüne), „Wir machen es billiger als die Grünen“ (ÖVP), „Wir sind auf jeden Fall dagegen“ (Strache) oder „Wir wollen auch“ (Neos). Es warad halt wegen der Wahl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2015)

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