Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Die singende Königin des Wahnsinns

PK EDITA GRUBEROVA
Edita GruberováAPA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken

45 Jahre an der Wiener Staatsoper: Edita Gruberová präsentierte sich bei der Gala noch einmal in Bestform.

„Non regno! Non vivo!“ So dankt Englands Elisabeth I. am Ende von Donizettis „Roberto Devereux“ ab. Edita Gruberová schleuderte diese Worte auch am Samstag wieder ins Halbrund der Wiener Staatsoper. Eine Gala war angesetzt, galt es doch, 45 Jahre Edita Gruberová an der Staatsoper zu feiern. Es wurde ein Fest. Nicht nur, weil ihre treuen Fans von Beginn an dazu wild entschlossen waren und die Sängerin bereits stehend jubelnd begrüßten. Nein, nach diesem Abend nahm man ihr, trotz aller Überzeugungskraft, mit der sie als Elisabeth das Zepter aus der Hand gab, keine Minute ab, dass die 68-Jährige ihres Amtes, ihres Bühnenlebens als Langzeitkönigin des Belcanto müde wäre.

Einmal mehr strafte sie alle Lügen, selbst jene, die zuletzt mit einiger Skepsis das Theater an der Wien verließen, an dem sie in Bellinis Straniera auf der Premierenbühne stand. Mit vier Ausschnitten aus vier ihrer großen Belcantopartien trat sie in alle etwaigen Defizite beiseitewischender Bestform auf die Bühne, von der aus sie ihre Weltkarriere gestartet hatte. Wo sie 1970 mit „zitternden Knien“, wie sie am Ende gestand, als Königin der Nacht debütierte, wo sie Jahre als Ensemblemitglied diente, bis sie 1976 als Zerbinetta endlich mit ihrer Wunderstimme ins Rampenlicht treten konnte.

 

Hundert Mal als Zerbinetta in Wien

Wie glücklich können ein Haus und sein Publikum sich schätzen, das unglaubliche hundert Mal die Gruberová als Zerbinetta erleben durfte, bei insgesamt 711(!) Staatsopernauftritten. Zwei Jahre später gehörte ihr die Neuproduktion von „Lucia di Lammermoor“, mit der sie sich ihre nächste Glanzpartie eroberte. Mit der Wahnsinnsszene daraus erinnerte sie an die schier unendlichen Jubelstürme, die sie damit entfacht hat. Noch einmal verwirkten sich die Flötentöne Dieter Flurys mit denen der Gruberová, danach galt der Wahnsinn der Elvira aus Bellinis „I Puritani“. Er setzte sich nach der Pause mit dem Finale aus Donizettis „Anna Bolena“ fort und bei „Roberto Devereux“ bekam er die Krone aufgesetzt.

Orchester, Chor und Kollegen feierten unter Marco Armiliato herzlich mit. Am Ende brauste der Jubel, Direktor Dominique Meyer spendete Rosen, Worte und das Zerbinetta-Kostüm, Konfetti und Karten regneten aus dem siebten Staatsopernhimmel, und die Gruberová „drohte“ erfreut an, dass sie, die seit nunmehr 47 Jahren auf der Bühne steht, auch noch den Fünfziger anpeilt! (mus)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2015)