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Die rätselhaft deutliche Niederlage der Abfahrer

ALPINE SKIING - FIS Ski WC Vail/ Beaver Creek 2015
Dominik ParisGEPA pictures
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Kein ÖSV-Abfahrer in den Top Ten – „Königsdisziplin“ ist die Enttäuschung dieser WM. Mayer, Reichelt, Franz und der ÖSV betreiben nun Ursachenforschung.

Vail/Beaver Creek. Die WM in den USA war für Österreichs Speed-Team mehr als nur eine Hochschaubahn der Gefühle. 48 Stunden nach dem Super-G-Triumph von Hannes Reichelt erlebte Rot-Weiß-Rot das schlimmste Abfahrtsdebakel der WM-Geschichte. Schlechter waren die Österreicher noch nie platziert, es schaffte keiner der vier Starter, in die Top Ten zu fahren. „Die Burschen haben Fehler gemacht, ja. Aber die Bedingungen haben uns auch nicht in die Karten gespielt“, bilanzierte Herrencheftrainer Andreas Puelacher nüchtern. Haben womöglich Erfolge Einzelner über die Schwäche der Mannschaft hinweggetäuscht? War es ein einmaliger Fehltritt – dieser Fragen gibt es sonder Zahl.

Die Bedingungen seien „sehr schwierig und unterschiedlich„ gewesen, betonte der Tiroler angesichts des wechselnden Windes im oberen Teil und der unterschiedlichen Sichtbedingungen. Die Jury hatte in den Morgenstunden sogar noch überlegt, den Start nach unten zu verlegen, sich danach aber dagegen entschieden. Allerdings, bei all den „Antworten“ – jeder Fahrer hatte mit diesen Verhältnissen zu kämpfen.

 

Training: Top, Rennen: Flop

Dennoch, FIS-Renndirektor Hannes Trinkl entschuldigte sich am Samstagabend explizit bei Georg Streitberger, Dominik Paris und Beat Feuz. Diese drei Athleten hätten „tatsächlich Pech mit dem Wind“ gehabt. Bei allen anderen waren es faire Bedingungen, „es tut uns leid“. Umso bemerkenswerter ist daher die Leistung von Feuz, der trotzdem zu Bronze fuhr. Es glich einem flächendeckenden Salzstreuen in Österreichs Wunden.

„Wir waren topvorbereitet, und die Läufer waren in guter Form. Sonst wären sie ja in den Trainings nicht so weit vorn dabei gewesen“, erklärte Puelacher, der bei seiner Ursachenforschung keinen Fehler finden wollte. Im ersten Training waren gleich vier Österreicher in den Top neun gelandet, im zweiten Training waren es dann immerhin zwei ÖSV-Athleten in den Top sechs gewesen. „Wir waren vollauf davon überzeugt, dass es gut funktionieren würde.“ Davon war man aber im WM-Showdown letztlich weit entfernt. Matthias Mayer wurde Zwölfter, Hannes Reichelt 13., Max Franz 19. und Streitberger gar nur 29. Ganz auf einen grünen Zweig gekommen ist Puelacher trotz der Mischung aus Fehlern und Wetterpech noch nicht: „Dass wir so weit weg waren, das ist unverständlich.“

Topfvoriten wie Kjetil Jansrud oder Paris ging es zwar nicht besser: Der Norweger wurde 15., der Italiener sogar auf Platz 23 durchgereicht. Dass es unter dem Strich aber eine historische Niederlage wurde, machte den Ärger von Puelacher nicht entscheidend größer. „Bei einer WM geht es um Medaillen. Erster, Zweiter, Dritter – alles andere zählt nicht. Ob ich Achter oder 25. werde, ist egal.“

 

Der Triumph eines Steirers

Mit Sepp Brunner hatte aber auch ein Österreicher großen Grund zur Freude. Der Steirer ist nämlich Cheftrainer der Schweizer Speed-Herren, die mit Patrick Küng und Beat Feuz die Medaillen in Gold und Bronze in der Königsdisziplin abgeräumt haben. „Patricks Goldmedaille war auch für mich wirklich eine Überraschung. Aber er hat seine Leistung, die er in den Trainings immer wieder gezeigt hat, diesmal eben auch im Rennen umgesetzt“, erklärte Brunner, der im Vorjahr die Speed-Herren übernommen hatte. Er arbeitet seit acht Jahren bereits für Swiss-Ski, zuvor war er für Sonja Nef und die individuelle Trainingsgestaltung von Feuz verantwortlich. „Und genau um das geht's bei einem Großereignis“, sagte der 56-Jährige – die eigene Gestaltung der Vorbereitung.

Mit Küng und Brunner jubelten auch weitere Österreicher über den doppelten Triumph des Team Suisse. Der Salzburger Rudi Huber ist Alpinchef bei den Schweizern und der ehemalige Bobpilot Jürgen Loacker ihr Konditionstrainer. Brunner betonte, dass er auf das ganze Team stolz sei. Schließlich landeten auch Carlo Janka (Neunter) und Didier Défago (Elfter) im Spitzenfeld. Ein Sonderlob gab es von Brunner auch an die Serviceleute von Salomon (Feuz) und Head (Feuz). „Es ist viel wert, wenn das Material funktioniert. Wenn das nicht passt, dann kann der Athlet machen, was er will!“

 

1,823 Millionen TV-Zuseher

Bis zu 1,823 Millionen Zuseher haben die Herrenabfahrt live auf ORFeins mitverfolgt. Im Schnitt waren 1,219 Millionen Österreicher– bei 41 Prozent Marktanteil – dabei. Klingt enorm, damit liegt die Abfahrt aber hinter beiden Super-G-Bewerben. Den Damen-Super-G am Dienstag haben durchschnittlich 1,294 Millionen live im ORF gesehen, beim Herren-Super-G am Donnerstag waren im Schnitt 1,234 Mio. live dabei. Bei der Damenabfahrt am Freitag wurden 1,216 Millionen Zuschauer ermittelt. (fin)

HERRENABFAHRT

GPatrick Küng (SUI) 1:43,18
STravis Ganong (USA) 0,24
BBeat Feuz (SUI) 0,31

Platzierungen: 4. Nyman (USA) 0,34 5. Fayed (FRA) 0,39 6. Svindal (NOR) 0,45 7. Bank (CZE) 0,56 8. Théaux (FRA) 0,63 9. Janka (SUI), Weibrecht (USA) 0,67 11. Défago (SUI) 0,71 12. Mayer 0,92 13.Reichelt 0,94 19. Franz 1,31 29. Streitberger 2,50.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2015)