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Wien: Vier von zehn Schülern sind Migranten

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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In Wien haben bereits 40 % aller Schüler Migrations-Hintergrund. Schmied sah sich angesichts dieser Zahlen in ihrer Forderung nach einer Intensivierung der Sprach-Förderung bestätigt.

Für heftige Diskussionen sorgten am Montag neue Zahlen über einen hohen Migrantenanteil an den österreichischen Schulen: Zwar haben (im Schnitt gerechnet) nur 17,8 Prozent aller Schüler in Österreich Migrationshintergrund (sind also entweder Ausländer oder Inländer mit nichtdeutscher Muttersprache), in einzelnen Bezirken beziehungsweise in einzelnen Schultypen steigt der Anteil aber drastisch an, was zu Extremfällen führen kann.

 

 

•In einigen Teilen Wiens gibt es Klassen, in denen nur Kinder mit Migrationshintergrund sitzen, etwa in Ottakring (16.Bezirk) und in der Brigittenau (20.Bezirk).

•Extrem hoch ist auch der Anteil an ausländischen Schülern und Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache an den Hauptschulen von Hernals (17.Bezirk) – nämlich 93,2 Prozent.

•In der Brigittenau haben zwei von drei AHS-Schülern (67,4Prozent) Migrationshintergrund.

•In Wien hat jede zehnte Volksschule einen über 90-prozentigen Anteil an Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

 

Viele Ausländer in Hauptschulen

Österreichweit ist die Bundeshauptstadt Wien bei den Ausländerzahlen in Schulen „führend“. Wie aus Statistiken des Unterrichtsministeriums hervorgeht, beträgt in den Wiener Schulen im Durchschnitt der Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache 40,4Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit 19,6Prozent. Am Ende der Bundesländerskala liegen Niederösterreich (10,9), Kärnten (10,1) und die Steiermark (9,2Prozent).

Differenziert man in Wien hinsichtlich Schultypen, so ist erkennbar, dass an den Hauptschulen Wiens der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund schon 59,5 Prozent beträgt und an den Volksschulen immer noch 50,1Prozent. Das heißt, jedes zweite Wiener Volksschulkind hat Migrationshintergrund. Im Schnitt. Besonders drastisch wird es aber, wenn man sich die Detailstatistik in einigen Wiener Bezirken ansieht.

•Volksschulen: Im fünften Bezirk (Margareten) beträgt der Ausländeranteil an den Volksschulen gar 83,7Prozent, gefolgt von Rudolfsheim-Fünfhaus (78,1), Ottakring (76,8) und der Brigittenau (75,3). Das heißt, dass in diesen Bezirken – grob gesagt – nur jeder fünfte Volksschüler klassische österreichische Eltern hat.

•Bei den Hauptschulen sieht es noch drastischer aus. In Hernals sind – wie erwähnt – 93,2Prozent der Hauptschüler nichtdeutscher Muttersprache, gefolgt von Margareten (89,9) und interessanterweise der bürgerlichen Josefstadt (87,7Prozent).

Schmied sah sich am Montag angesichts dieser Zahlen in ihrer Forderung nach einer Intensivierung der Sprachförderung bestätigt. Sie würde gerne Schulen, in denen es viele Kinder mit Migrationshintergrund gibt, eine „bessere Ressourcen-Ausstattung“ zukommen lassen und die Sprachförderkurse an Pflichtschulen und berufsbildenden Schulen intensivieren.

 

Kritische Polit-Reaktionen

Dafür seien allerdings Strukturreformen nötig, so Schmied, die aber nur dann finanzierbar seien, wenn die von ihr geforderte Verlängerung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden durchgesetzt werde.

 

 

Von der FPÖ wurden die Schulzahlen äußerst kritisch kommentiert. Die sei ein „Supergau“ für deutschsprechende Österreicher. Sowohl Freiheitliche wie BZÖ forderten von Unterrichtsministerin Schmied eine Beschränkung ausländischer Schüler auf 30Prozent pro Klasse. Im Wiener Stadtschulrat wird darauf hingewiesen, dass man Kinder nichtdeutscher Muttersprache nicht gleichsetzen dürfe mit Kindern, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügten. Zusatzinformation zur Debatte vom ORF-Radio: Wenn man internationale Statistikstandards anwendet, stellen in zumindest vier Wiener Bezirken Menschen mit Migrationshintergrund bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2009)