Ursula Stenzel, die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt meldet sich mit einem spektakulären Vorstoß zurück: Die City soll zur Begegnungszone werden. Ein Indiz, dass sie noch einmal antreten wird?
Wien. Sie ist wieder da. Und wer Ursula Stenzel kennt, hat wohl nicht damit gerechnet, dass es ein leiser Auftritt werden würde. Am Dienstag sorgte die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt für Aufregung, als sie forderte, die gesamte Wiener Innenstadt zur Begegnungszone zu machen. Damit schaffte sie es wieder mit einem spektakulären Vorstoß in die Schlagzeilen. Und das nährt die Gerüchte, dass sie es vielleicht doch noch einmal wissen will und womöglich bei der kommenden Wiener Gemeinderatswahl mit einer eigenen Liste antritt.
Nachdem die Wiener ÖVP im November mit der Nominierung von Markus Figl als Spitzenkandidat Stenzel abserviert hatte, war sie auf Tauchstation gegangen. Sie werde bis zum Ende ihrer Amtszeit weiterarbeiten, ließ sie verlautbaren. Viel mehr war (abgesehen zuletzt vom Akademikerball, als sie einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres forderte) lange nichts zu hören. Schon im November kursierten Gerüchte, dass sie es abseits der ÖVP noch einmal probieren könnte. Was dafür spricht, ist ihre Beliebtheit im Bezirk. Mit schrillen Auftritten und unkonventionellen Aktionen hatte sie sich in der City eine gewisse Stellung erstritten – was auch aus dem Stenzel-Büro mehr oder weniger dezent getrommelt wird. Der von der ÖVP ins Rennen geschickte Figl gilt dagegen als weitgehend farblos.
Gegen ein Antreten spricht, dass Stenzel keinen Parteiapparat hinter sich hat. Funktionäre, die für sie Stimmung machen, ließen sich vielleicht durch persönliches Engagement ausgleichen. Doch ob sie auch die finanziellen Mittel für einen Wahlkampf aufbringen könnte, bleibt fraglich. Im Stenzel-Büro bleibt man bei der Frage nach einem Antreten kryptisch. Kein Ja, kein Nein, dafür viele Worte darüber, was Stenzel in ihrer Amtszeit für den Bezirk geleistet habe.
„Mindestens sieben Monate“
Dass die Bezirksvorsteherin kurz vor der Wahl noch ein derart großes Projekt ankündigt, begründet man damit, dass die Anrainer Anspruch darauf hätten, dass ein Politiker bis zur letzten Minute anständige Arbeit macht: „Es heißt ja nicht, dass ein Politiker, wenn ein Wahltermin bevorsteht, die Hände in den Schoß legen muss“, sagt Stenzels Sprecherin zur „Presse“. Und je nachdem, wann nun tatsächlich gewählt wird, habe man mindestens noch sieben Monate vor sich, bis die neue Bezirksvorstehung konstituiert wird.
Die ins Spiel gebrachte Idee selbst sieht vor, dass die gesamte Innenstadt, abgesehen von den Fußgängerzonen und den Routen für den City-Bus, zur Begegnungszone werden soll. Soll heißen, dass auf sämtlichen Straßenzügen Fußgänger, Radfahrer und Autolenker gleichberechtigt unterwegs sein dürfen, wobei ein Tempolimit von 20 km/h gilt. Mit dem Nebeneffekt, dass die Innenstadt dann auch für Touristenbusse nicht mehr befahrbar wäre. Und dass man, so Stenzels Wunsch, auch den „Schilderwald an Verkehrszeichen“ schlagartig reduzieren könnte. Lediglich an den paar Einfahrtsstraßen in den Bezirk müsste der Beginn der Begegnungszone ausgeschildert werden, andere Verkehrsschilder könnte man dann einsparen. Sie werde jedenfalls, so Stenzel in einer Aussendung, eine entsprechende Machbarkeitsstudie von der Stadt Wien fordern.
Vassilakou: „It's a deal“
Im Rathaus wurde der Wunsch dann auch tatsächlich sogleich aufgegriffen – wenig verwunderlich, liegt doch die Zuständigkeit für derartige Projekte im Planungsressort von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), die mit der Mariahilfer Straße das Konzept der Begegnungszone in Wien erstmals auf den Boden brachte. „It's a deal, Frau Stenzel“, hieß es in einer Aussendung. Man werde die entsprechende Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen. Eine ungewöhnliche Koalition, die sich hier ergab. Die zwar in Hinblick auf die Wahl nichts bedeutet. Aber die zumindest eines nahe legt: Ursula Stenzel hat offenbar nach wie vor keine Lust auf den Ruhestand.
Auf einen Blick
Idee. Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, möchte die gesamte Wiener City zur Begegnungszone umwandeln, in der Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichberechtigt sind. Ein solches Modell wurde im Vorjahr in Wien erstmals auf Teilen der Mariahilfer Straße verwirklicht. Im Büro der zuständigen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) hat man nun eine Machbarkeitsstudie angekündigt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2015)