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Studie: Macht Bingewatchen depressiv?

(c) BilderBox
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Forscher der Universität Texas sehen einen Zusammenhang zwischen depressiver Verstimmung und exzessivem TV-Konsum.

Der Begriff Bingewatching steht seit dem vergangenen Sommer sogar im Oxford Dictionary und heißt so viel wie „mehrere Serien am Stück ansehen“. Dieses durch Video-on-demand-Plattformen wie Netflix geförderte Verhalten interessiert nun auch die Wissenschaft: Ein Forscherteam der US-amerikanischen Universität von Texas in Austin will einen Zusammenhang zwischen exzessivem TV-Konsum und depressiven Verstimmungen erkannt haben. Für ihre Studie wurde freilich eine relativ überschaubare Anzahl von 316 Personen zwischen 18 und 29 Jahren befragt. Die Probanden mussten angeben, wie viele Stunden pro Tag sie fernsehen, wie häufig sie depressive Verstimmungen verspüren und wie oft sie tatsächlich stundenlang dieselbe Serie ansehen.

Noch sind nicht alle Details der Studie bekannt, da sie erst im Mai bei einer Tagung in Puerto Rico präsentiert wird. Die Forscher glauben aber, dass Menschen, die grundsätzlich depressiv sind oder häufig ein Gefühl von Einsamkeit verspüren, auch stärker zum Bingewatchen neigen. Konkret geht es um das Ansehen von vier oder mehr Episoden einer Serie. Es handle sich dabei ebenso um eine Sucht wie bei Bingeeating oder Bingedrinking (Komatrinken). Menschen, die sich schwertun, ihr Verhalten zu kontrollieren, würden eher dazu tendieren, stundenlang fernzusehen und immer wieder auf den „Nächste-Folge“-Knopf drücken.

Aus den wenigen Details, die bisher über die Studie bekannt sind, lässt sich schwer ermitteln, wo der Unterschied zwischen stundenlangem Fernsehen und dem gezielten Schauen einer bestimmten Serie wie „Game of Thrones“ oder „Orange is the New Black“ liegt. Bisher gibt es wenig wissenschaftliche Erkenntnisse rund um das Bingewatchen. Die Forscher der Universität Texas warnen jedenfalls davor, dieses Verhalten als völlig harmlose Abhängigkeit abzutun. „Körperliche Müdigkeit und Probleme wie Fettleibigkeit und andere gesundheitliche Probleme stehen oft mit Bingewatching in Zusammenhang“, sagt Yoon Hi Sung, einer der drei Studienautoren.

Für Lebensratgeber-Webseiten wie .Mic reichen solch semigenaue Studiendetails jedenfalls schon, um pauschal zu behaupten: „Science has bad news for people who binge-watch TV-shows.“ (awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2015)