Commerzbank bleibt trotz Gegenwind ehrgeizig

Die Commerzbank hat das Jahr 2014 besser abgeschlossen als erwartet.

Frankfurt. Die Commerzbank lässt sich von der anhaltenden Zinsflaute in Europa und den Konjunktursorgen nicht von ihrem Kurs abbringen. Nach mehreren Sanierungsjahren will Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus in diesem Jahr wieder Fahrt aufnehmen. Vorstandschef Martin Blessing verteidigte am Donnerstag die Mittelfristziele, obwohl es auch im eigenen Haus Zweifler gibt - gerade an der angepeilten Rendite. Das Marktumfeld dürfte zwar für die gesamte Finanzbranche herausfordernd bleiben, erklärte er. "Damit bleiben die Ziele unserer strategischen Agenda weiter ambitioniert." Grund zur Kapitulation gebe es aber nicht. "Wir werden am Markt noch stärker angreifen und wollen in der Kernbank profitabel wachsen."

Blessing geht durchaus mit Rückenwind ins neue Jahr. Weil das vierte Quartal 2014 unerwartet stark ausfiel, schaffte die "gelbe Bank" im Gesamtjahr einen deutlichen Gewinnsprung: Der Überschuss vervielfachte sich auf 602 (Vorjahr: 81) Millionen Euro, das operative Ergebnis zog um 40 Prozent auf gut eine Milliarde Euro an. 2013 war zwar vom teuren Umbau des Privatkundengeschäfts belastet gewesen, weshalb die Zahlen dieses Mal umso besser aussahen. Doch die Commerzbank profitierte zuletzt auch von geringeren Rückstellungen für faule Kredite. Anders als von Analysten befürchtet musste das Institut auch nicht allzu viel für die Rückerstattung von Kreditgebühren reservieren. Insgesamt beliefen sich die Belastungen auf 75 Millionen Euro - ein Bruchteil dessen, was etwa die Deutsche Bank zu schultern hat. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Herbst, dass Banken jahrelang zu Unrecht Bearbeitungsgebühren für Ratenkredite kassierten, hatte zu einer Flut von Rückforderungen geführt.

Mit ihrer starken Fokussierung auf Privatkunden und den Mittelstand ist die Commerzbank besonders verwundbar, wenn die Zinsen niedrig bleiben und die europäische Wirtschaft noch längere Zeit schwächelt. Im Heimatmarkt sitzt der Mittelstand aber auf sehr viel Geld und fragt weniger Kredite nach als erhofft. Auch Engels räumte ein, dass sich das Wachstum in der Mittelstandsbank wohl verlangsamen wird. Das könnte das wichtigste Ziel von Blessing in Gefahr bringen: Im Jahr 2016 soll die Kernbank - also ohne Berücksichtigung der Altlasten in der internen "Bad Bank" - eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens zehn (2014: 7,3) Prozent erzielen. Schon im Herbst hatte sich der Aufsichtsrat laut Insidern Sorgen gemacht, dass die Annahmen des Vorstands zu optimistisch seien.

Im vergangenen Jahr konnten die beiden wichtigsten Sparten ihren Gewinn aber noch steigern. Die Commerzbank gewann unter dem Strich knapp 300.000 Privatkunden neu hinzu. Damit scheinen sich die Modernisierung der Filialen und die Überarbeitung des Online-Auftritts auszuzahlen. Das Investmentbanking, das seit der Finanzkrise deutlich eingedampft wurde, verbuchte dagegen einen Gewinnrückgang.

Gut voran kommt die Commerzbank in ihrer internen "Bad Bank", in der seit 2012 ausrangierte Immobilien- und Schiffskredite sowie Staatsanleihen lagern. Das gesamte Volumen hat sich mittlerweile fast halbiert und liegt noch bei 84 Milliarden Euro. Viele Papiere lassen sich inzwischen wieder sehr gut verkaufen, weil etwa Hedgefonds auf satte Renditen spekulieren. Ihren Verlust konnte die Abbausparte im abgelaufenen Jahr deutlich reduzieren.

Dennoch blieben die Anleger in Deckung: Mit einem Minus von über einem Prozent war die Commerzbank-Aktie im frühen Handel Schlusslicht im Dax. Dass die Anleger der noch immer teilverstaatlichten Bank in Sachen Dividende abermals leer ausgehen würden, hatte sich jedoch schon länger abgezeichnet. Das letzte Mal hatte die Bank für 2007 eine Dividende von einem Euro überwiesen. Noch mehr auf die Stimmung der Anleger dürfte schlagen, dass die Commerzbank einen potenziell sehr teuren Vergleich mit den US-Behörden wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße und Geldwäsche vor sich her schiebt. Kurz vor Weihnachten war aus Finanzkreisen verlautet, dass sich die Rechnung auf über eine Milliarde Dollar (800 Millionen Euro) belaufen könnte. Finanzchef Stephan Engels sagte, die Verhandlungen liefen auf Hochtouren. Ein Vergleich dürfte "eher früher als später" kommen.

Die Bank rüstet sich dafür: Die gesamten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen 2014 um knapp 500 Millionen Euro auf nunmehr 1,4 Milliarden Euro - und könnten 2015 weiter nach oben gehen, wie Engels in einer Telefonkonferenz mit Analysten sagte. Wieviel davon für die US-Affäre reserviert ist, ließ er offen. Es dürfte aber der Großteil sein.

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