Bei Aktien noch kaum Besserung in Sicht

(c) AP (Michael Probst)
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Allianz-Experten empfehlen österreichische Anleihen. Mit starker Inflation rechnen sie eher nicht.

Wien (b.l.). Wer derzeit noch Geld zum Veranlagen hat, sollte es eher in österreichische Bundesanleihen stecken als in Aktien. Vor allem von europäischen Aktien sollte man noch die Finger lassen. Das geht aus dem jüngsten Quartalsausblick der Anlageexperten der Allianz Investmentbank AG hervor.

Für Staatsanleihen erhält man zwar nicht mehr so hohe Aufschläge wie noch vor ein paar Wochen, das Niveau sei aber nach wie vor attraktiv, meint Allianz-KAG-Chef Martin Maier. Vor allem bei österreichischen Anleihen: Trotz bester Bonität (Triple-A-Rating) bekommt man für heimische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit vier Prozent Zinsen. Das ist mehr als in Deutschland (drei Prozent), Frankreich (3,6), Großbritannien (3,2), der Schweiz (2,1) oder den USA (2,6 Prozent). Die Gefahr sei in Österreich aber kaum höher: Das Osteuropa-Risiko werde überschätzt, meint Maier. Mit einer prognostizierten Staatsverschuldung von 62 Prozent im Jahr 2009 stehe Österreich besser da als Deutschland (70 Prozent).

Keine Anzeichen für Preisauftrieb

Der hohe Zinsabstand bietet auch Schutz, wenn die Inflation wieder anzieht: Davon wären zuerst deutsche Anleihen negativ betroffen, österreichische würden relativ attraktiver. Die Experten glauben aber nicht, dass die Teuerung in den nächsten Jahren stark zulegen wird. Von Löhnen und Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit kein Druck ausgehen. Auch bei den Rohstoffen seien keine massiven Anstiege in Sicht. „Wann die Konjunkturpakete inflationstreibend wirken, wird man erst sehen“, sagte Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank.

US-Anleihen oder solche aus Japan seien wegen der niedrigen Zinsen weniger zu empfehlen, in den Emerging Markets dürften die Währungen unter Druck bleiben. Bleiben Aktien: Diese seien zwar fundamental günstig bewertet, doch sind die Investoren derzeit extrem zurückhaltend und dürften das in absehbarer Zeit auch bleiben: Weder die Konjunkturdaten noch die Unternehmensergebnisse dürften demnächst positive Überraschungen bieten.

Kurzfristig Bärenmarktrallys möglich

Allerdings sind neuerliche Bärenmarktrallys (Zwischenhochs im Abschwung) wie in der vergangenen Woche nicht auszuschließen. Wer es also dennoch mit Aktien versuchen will, sollte eher US-Aktien als europäische kaufen: Die Konjunkturpakete der US-Regierung und die Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank seien viel umfangreicher als in Europa. Profitieren sollten auch Schwellenländeraktien: Das Wachstum in Asien dürfte heuer positiv sein, die Banken sind relativ stabil, und auch Ölpreis und Rohstoffpreise stabilisieren sich.

Bestimmte Branchen zu bevorzugen sei derzeit schwierig, da die Volatilität enorm sei. „Das kann sehr schnell gehen“, stellt Bruckner fest. So haben zuletzt Bankenwerte einen Aufschwung erlebt, defensive Titel sind aber unter die Räder gekommen.

AUF EINEN BLICK

Staatsanleihen punkten mit hohen Zinsen bei überschaubarem Risiko. Die Gefahr einer Inflation halten Experten für gering.

Aktien sind zwar ebenfalls günstig bewertet, doch dürfte das Vertrauen in den Markt nicht so bald zurückkehren. Schon gar nicht in Europa. In den USA dürften die Konjunkturpakete Auftrieb geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2009)

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