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Sparkling Science: Bist ein Migrant, bist trotzdem ein Tiroler

(c) Clemens Fabry
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Schüler aus Hall in Tirol betrieben Migrationsforschung und sorgten dafür, dass „Fremde“ zu einem Teil des Geschichtsbewusstseins wurden. Migranten arbeiten und leben seit Jahrzehnten im Ort.

„Wer sich mit Migrationsgeschichte beschäftigt, braucht einen langen Atem“, sagt Dirk Rupnow, Leiter des Institutes für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck. Migration sei zwar seit jeher Teil der Geschichte Österreichs, aber als solche lang nicht akzeptiert worden. Ausländer bereisten das Tourismusland aber nicht nur, sie kamen auch, um hier zu arbeiten und zu leben.

Die Österreicher brauchten seit den 1960er-Jahren die zusätzliche Hilfe, warben vor allem in der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien um Arbeitskräfte. Die Menschen blieben und veränderten die Gesellschaft. Archivare beachteten sie meist nicht. So geschehen in Hall in Tirol. „Auch hier ist, wie andernorts, das Thema von den Archiven weitgehend ignoriert worden“, sagt Rupnow. „Die Archivare dachten, Migranten hätten nichts mit der österreichischen Geschichte zu tun.“ Schüler aller Altersgruppen und Bildungseinrichtungen aus Hall schlossen diese Forschungslücke nun gemeinsam mit Rupnow. Sie entstaubten im vom Wissenschaftsministerium finanzierten Sparkling-Science-Projekt noch vorhandene Akten in den Archiven und forschten im Feld. Dabei bedienten sie sich der wissenschaftlichen Methode des Oral History – der historischen Befragung von Zeitzeugen.

„Für die Schüler ist die Migrationsgesellschaft in den Schulen alltäglich, das macht sie auch zu Experten“, sagt Rupnow. Daher fanden sie nicht nur in den Archiven, sondern auch in ihren Familien und im Bekanntenkreis Interviewpartner. Die Befragten reagierten sehr positiv auf das Schülerprojekt. „Für sie war es eine späte, aber wichtige, Form der Anerkennung“, so Rupnow. Denn das Projekt habe Migranten als Teil der österreichischen Geschichte betrachtet. Die Schüler wiederum entwickelten so ein eigenes, greifbares Geschichtsverständnis.

Und sie lernten auch, dass Forschung manchmal in Sackgassen führt. „Nicht allen Spuren kann man nachgehen“, sagt Rupnow. Es bestehe immer die Gefahr, nichts zu finden. Das sei für die Schüler nicht immer leicht gewesen, aber die Forschung könne eben hart sein. Gemeinsam erarbeiteten die Schüler dennoch eine erfolgreiche Ausstellung in Hall, die online abgebildet ist. (por)

Die Ausstellung im Internet: www.hall-in-bewegung.at