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Sektsteuer: Verzicht auf den kleinen Luxus

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Der Handel verkaufte nach Einführung der Sektsteuer um bis zu 20 Prozent weniger Sekt. Die Steuer trifft nicht die Reichen, sondern die, die aufs Geld schauen müssen.

Wien. Die Sektsteuer, von der Regierung als eine Art Testballon für die Reichensteuer konzipiert, erweist sich zunehmend als Schuss in den Ofen. Die bisherigen Steuereinnahmen von 3,95 Mio. Euro statt der erwarteten 35 Mio. Euro (die „Presse“ hat berichtet) sind gelinde gesagt dürftig. Und der Preisaufschlag von 90 Cent für Schaumweine hat bei den Herstellern und im Handel ein kleines Erdbeben ausgelöst.

Die der Sektsteuer als eine Luxussteuer zugrunde liegende Annahme, dass Leute, die sich einen Sekt leisten können, nicht auf den Preis schauen, hat sich nicht bewahrheitet. „Wir hatten im Weihnachts - und Silvestergeschäft, in dem der meiste Sekt gekauft wird, einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent“, sagt Ines Schurin, Sprecherin von Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg). Auch Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar, bestätigt: „Wir hatten zu Weihnachten massive Umsatzrückgänge.“ Detto bei der Pfeiffer-Gruppe, bei der im Einzelhandel (Zielpunkt, Unimarkt) im gesamten Jahr 2014 der Sektumsatz um 15 Prozent zurückgegangen ist.

Dass die Kunden, die Sekt kaufen, durchaus preissensibel sind, zeige sich auch daran, dass die Sektumsätze bei Pfeiffer in Aktionsperioden nur um fünf Prozent zurückgingen. „Das lässt den Schluss zu, dass den Menschen Sekt jetzt schlicht zu teuer ist“, sagt Pfeiffer-Sprecherin Martina Macho.

Etwas anders ist die Lage im Großhandel. Bei Getränkegroßhändler Michael Krause fiel die Sektsteuer umsatzmäßig bisher nicht ins Gewicht. Dennoch hält er sie für eine Schikane: „Wir hatten deshalb enorm viel Arbeit, allein mit der ganzen Umpreiserei“, sagt er. Der Grund, warum seine Kunden – hauptsächlich Gastronomen – auf die Steuer weniger sensibel reagieren, sei der, dass in Bars und Restaurants Sekt meist per Glas und seltener per Flasche über die Theke gehe. „Bei einem Preis pro Glas von sechs Euro fällt die Steuer weniger stark ins Gewicht“, sagt Krause. „Die Kunden achten im Lokal auch weniger auf den Preis als jemand, der gewohnt ist, dass sein Billigsekt im Supermarkt 2,99 Euro kostet, und plötzlich kostet er 3,89 Euro. Das ist eine Verteuerung von 25 Prozent!“
Das heißt, dass die Sektsteuer genau jene trifft, für die ein Euro mehr beim Einkauf eine Rolle spielt. Damit wird Sekt erst durch die Steuer zu dem Luxusprodukt, als das ihn die Regierung gern sehen würde.

 

Prosecco: Frizzante oder Spumante?

Auch die Großhandelsschiene von Pfeiffer, Pfeiffer C+C, meldet 2014 keine Umsatzeinbußen bei den Schaum- und Perlweinen. „Wir sind umsatzmäßig auf dem Niveau vom Vorjahr“, sagt Macho. Allerdings: Kunden würden jetzt vermehrt Billigproduzenten aus dem Ausland nachfragen, während der Bedarf an heimischem Sekt nachlasse: „Bei den italienischen Frizzantes sehen wir eine deutliche Umsatzsteigerung.“

Das heißt: Kunden bekommen jetzt häufiger statt eines höherwertigen einen billigen Prosecco eingeschenkt – für dasselbe Geld. Gerade beim ausländischen Prosecco wissen die wenigsten, was bei der Qualität den Unterschied macht. Das verschafft den ausländischen Prossecoproduzenten gegenüber den heimischen Sektherstellern einen Wettbewerbsvorteil. Dem österreichischen Sekt gleichwertig ist nämlich nur der Prosecco Spumante (spritzig). Dieser muss, ebenso wie Sekt, in der Flasche einen Überdruck von über drei Bar aufweisen. Als Konsument erkennt man das an dem charakteristischen Flaschenverschluss, einem Schaumweinstopfen, der durch eine besondere Haltevorrichtung (Agraffe) befestigt ist. Wobei es Herstellern unbenommen ist, Perlweine, deren Flaschendruck unter drei Bar liegt, auch mit einem Schaumweinstopfen zu versehen. Dann müssen sie allerdings auch Sektsteuer zahlen, weil ihr Produkt, obwohl kein Sekt, dieses durch die Aufmachung suggeriert.

Jedenfalls: Prosecco Frizzante (sprudelnd) ist kein Sekt, sondern Perlwein. Während italienische Hersteller nun also für den österreichischen Markt vermehrt auf das Billigprodukt Frizzante setzen – weil hierzulande kaum jemand den Unterschied zum Spumante kennt – , sind den österreichischen Sektherstellern die Hände gebunden.

„Wenn sie nicht mehr Sekt, sondern Perlwein auf die Flasche draufschreiben müssen, haben sie ein Problem mit dem Verkauf“, sagt Rober Sponer-Triulzi von der Vinothek 1130. Dabei sind Perlwein und Prosecco Frizzante exakt dasselbe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2015)