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Wie stark stresst uns die Fahrt durch einen Tunnel?

Forscher haben die Belastung bei Fahrer und Beifahrer gemessen.

Nicht nur Zeitdruck, Streit oder Lärm lösen Stress aus. Viele Menschen fühlen sich beklemmt, wenn sie durch einen Tunnel fahren. Ist dieses ungute Gefühl auch wissenschaftlich nachweisbar? Und: Was lässt sich dagegen tun?

Wenn wir in einen Tunnel fahren, wird es eng und finster. Wie sehr uns das „schwarze Loch im Berg“ verschreckt, wollten Forscher der Uni Linz wissen. Sie schickten zehn Testpaare mit dem Auto auf die Reise von Wels nach Lienz. Dort tauschten Fahrer und Beifahrer die Plätze und fuhren retour – beide ausgerüstet mit EKG-Geräten, die die Herzaktivität aufzeichneten.

„Damit haben wir Daten zu 2000 Kilometern auf der Straße gesammelt“, sagt Andreas Riener vom Institut für Pervasive Computing der Uni Linz. Pervasive Computing bedeutet, dass „intelligente“ digitale Systeme den Alltag immer mehr durchdringen. Fahrerassistenzsysteme zu entwickeln, die Autofahren sicherer machen, ist ein Schwerpunkt von Rieners Forschung.

Die Ergebnisse der Tunnel-Tests präsentierte er im Herbst auf der „Automotive 2014“-Tagung in Seattle, USA. Sie zeigen, dass sich die sogenannte Herzfrequenzvariabilität, also der gemessene Unterschied zwischen Ruhe- und Belastungspuls, im Tunnel deutlich erhöht: Diese Werte waren – bei Fahrer und Beifahrer – bis zu dreimal höher als auf der offenen Straße.

Wie aber lässt sich dieser Stress in einem Land der Berge wie Österreich, das auch ein Land der Tunnel ist, vermeiden? Dazu will Informatiker Riener künftig eng mit Psychologen zusammenarbeiten. Bessere Beleuchtung und Pflege der Tunnelwände, etwa häufigeres Reinigen oder Streichen, könnten aber helfen, meint er. Aus früheren Studien weiß er zudem, dass sich Stress auch auf dem Weg zur Arbeit ändert: Stau stresst mehr als flüssiger Verkehr, Stadtverkehr mehr als Verkehr auf Freilandstraßen. Ob der zunehmende Stress auch etwas mit der Nähe zur Arbeit zu tun hat, wurde allerdings nicht gemessen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2015)