Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nachwuchs bei Glawischnig: Pampers und Politik

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
  • Drucken

Die Parteichefin der Grünen, Eva Glawischnig, erwartet ihr zweites Kind. Es wird genauso abgeschirmt werden wie Sohn Benjamin.

Private Interviews und Homestorys zu ihrer Schwangerschaft werde sie keine machen. So stand es Dienstagnachmittag in der schmalen Aussendung der Austria Presse Agentur. Ein kurzer Satz, der vor allem verrät: Eva Glawischnig wird auch ihr zweites Kind von der Öffentlichkeit abschirmen, sich nicht öffentlich dazu äußern.

Die Parteivorsitzende der Grünen erwartet ein Baby, wie ihre Sprecherin Gabi Zornig am Dienstag bestätigte. Der Geburtstermin ist im Juli – im Wahlkampf für die EU-Wahl am 7. Juni wird sie also noch im Einsatz sein. Erst nach der Geburt wird sich die grüne Parteichefin ein paar Wochen Auszeit gönnen und das Zepter zwischenzeitlich an ihre Stellvertreter Werner Kogler, Ulrike Lunacek und Maria Vassilakou übergeben.

Die Öffentlichkeit wird von der Geburt nicht viel mitbekommen. So wie schon beim ersten Kind, das am 14.Mai 2006, nur einige Monate vor der Nationalratswahl am 1. Oktober, zur Welt kam. Die Karenzzeit beendete Glawischnig in der ersten Augustwoche, rechtzeitig zum Intensivwahlkampf.

Kurz nach der Geburt ihres Sohnes wurden damals nicht einmal die Minimalangaben – Gewicht, Größe und Name – des Babys preisgegeben. Fotos von ihr mit Sohn Benjamin gibt es bis heute keine. Als sich Glawischnig im September 2006 mit Ehemann und ATV-Sportmoderator Volker Piesczek und ihrem Kind bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Wiener Innenstadt zeigte, verbat sie den Pressefotografen, dass sie Fotos von der Jungfamilie veröffentlichen. Begründung: Das Kind sei Teil des Privatlebens, es gebe kein öffentliches Interesse an einem Foto – außer Neugier. Danach erklärte sie in Interviews: „Ein Kind ist ein eigenständiges Wesen, das mit Politik nichts zu tun hat. Es soll völlig unbelastet aufwachsen.“ Und stellte dann ihren Interviewpartnern die Gegenfrage: „Ist eine Frau wie ich, die gleich wieder arbeiten will, eine Rabenmutter?“

Wohl kaum. Beim ersten Kind war es Glawischnig mit Unterstützung von Ehemann und „Nanny“ gelungen, ihren Job als Dritte Nationalratspräsidentin mit der neuen Aufgabe als Mutter gut unter einen Hut zu bringen. Auch wenn die 40-Jährige später in Interviews zugab: „Natürlich habe ich Ängste, dass mein Kind einmal sagt: ,Mama, du warst nie da.‘“


Die, sagen wir, noble Zurückhaltung im Umgang mit Medien hatte einen Grund: Die Polit-Mami stand wegen ihrer Überpräsenz in den Klatschspalten unter Druck. Denn die damalige Vizechefin der Grünen produzierte nicht immer nur politische Schlagzeilen: Die „Krone“ brachte sie im Sommer 2005 im bauchfreien Hochzeitskleid sogar auf Seite eins, und für ein Hochglanzmagazin posierte Glawischnig hochschwanger vor einem Babymodengeschäft.

FP-Chef Heinz-Christian Strache höhnte über die „Gucci-Grüne“, „Eva Adabei“ nannte sie der „Falter“, und wahlkämpfende Grüne berichteten von kritischen Stimmen auf der Straße à la: „Politik ist keine Modeschau.“ Wobei das mit dem geheimen Privatleben nicht immer so ganz gelingen wollte. Man las bisweilen auch Berichte über eine im Parlament stillende Dritte Nationalratspräsidentin. Aber Glawischnig sagte immer: „Ich will Kind und Job, das ist legitim.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2009)