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Hirscher: "Ich verspüre gewisse Genugtuung"

ALPINE SKIING - FIS Ski WC Vail/ Beaver Creek 2015
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Im heutigen Slalom (18.15 Uhr) geht Marcel Hirscher als Titelverteidiger an den Start. Der Salzburger macht Jagd auf seine vierte Medaille 2015.

Zweimal Gold, einmal Silber, so laute die bisherige Bilanz von Marcel Hirscher bei der alpinen Weltmeisterschaft in Vail/Beaver Creek. Drei Medaillen sind es schon, im heutigen abschließenden Slalombewerb (18.15 bzw. 22.30 Uhr, live auf ORF eins) geht er als Titelverteidiger von Schladming 2013 an den Start. Als Goldfavorit sieht sich der 25-jährige Salzburger nicht. Das sei eindeutig Felix Neureuther, sein Freund und beinharter Kontrahent. Wenn das Wetter so warm bleibt, dann wird es sicher sehr schwierig für mich“, sagt Hirscher. Er liebt eher harte und eisige Pisten, Neureuther hingegen kommt auch mit einer weicheren Unterlage bestens zurecht. Und Hirscher ist sich auch sicher, dass der Torlauf kein Zweikampf wird. „Es ist schon unglaublich, wie viele Leute derzeit einen schnellen Slalomschwung fahren können.“ Da gehören auch der Schwede Hargin dazu, der Norweger Kristoffersen und der Russe Choroschilow.

Ein Slalom, sagt Marcel Hirscher, sei ein Rennen mit unendlich vielen Fallen. Wer auf Sicherheit fahre, der gewinne nichts. Wer zu brutal attackiere, der laufe Gefahr, dass er ausscheide. Eine ständige Gratwanderung. Bei jedem Tor. Aber der Salzburger beherrscht das. „Es gibt letztlich nur vollen Angriff.“

Hirscher, der den Gesamtweltcup bereits dreimal für sich entscheiden konnte und heuer die Chance hat, das zu schaffen, was vor ihm noch niemandem gelungen ist, besticht mit seiner Konstanz. Auch im Riesentorlauf am Freitag war er vor allem im ersten Durchgang eine Klasse für sich. Er ging als Führender in die Entscheidung, letztlich musste er sich nur dem US-Amerikaner Ted Ligety geschlagen geben. Bis zur letzten Zwischenzeit lag Hirscher auf Goldkurs, beim letzten Übergang aber verlor er die entscheidenden Zehntel. Auf denjenigen, den man als „Mister Riesentorlauf“ bezeichnen muss. Ligety ist der erste Athlet, der im Riesentorlauf dreimal in Serie triumphiert hat. Olympiasieger ist er obendrein.

Marcel Hirscher ist in Beaver Creek oft gefragt worden, ob er es für möglich hält, vier Goldmedaillen zu gewinnen. Er hat es stets verneint. Zu späterer Stunde beim Talk in der Audi-Lounge mit Marco Büchel meinte der Salzburger jedoch: „Vier Goldmedaillen waren der Plan – und dann kam Ted (Ligety) daher.“ In Schladming 2013 hatte der US-Star dreimal Gold gewonnen, jetzt hat er die erste Goldmedaille für die Gastgeber 2015 geholt. Und Marcel Hirscher hatte das vor dem Rennen sogar irgendwie prophezeit. Denn Ted Ligety ist auf der Birds-of-Pray-Piste nahezu unschlagbar. In Beaver Creek steht sozusagen sein Hausberg, hier hat der Weltmeister nun insgesamt bereits sechsmal gewonnen, davon fünfmal in Serie. Und als die Piste weicher wurde, da wählte er einfach eine etwas rundere Linie, katapultierte sich damit von Rang fünf noch auf das oberste Siegertreppchen.

Der Tüftler Hirscher weiß, wie hart es ist, die Konkurrenz permanent in Schach zu halten. „Ich bin keine Maschine“, sagt der Salzburger oft. Silber im Riesentorlauf empfindet er auch nicht als Niederlage. „Ich habe alles aus mir herausgeholt, das war das absolute Maximum. Mehr geht einfach nicht mehr.“ Das Ergebnis war dann die Kopie von Schladming 2013. Das Programm in Vail/Beaver Creek aber beginnt schön langsam, richtig beschwerlich zu werden. Dazu kommt die Höhenlage, „ich muss danach trachten, dass ich bis Sonntag wieder auf die Beine komme“. Und, so der 25-Jährige: „Ich habe mich selbst noch nicht im Spiegel gesehen, aber anscheinend soll ich nicht so gut ausschauen. Jetzt heißt's gut essen und schlafen. Auf 3000m zwei Wochen volles Programm zu absolvieren, das ist nicht easy.“

Man kann davon ausgehen, dass Marcel Hirscher sich im heutigen Slalom noch einmal überwinden kann. Schließlich geht der Salzburger derzeit mit so viel Spaß wie schon lang nicht an seine Aufgaben heran. „Ich fühle mich fast wieder wie mit 18. Ich will einfach nur geil Ski fahren. Und wenn es nicht klappt, kann ich sagen: ,Was wollt ihr von mir?‘ Schön langsam nähere ich mich punkto Selbstvertrauen und Lockerheit wieder diesem Gefühl. Es macht sich eine gewisse Genugtuung in mir breit“, so Hirscher.

Den WM-Riesentorlauf bezeichnet Hirscher als „eines der härtesten Rennen, das ich jemals gefahren bin“. Dementsprechend glücklich war er auch mit seiner Ausbeute. „Wenn man Silber holt, dann gibt es keinen Grund zum Sudern. Ich bin superhappy, denn ich habe mein absolutes Maximum gegeben.“

Überglücklich war natürlich Ted Ligety. Er hat seit der WM 2011 bei Großereignissen nun alle Riesentorlauftitel gewonnen. Der US-Amerikaner war aber auch voll des Lobes für Hirscher. „Wenn man vor Marcel ist, dann ist das immer ein guter Tag. Denn dann weiß man, dass man schnell war. Marcel ist auf dem besten Weg, einer der größten Skifahrer aller Zeiten zu werden. Wenn er das nicht schon ist. Ich glaube, dass er sogar Hermann Maier überbieten kann.“ Marcel Hirscher hält bei 29 Weltcupsiegen, Maier hat 54Erfolge gefeiert. Heute aber drückt Ligety Felix Neureuther ganz fest die Daumen.

TV-Magnet

Straßenfeger
Die Übertragung des zweiten Laufs des Herren-WM-Riesentorlaufs hatte am Freitag im Schnitt 1,402 Millionen Zuseher, der Topwert lag bei 1,559 Millionen. Lauf zwei des Damenriesentorlaufs sahen im Schnitt 1,339Millionen und damit mehr als den zeitgleich ausgestrahlten Opernball (1,047 Mio.).

Zur person

Marcel Hirscher wurde am 2. März 1989 in Annaberg im Lammertal geboren. Mutter Silvia stammt aus den Niederlanden, Vater Ferdinand leitet die Skischule Annaberg.

Größte Erfolge. 29Weltcupsiege, dreimal hintereinander Gewinner des Gesamtweltcups.

WM 2013: zweimal Gold, einmal Silber. WM 2015: zweimal Gold, einmal Silber. Olympia 2014: Silber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2015)