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US-Ökonom: "Würde nicht einen Penny in den Euro investieren"

(c) imago/Christian Ohde
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Der Geldhistoriker Barry Eichengreen hält den Euro für einen Fehler, den man nicht mehr rückgängig machen kann. Die Rettung der Währungszone werde "teuer und schmerzhaft".

Bei vielen hat der "Grexit" - also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone – seinen Schrecken verloren. Nicht so bei Barry Eichengreen. Der US-Ökonom warnt vor einem Desaster, dessen Ausmaß in Europa die Folgen der Lehman-Pleite um ein Vielfaches übersteigen könnte. "Ich würde momentan nicht einen Penny in den Euro investieren", so der Geldhistoriker im "Welt"-Interview. Das Risiko sei viel zu groß, "dass die Verhandlungen zwischen den Euro-Partnern und Griechenland doch noch scheitern, weil sich beide Seiten stark festgelegt haben".

Dass die Finanzmärkte gelassen sind, ist für Eichengreen kein guter Indikator: "Meine Erfahrung als Geldhistoriker hat mich gelehrt, dass sich die Märkte immer entspannt zeigen, bis sie es plötzlich nicht mehr sind." Und weiter: "Im Vorfeld waren die Akteure immer viel zu lange viel zu entspannt und gerieten später in völlige Panik."

"Euro war ein Fehler"

Die Politik habe es zu Beginn versäumt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die EZB viel zu lange nicht gehandelt, so Eichengreen. "Aus heutiger Sicht muss man konstatieren, dass der Euro ein Fehler war". Nun gibt es laut dem Ökonom aber kein Zurück mehr: Auch wenn es "teuer und schmerzhaft" sei, müsse die Eurozone gerettet werden: Ein Auseinanderbrechen "würde ins Chaos führen."

Ein Austritt Griechenland aus der Währungsunion würde auf andere Länder übergreifen, meint Eichengreen. Im Interview warnt vor einem Banken-Run: "Wenn portugiesische Familien oder spanische Unternehmen sehen, wie aus Euro wieder Drachmen werden, werden sie ihr Geld vom Konto holen."

"Das sollte genug des Leidens sein"

Die EU müsse den Griechen wieder Luft zum Atmen geben, so der Ökonom: "Die Sparpolitik, die Athen oktroyiert wurde, hat bereits ein Viertel des griechischen Bruttoinlandsprodukts vernichtet und das Land in eine soziale und politische Krise gestürzt. Das sollte genug des Leidens sein". Eichengreen plädiert für eine pragmatische Wirtschaftspolitik: Der Wirtschaftsforscher unterstützt unter anderem eine Idee, die bereits in Argentinien in die Praxis umgesetzt wurde: Eine Koppelung der Zinszahlungen an das Wirtschaftswachstum, sogenannte BIP-Bonds. Das heißt konkret: Nur wenn die griechische Wirtschaft wächst, muss das Land dann Zinsen zahlen.

Russlands Einmischung als Gefahr für Nato?

Moskau die Rettung Athens zu überlassen, hält Eichengreen für zu gefährlich: "Der Westen wird kaum wollen, dass sich Russland als Retter inszeniert und plötzlich der Kreml in Europa mitmischt. Das hätte dramatische Folgen für das Militärbündnis Nato."

>>> Interview auf "Welt.de"

(sk)