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Siegfried Wolf: EU muss sich "aus Diktat der USA hinausbewegen"

Siegfried Wolf bei seinem Auftritt an der Wiener Wirtschaftsuniversität.
Siegfried Wolf bei seinem Auftritt an der Wiener Wirtschaftsuniversität.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der österreichische Topmanager sieht die USA als Treiber der Sanktionen gegen Moskau. Er selbst bezeichnet sich als "Putinfreund".

Der Learjet wartete schon mit laufenden Motoren am Wiener Flughafen, um Siegfried Wolf gleich nach seinem Auftritt an der Wiener Wirtschaftsuniversität wieder nach Moskau "an meinen Arbeitsplatz" zurückzufliegen. Doch in der knappen Stunde, die Wolf im Rahmen der Presse-Veranstaltungsreihe "Wirtschaft Wissenschaft Unplugged" über das "Geschäft mit dem Osten" referierte hatte es in sich. Der ÖIAG-Aufsichtsratschef und frühere Magna-Topmanager sezierte die Russland-Krise in allen Details und bezog dabei klar Stellung als "Russlandversteher und Putinfreund", wie er sich selbst titulierte.

Krise kein historischer Einzelfall

Für Wolf ist diese Krise kein historischer Einzelfall, sondern eine Krise, die es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat und immer wieder geben wird. Einem durch billiges Geld und massive staatliche Interventionen angeheizten Wirtschaftsboom folgte ein jähes Ende samt Finanz-Kollaps und wirtschaftlicher Stagnation. Das sei in Japan 1990 geschehen, dieses Szenario konnte man bei der sogenannten "Tequila-Krise" Mitte der 1990-er Jahre in Mexiko beobachten, später dann massiver bei der Subprimekrise in den USA, die sich zu einer weltweiten Finanzkrise auswuchs, an der vor allem Europa nach wie vor laboriert.

Wolf spannte also eine großen historischen Bogen, um schließlich zu attestieren, dass die Probleme in Osteuropa – explizit in Russland – im Grunde nichts Außergewöhnliches sind. Was die Krise speziell mache, seien der Ukraine-Konflikt und die damit verbundenen Sanktionen. Als Treiber dieser Sanktionen sieht er die USA, die wirtschaftlich wenig zu verlieren hätten. Immerhin mache die EU mit Russland Geschäfte im Umfang von 360 Milliarden Euro. Bei den USA stünden hingegen nur 60 Milliarden auf dem Spiel. Europa müsse sich „aus dem Diktat der USA hinausbewegen“, sagte der Aufsichtsratschef des Russian-Machines-Konzerns von Oleg Deripaska.

"Können sie nicht mit Sanktionen erschrecken"

"Wir können sie nicht mit Sanktionen erschrecken“, sagte Wolf. Denn die Lebensumstände der russischen Bevölkerung außerhalb der Ballungszentrum seien heute noch immer äußerst prekär. Dort gehe es um „geheizte Wohnungen und medizinische Versorgung“. Die Russen seien also auch ohne Sanktionen und Wirtschaftskrise "krisenerprobt".

"Ich glaube an Europa in seiner Gesamtheit - dazu gehört auch der Osten", sagte Wolf im Festsaal der Wirtschaftsuniversität. Angesprochen auf Menschenrechtsverletzungen und die Annexion der Krim, meinte er: "Das dulde auch ich nicht, das habe ich auch Wladimir Putin gesagt."

(gh)