Wien: Und jährlich grüßt der Winter-Schanigarten

Das Schild im Wortlaut: „Auf Grund der gesetzlichen Regelung ist es uns erst mit 1. März möglich unseren Schanigarten für sie offen zu haben.“
Das Schild im Wortlaut: „Auf Grund der gesetzlichen Regelung ist es uns erst mit 1. März möglich unseren Schanigarten für sie offen zu haben.“WB WIEN
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Kaum scheint erstmals die Sonne, wollen die Kaffeesieder den Schanigarten öffnen, dürfen aber nicht. Noch nicht.

Es gibt so etwas wie Inszenierung in der Politik, wie wir spätestens vergangene Woche von Wiens Bürgermeister Michael Häupl erfahren haben. Wobei so manche Inszenierung fast schon auf den Tag genau vorhergesagt werden kann. Da wäre etwa Häupls jährliche Weinlese im kleinsten Weingarten Wiens im Oktober. Häupls Eröffnung der Badesaison an der Alten Donau im Mai (heuer erstmals mit WKO-Präsident Walter Ruck – wird spannend, ob er mit Häupl in ein Boot steigt, Vorgängerin Brigitte Jank hat sich ja standhaft geweigert). Und seit einigen Jahren gibt es einen neuen Fixstern am Himmel der Wiener Inszenierung: den trotzigen Winterschanigarten.

Der wiederum hat seinen Auftritt, sobald im Winter die Sonne erstmals halbwegs flächendeckend auftaucht. Dann stehen heuer – schon zum zweiten Mal – plötzlich ein Sessel und ein Tisch im Vorgarten des Café Landtmann. Inklusive eines Schilds mit einem Text à la „Wir würden ja gern schon aufsperren, aber wir dürfen erst im März“. Und Berndt Querfeld, Obmann der Fachgruppe der Kaffeesieder in der Wiener Wirtschaftskammer, klagt via Aussendung über die Bürokratie und darüber, dass „jeder Sonnentag ohne Schanigarten“ Lebensfreude koste.

Allein, zur institutionellen Inszenierung dürfte das Tischerücken eher nicht werden. Immerhin laufen hinter den Kulissen schon die Vorbereitungen dafür, dass die Schanigartensaison im kommenden Jahr flexibler gehandhabt wird. Das Ganze trägt den Titel „Evaluierung“ der Novelle des Wiener Gebrauchsabgabegesetzes von 2013 – dabei ermitteln Beamte der MA 6 (Rechnungs- und Abgabenwesen) die Zufriedenheit der Betroffenen mit den jüngsten Änderungen, etwa der Teilung Wiens in zwei Schanigartenzonen (City und der Rest) und eben auch der Dauer der Saison. Dazu werden Stellungnahmen aus der Wirtschaftskammer, den Bezirken und von Wien Tourismus eingeholt. Aus dem Büro der zuständigen Finanzstadträtin, Renate Brauner, heißt es, dass man sich, sollte das der breite Wunsch sein, wegen ein paar Tischen nicht querlegen werde.

Der Querfeld'schen Inszenierung ist damit wohl ein baldiges Ende beschieden. Bleibt nur die Frage, wann genau Häupl und Ruck künftig das Wiener Ritual – die Eröffnung der Schanigartensaison – inszenieren . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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