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Grüne wollen neutrales Fach "Ethik und Religionen"

(c) Die Presse (Fabry)
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Ein Fach ohne speziellen weltanschaulichen Hintergrund soll den Religionsunterricht ersetzen.

Für einen verpflichtenden, weltanschaulich möglichst neutralen "Ethik- und Religionenunterricht" im Umfang von zwei Stunden pro Woche für alle Schüler sprach sich heute, Mittwoch, der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, aus. Der konfessionelle Religionsunterricht befinde sich "in der Krise" und sollte zukünftig gesondert und nur auf freiwilliger Basis angeboten werden.

Themen wie Gewalt, die Stellung der Frau

Da der bisherige Religionsunterricht immer weniger Schüler erreiche, sei es umso wichtiger, dass Themen wie Gewalt, die Stellung der Frau in der Gesellschaft oder Standpunkte zur Todesstrafe in den Klassen gemeinsam und unter Anleitung diskutiert werden. Das wäre auch eine Möglichkeit, der möglichen Radikalisierung von Schülern entgegenwirken, so Walser bei einer Pressekonferenz in Wien. Er werte die Vorstöße in Richtung "Ethikunterricht" aus der ÖVP in den vergangenen Wochen als Zeichen, dass die Volkspartei ihre bisherige Blockade aufgebe.

Angesichts der Tatsache, dass es in Österreich aktuell 16 Religionsgemeinschaften gibt, die theoretisch alle ein Recht auf einen eigenen Religionsunterricht haben, sei die flächendeckende Einführung des verpflichtenden Ethikunterrichts für alle laut Walser wahrscheinlich auch die kostengünstigere Variante. Für die Umsetzung der Maßnahme sei ein Zeitraum von etwa zehn Jahren realistisch.

Religion als Pflichtfach gibt es nicht mehr

Angesichts der Möglichkeit, sich ab 14 Jahren vom Religionsunterricht abzumelden, sei klar, dass es Religion als Pflichtfach eigentlich nicht mehr gebe, erklärte der Salzburger Religionspädagoge Anton Bucher bei der Pressekonferenz. Dazu käme, dass sich laut einer Studie an Gymnasien bereits 80 Prozent der katholischen Religionslehrer dazu bekennen, den Schülern auch Wissen über andere Glaubensrichtungen zu vermitteln. Nur noch 29 Prozent gehe es vorrangig um die Vermittlung der Glaubenslehre der katholischen Kirche. Wäre dieser Prozentsatz höher, würden sich vermutlich "noch mehr Schüler abmelden", zeigte sich Bucher überzeugt.

Die seit 1997 bestehenden Schulversuche zum verpflichtenden Ethikunterricht für vom Religionsunterricht abgemeldete Schüler - aktuell sind es 234 - würden trotz guter Ergebnisse bei Evaluationen und Untersuchungen "vor sich her dümpeln". Die momentan neun verschiedenen Lehrpläne, nach denen die geschätzt knapp 18.000 Schüler unterrichtet werden, müssten zu einem zusammengeführt werden. Außerdem forderte der Experte Verbesserungen bei der Lehrerausbildung in dem Bereich.

 

(APA)