Die Hypo Alpe Adria baut den Vorstand umfassend um. Pinkl, der demnächst noch die Bilanz der ÖVAG präsentieren wird, war fünf Jahre lang Vorstandschef im Spitzen-Institut der Volksbanken.
Wien/Klagenfurt(red./APA). Franz Pinkl (53), gerade erst als Vorstandschef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) zurückgetreten, zieht es zur nächsten Problembank: Am 1.Juni wird der Niederösterreicher den Vorstandsvorsitz der Kärntner Hypo Alpe Adria übernehmen. Dort war Vorstandschef Tilo Berlin (50) vor Kurzem wegen gröberer Meinungsverschiedenheiten mit dem Hauptaktionär, Bayerische Landesbank, zurückgetreten.
Die beiden Banken haben eines gemeinsam: Sie haben nach massiven Abschreibungen im Vorjahr schwere Verluste geschrieben. Die ÖVAG war vor allem vom De-facto-Zusammenbruch der Kommunalkredit, die vom Staat aufgefangen wurde, in die „Miesen“ geritten worden. Die Hypo Alpe Adria hat einige verlustreiche „Baustellen“ in Kroatien. Die Kärntner Bank hat zum Jahreswechsel 900 Millionen Euro staatliches Partizipationskapital bekommen. Der Österreichischen Volksbanken AG wird der Staat demnächst eine Mrd. Euro an Partizipationskapital einschießen.
Pinkl, der demnächst noch die Bilanz der ÖVAG präsentieren wird, war fünf Jahre lang Vorstandschef im Spitzeninstitut der Volksbanken. Er war in einem heftig geführten Machtkampf um die Neuausrichtung der ÖVAG unterlegen und verlässt das Institut offiziell am 30.April. Ein Nachfolger ist noch nicht nominiert, soll aber schon in den nächsten Tagen feststehen.
Schon Mitte März hatte Hypo-Chef Berlin den Hut genommen. Er hatte die zuvor durch eine Bilanzaffäre ins Gerede gekommene bayerische Kärntner Bank (die Bayerische Landesbank ist Haupteigentümer) zwei Jahre lang geführt. Berlin war mit den selbst in größeren Problemen steckenden Bayern in Clinch geraten, weil er die Münchner Pläne zu einer sehr starken Redimensionierung der früheren Kärntner Landesbank abgelehnt hatte. Heftigen Krach soll es unter anderem um zeitweilig in München gewälzte Pläne gegeben haben, das Kroatiengeschäft komplett zu verkaufen. Berlin zieht sich in sein eigenes Vermögensverwaltungsunternehmen, Berlin & Co., zurück.
Dörhöfer wird Vizechef
Fixiert wird die Vorstandsrochade in der Kärntner Bank bei einer Aufsichtsratssitzung am 23.April. Umgebaut wird nicht nur an der Spitze des Vorstands: Bereits am 1.Mai schlüpft der derzeitige Risikovorstand, Andreas Dörhöfer, in die Rolle des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Als Chief Operating Officer (COO) wird Anton Knett an Bord geholt. Der war zuletzt stellvertretender Vorstandschef bei der polnischen UniCredit-Tochter BHP.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2009)