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Kachelöfen: Formen, die das Herz erwärmen

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Kachel- und Kaminöfen positionieren sich gestalterisch zwischen Raumskulpturen, Feuerschein-Deko und technischer Wärmeinfrastruktur. Text:

Einem Koloss das Gewicht zu nehmen, das ist schwierig genug. Gerold Wucherer probiert es trotzdem immer wieder. Visuell zumindest – wenn er Öfen entwirft. Schließlich spielt das Heizen in der Architektur des Wohnraums eine gewichtige Rolle. Doch die Gestaltung der gekachelten Körper, die dem Zimmer Wärme spenden, verlässt oft nicht die traditionellen Linien, die sich scheinbar eingebrannt haben durch jahrhundertelange Traditionen. Oder aber der Minimalismus zeichnet die Linie vor, am liebsten die gerade, mit der die Designer rechtwinkelige Geometrien in die Häuser und Wohnungen setzen, die genauso rechtwinkelig sind.



Gerold Wucherer entwirft architektonisch anmutende Öfen genauso wie skulpturhafte. Gern auch mal blaue Tonnen. Oder weiße Wölkchen – „Waldviertler Knödel“ hat Wucherer den Ofen selbst scherzhaft genannt. In Straß im Straßertale, in der Nähe von Langenlois in Niederösterreich, zeichnet er die ersten Skizzen von Öfen, baut die ersten Modelle aus Karton, formt die Öfen aus Keramik in seiner eigenen Werkstatt, und gestaltet sie dabei vor allem aus einem künstlerischen Zugang heraus, nicht aus einem rein technisch kalkulierten. Die gewünschte Heizleistung berechnet er natürlich auch genau, zwängt seine Entwürfe dementsprechend in das Korsett, das dabei entsteht. Aber wo es die Raumsituation zulässt, lässt er seine Heizriesen auch fast leichtgewichtig erscheinen. Schwer genug bleiben die Einzelteile ohnehin, die per Kleinlaster zu ihren Bestimmungsorten übersiedeln, in Häuser und Wohnungen in ganz Österreich. Erst dann, beim Aufstellen und Installieren kommt der Hafner des Vertrauens vor Ort dazu. Wucherer selbst ist für die „Heizkunst“ davor zuständig.

An der Universität für angewandte Kunst in Wien hat er Keramikproduktgestaltung studiert. So hat er ein Material gewählt, das auch „eigensinnig“ sein kann, wie er sagt. Und eine nicht ganz einfache Objekttypologie hat er sich ausgesucht, schließlich vereinnahmen Öfen gern den ganzen Raum, auch optisch. Vor allem wenn sie auch ernsthafte Heizaufgaben erledigen sollen und nicht nur als gigantischer Deko-Artikel den Wohnraum beflackern. Eine gewünschte Heizleistung braucht eben auch eine bestimmte Abstrahlfläche. Und vor allem auch stehen dann die keramischen Züge unter Zugzwang: Da gibt es Mindestlängen bis zu acht Metern, die man erst einmal im Ofen unterbringen muss. Oder eben außerhalb davon, wie Wucherer erklärt: „Bei der blauen Walze hab ich bewusst den Ofen zweigeteilt, der Brennraum steht im Raum, die Züge verlaufen entlang der Wand nach oben.“ So konnte Wucherer die Kubatur ein wenig beschneiden, „damit der Ofen nicht so dominant und plump wirkt“.

Raumgreifend. Kachelöfen und Heizkamine integrieren sich auch gern in die Raumarchitektur. Plötzlich sind sie Säulen, in denen das Feuer brodelt, Wände und Raumteiler, die Wärme abstrahlen oder Auskragungen, durch die der Rauch aufsteigt. Doch vor allem müssen sie ihre Pflichtaufgabe erfüllen: Wärme abgeben und oft die Bewohner auch dabei zuschauen lassen. Der Designer Rainer Mutsch hat für Austroflamm den Ofen „Ray“ gestaltet, der die zugrunde liegenden Funktionen formal noch unterstreicht. „Wir wollten die Vorteile des Objektes auch in seinen Formen kommunzieren“, sagt Mutsch. Die gleichmäßige vertikale Lamellenstruktur visualisiert den Luftstromverlauf, den Grundgedanken des Ofens. Die formale Weiterführung der Idee in der Gestaltung wurde mit dem Good Design Award 2014 ausgezeichnet.
Auch in kleine Räumen passen große Ideen, so wie sie schon Victor Papanek als „Design for the real world“ propagiert hat. Schließlich können auch fünf Teelichter einen Raum erwärmen: ein 20 Quadratmeter großes Zimmer um drei Grad in fünf Stunden, das hat sich der kleine „Egloo“-Tischofen aus Terrakotta vorgenommen, entwickelt vom italienischen Designstudenten Marco Zagaris.

Tipp

Gerold Wucherer baut in Straß im Straßertale Öfen mit künstlerischem Zugang. Mehr Information unter www.heizkunst.aT