Michelle Obama: Die Geheimwaffe des Weißen Hauses

(c) AP (Charles Dharapak)

First Lady Michelle Obama spielt eine aktive Rolle – in der Sozialpolitik, als Rollenvorbild, als Stilikone.

Washington. Auch die Queen schien ganz angetan von der First Lady. Dass Michelle Obama bei der Audienz im Buckingham Palast ihren Arm um die Schulter der um mehr als einen Kopf kleineren britischen Königin schlang – der höfischen Etikette nach eigentlich ein Fauxpas –, nahm die Monarchin ihr nicht übel. Im Gegenteil: Elizabeth II. beantwortete die Geste der Herzlichkeit. Daheim ist die Ehefrau des US-Präsidenten dafür bekannt, dass sie ohne Unterschied alle umarmt – ob Außenministerin Hillary Clinton oder Schulmädchen.

In den USA steht das Debüt der First Lady auf der Weltbühne beinahe ebenso im Blickpunkt wie das ihres Mannes. Es werden Erinnerungen wach an die Europa-Reise eines glamourösen Präsidentenpaares. 1961 verzauberte Jackie Kennedy ihre Gastgeber in London und selbst Frankreichs steifen Präsidenten Charles de Gaulle so sehr, dass sich ein sichtlich stolzer John F. Kennedy mit einem Scherz aushalf: Er habe Jackie Kennedy nur als Ehemann nach Europa begleitet.

Zumindest als Stilikone, als Trägerin von Etuikleidern und Perlenketten, eifert Michelle Obama dem Vorbild nach. Unprätentiös mischt sie Mode von Jungdesignern aus Chicago mit Alltagskleidung der Marke J. Crew, was sofort zu einem Run führte.

Die in frühmorgendlichen Fitness-Stunden hart erarbeiteten Oberarmmuskeln erregen Bewunderung – aber auch gallige Diskussionen, ob es statthaft sei, in einem ärmellosen Kleid zu einer Rede des Präsidenten im Kongress zu erscheinen.

 

Populärer als der Präsident

Schnell hat sich Michelle Obama in ihrer semioffiziellen Rolle als First Lady zurechtgefunden. Zuerst hatte sie sich als „Mom-in-Chief“ gesehen, als hauptberufliche Mutter. Doch längst ist die 45-Jährige nicht nur für schwarze Frauen zum Rollenvorbild geworden. Sie spielt einen aktiven Part als First Lady, indes nicht so vordergründig politisch wie etwa Hillary Clinton. Noch im Wahlkampf hatten Kritiker Michele wegen sarkastischer Bemerkungen getadelt. Inzwischen hat sie ihren Mann an Popularität sogar überflügelt.

 

Risotto für Obdachlose

Die Präsidentengattin gilt als Geheimwaffe des Weißen Hauses. Ob die Absolventin zweier Elite-Universitäten Schüler zu guten Leistungen anspornt, Soldatenfrauen Mut zuspricht, in der Sozialküche „Miriam's Kitchen“ Pilzrisotto an Obdachlose ausschenkt oder im Weißen Haus einen Gemüsegarten anlegt: Durch ihre vielfältigen Aktionen unterstreicht Michelle Obama die Sozial- und Gesundheitspolitik ihres Mannes.

Und sie sorgt ganz nebenbei für gesellschaftlichen Glamour. Der Showdown des First-Lady-Gipfels mit Carla Bruni-Sarkozy in Straßburg überstrahlt das Nato-Treffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2009)