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Bischof: Türkei hindert Christen an Flucht vor IS

Der syrisch-katholische Erzbischof erhebt nach der Entführung assyrischer Christen durch die Jihadisten-Miliz schwere Vorwürfe gegen Ankara.

Nach der Entführung von nach jüngsten Angaben fast 270 assyrischen Christen durch die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat der syrisch-katholische Erzbischof Jacques Behnan Hindo der Türkei vorgeworfen, Christen an der Flucht über die Grenze zu hindern. Jeden Tag müssten Familien per Flugzeug aus Damaskus fliehen, weil ihnen andere Wege abgeschnitten seien, so der Erzbischof von Hassaka-Nisibi am Mittwoch.

Gleichzeitig aber lasse die Türkei "Lastwagen, Kämpfer des IS, gestohlenes Öl aus Syrien, Weizen und Baumwolle durch", kritisierte er gegenüber dem Sender Radio Vatikan. Der Erzbischof forderte zudem das Rote Kreuz auf, seinem islamischen Pendant Roter Halbmond kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen. Dieser gebe nichts von der Unterstützung an die Christen weiter, sagte er.

Indes wurde auch bekannt, dass die Terrormiliz IS offenbar weit mehr assyrische Christen in ihre Gewalt gebracht hat als bisher bekannt. Die Extremisten hatten am Montag nordwestlich von Hasaka mehrere christliche Dörfer entlang des Flusses Khabour angegriffen und unter Kontrolle gebracht. Insgesamt sollen die Extremisten bei hrem Feldzug in mehreren Dörfern fast 270 Menschen gefangen genommen haben, sagte der Vorsitzende des Assyrischen Rates in der Region, George Mirza, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

 "Menschliche Schutzschilde"

Nach Angaben des Leiters des assyrischen Netzwerks für Menschenrechte, Oussama Edward, sind szudem seit Montag knapp tausend christlich-assyrische Familien und damit insgesamt rund 5000 Menschen aus bedrohten Dörfern in die Provinzhauptstadt Hassaka und den kurdischen Ort Kamishli an der Grenze zur Türkei geflüchtet. Edward, dessen Organisation in Schweden sitzt, vermutete nach Telefonaten mit Angehörigen aus seiner Heimatregion, dass die Verschleppten in die IS-Hochburg Shaddadi gebracht wurden. Dort würden sie vermutlich als "menschliche Schutzschilde" oder zum Austausch gegen IS-Gefangene der Kurden eingesetzt.

Der IS hatte seit Juni große Teile des Nordirak und auch Gebiete im benachbarten Syrien erobert. Die Jihihadisten verübten seither zahlreiche Gräueltaten gegen die Bevölkerung. Die irakische Armee, kurdische Kämpfer und Stammesmilizen kämpfen gegen den IS. Unterstützt werden sie von einer US-geführten Koalition aus westlichen und arabischen Staaten, die mutmaßliche IS-Stellungen aus der Luft bombardiert.

(APA/dpa)