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„Heute bin ich Samba“: Ziemlich süße Romanze

Zwei Seelen auf der Suche nach dem Glück: Samba (Omar Sy) und Alice (Charlotte Gainsbourg).(c) Senator
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Das Regieduo von „Ziemlich beste Freunde“ legt mit „Heute bin ich Samba“ eine nette, aber kitschige Sozialkomödie vor, die zu viel zugleich sein will. Derzeit im Kino.

Wir sehen Frauen in glitzernden Cocktailkleidern, Konfettiregen, eine fünfstöckige Hochzeitstorte. Doch die luxuriöse Party ist nicht der Schauplatz dieses Films, sie dient nur der Herstellung eines Kontrastes, wenn das Bild von hier an gleichsam die soziale Leiter hinunterklettert: Die Kamera folgt einem Kellner aus dem Ballsaal, durch weiße Gänge, eine Küche, in den hintersten Winkel. Hier spült der senegalesische Einwanderer Samba die Teller der Hochzeitsgesellschaft. Und packt ein paar übrig gebliebene Pralinen in Alufolie, bevor er die Küche verlässt.

Samba (Omar Sy) ist ein Aufstrebender, der illegal nach Frankreich eingereist ist und Gelegenheitsjobs macht, um Geld nach Hause schicken zu können. Auf der anderen Seite steht Alice (Charlotte Gainsbourg): Die Karrierefrau hat sich wegen eines Burn-outs aus ihrem Job zurückgezogen, hat eine Therapie gemacht („Wir haben sogar Pferde gestreichelt, um wieder Halt zu finden“) und engagiert sich jetzt ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge.

 

Zwei Verzweifelte sollen einander heilen

Damit ist „Heute bin ich Samba“ von ?ric Toledano und Olivier Nakache, die 2011 mit „Ziemlich beste Freunde“ sehr erfolgreich waren, auch schon grob umrissen. Der Rest ergibt sich von selbst: Alice betreut Samba bei seinem Antrag auf Bleiberecht und lässt dabei sämtliche Anweisungen, zu Klienten Distanz zu halten, außer Acht. Die beiden verlieben sich. Das ist die Essenz des Films, und darin liegt auch schon das Problem: Der Film frönt der romantischen Vorstellung, dass man zwei auf verschiedene Art Verzweifelte einfach zusammenspannen kann, auf dass sie sich gegenseitig heilen mögen.

Schon in „Ziemlich beste Freunde“ wurden zwei Extreme zusammengeführt, da funktionierte es: Das Regieduo machte aus der wahren Geschichte vom querschnittsgelähmten Millionär, der genug vom Mitleid hat und daher einen derben Kleinkriminellen als Pflegekraft anstellt, eine berührende, witzige Tragikomödie. Diesmal geht der Coup nicht auf: „Heute bin ich Samba“ fehlt der Charme, die Lebenslust, die fein nuancierte Anziehung zwischen den ungleichen Protagonisten. Stattdessen tümpelt er dahin zwischen Sozialromantik und dem Versuch liebenswerter Verrücktheit.

Zugegeben, ein paar charmante Momente hat der Film – etwa wenn die Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Einwanderern und den Sozialarbeitern gezeigt werden. Auf eindrückliche Art zeigt der Film auch den Alltag, durch den sich illegale Immigranten kämpfen müssen: Das stundenlange Warten am Arbeiterstrich, die Angst vor Uniformierten, der Versuch, in der Masse unsichtbar zu werden. Weil viele von ihnen keine (gültigen) Papiere haben, nehmen sie täglich neue Identitäten an, passen ihr Aussehen den Passfotos ihrer gefälschten Ausweise an.

Sy spielt – wie auch schon in „Ziemlich beste Freunde“ – überzeugend einen herzensguten Menschen, der nie die Chance hatte, sich zu beweisen. Gainsbourg geht nicht auf in der Rolle der verschreckten, etwas schrulligen Einsiedlerin, deren Lebensgeister neu erweckt werden müssen. Das Märchen, das sich zwischen den beiden Charakteren entspinnt, will so vieles gleichzeitig sein: eine Erzählung, die identitätslosen Einwanderern ein Gesicht gibt. Ein Lehrstück über wiedergefundenen Lebensmut, über die ausbeuterische Arbeitswelt. Am Ende ist der Film eine süße, aber kitschige Sozialkomödie, die ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2015)