Formel 1: „Finnen lieben das Gaspedal“

(c) EPA (Diego Azubel)
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Kimi Räikkönen lebt für Ferrari, glaubt an den Erfolg und lobt „die italienische Familien-Atmosphäre“.

Die Presse: Sie wurden 2007 Weltmeister, 2008 aber verloren Sie den Titel an Lewis Hamilton. Verändert sich da etwas im Leben eines Formel-1-Piloten?

Kimi Räikkönen: Eigentlich nicht wirklich viel. Ich bin weiterhin der gleiche Mensch, der ich schon immer war. Natürlich war ich überglücklich, als ich Weltmeister geworden bin. Das ist ja immer das große Ziel meiner Karriere gewesen und ich versuche, es wieder zu schaffen. Es ist wie immer – ich liebe und hasse die Dinge in meinem Leben genauso, wie es schon immer war.

Ist es etwas Besonderes, etwas anderes, den Titel für und mit Ferrari zu gewinnen?

Räikkönen: Natürlich! Das ist schon was ganz Spezielles, obendrein in der Formel 1. Ferrari kannst du mit keinem anderen Team vergleichen, die Scuderia ist einzigartig. Ich gewann meinen Titel in einer unglaublichen spannenden Saison, übrigens im letzten Rennen so wie Lewis Hamilton 2008. An mich hatte keiner mehr geglaubt, aber mir gelang das unglaublichste Comeback der F-1-Geschichte. Das war schon fantastisch, es war für mich und das ganze Team ein unheimlicher Moment.

Sie gaben ihr Debüt in der Formel 1 bei Sauber, fuhren für McLaren-Mercedes und jetzt für die Scuderia. Gibt es da Unterschiede? Auf offener Straße wird ja auch kein Auto so angehimmelt wie ein Ferrari...

Räikkönen: Der Unterschied liegt doch allein im Auge des Betrachters. Diese drei Teams wurden von vielen Menschen aus aller Herren Ländern zusammengestellt. Da fließen verschiedene Kulturen mit ein, das spiegelt sich im täglichen Arbeitsalltag wider. Bei Ferrari aber, wenn Sie so wollen, spürt man doch so etwas wie Familienatmosphäre, ein wärmeres Gefühl, ein Miteinander. Aber das geschieht auch deshalb, weil es ein italienisches Team ist.

Sie sprachen es zuvor an – 2007 und 2008 wurde die WM erst im letzten Rennen entschieden. Heuer trumpfte zum Auftakt mit Brawn-Racing ein Außenseiter auf.

Räikkönen: Ich bin davon überzeugt, dass es auch weiterhin sehr eng hergehen wird. Jetzt gibt es noch mehr Teams und Fahrer, die in die Titelentscheidung eingreifen können. Das macht das Ganze spannender. Mit den Slicks-Reifen habe ich jetzt wieder mehr Gefühl.

Warum sind Finnen eigentlich so gute Autofahrer? Liegt das nur an Schnee und Eis oder den unendlichen Schotterstraßen?

Räikkönen: Motorsport und die Liebe zum Gaspedal haben in Finnland sehr große Tradition. Junge Menschen verspüren bei uns eine gewisse Hingabe für schnelle Autos, und das wollen sie auch auf den Rennstrecken zeigen. Und ja, Eis und Schnee stellen für Finnen einen gewissen Reiz dar – sobald du hinterm Steuer sitzt, willst du dich vom ersten Augenblick an immer beweisen. Nach der Zeit in der Formel 1 möchte ich auch Rallyes bestreiten. Und auf Eis macht es wirklich Spaß!

Sind Sie ein typischer Finne? Gehen Sie oft in die Sauna, lieben Sie Boote, Sommerhäuschen und Bier?

Räikkönen: Um ehrlich zu sein: Ich glaube, ich bin ein ganz normaler Kerl, der eben gern so lebt, wie es Menschen in diesem Alter halt tun. Wo ich herkomme oder was ich bin, spielt in diesem Fall keine Rolle.

ZUR PERSON

Kimi Räikkönen wurde am 17. Oktober 1979 in Espoo, Finnland, geboren. Er ist mit Jenni Dahlmann verheiratet und wohnt in London.

Seinen ersten Formel-1-GP bestritt er am 23. März 2003, seitdem feierte er 15 Siege und wurde mit Ferrari 2007 Weltmeister. [EPA]

www.racecar.co.uk/kimi/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2009)

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