Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Dänemark offenbar erfolgreich gegen Krone-Spekulanten

(c) imago/Dean Pictures (imago stock&people)
  • Drucken

Der niedrige Einlagezins von minus 0,75 Prozent zeigt anscheinend Wirkung gegen die Krone-Wetten von Hedgefonds. Experten rechnen mit einer Zinserhöhung durch die dänische Zentralbank.

Nach mehr als fünf Wochen historischer Maßnahmen gibt es Anzeichen dafür, dass die dänische Zentralbank den Krieg gegen Hedgefonds und andere Spekulanten gewinnt. Diese hatten darauf gewettet, dass die Krone über die zulässige Bandbreite ihrer Euro-Anbindung steigen wird.

Am Mittwoch dieser Woche schloss die Krone gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung so schwach wie seit 2006 schon nicht mehr. Zuvor hatten der Hedgefonds LNG Capital und andere ihre Kronen-Positionen aufgegeben. Laut Pensionsfonds PFA A/S untergraben die extremen Zentralbank-Maßnahmen die Attraktivität von Aktiva in Kronen.

Die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass die Zentralbank womöglich schon in sechs Wochen eine Kehrtwende vollziehen und mit der Heraufsetzung der Zinsen beginnen kann. Das geht aus einer Analyse von Nykredit Realkredit A/S hervor, der größten Hypothekenbank des Landes. Zu den historischen Maßnahmen der Zentralbank hatte die Absenkung des wichtigsten Einlagensatzes auf minus 0,75 Prozent gezählt. Zudem stiegen die Währungsreserven des Landes auf ein Rekord-Niveau.

Zinsanhebung in kleineren Schritten

“Offensichtlich gibt es keinen Druck mehr auf die Krone, und die Anbindung sollte sicher sein - zumindest für den Moment”, sagt Jacob Skinhoej, Chef für Festverzinsliche und quantitative Analysen bei Nykredit in Kopenhagen, in einem Interview mit Bloomberg News.

Er glaubt, dass die Zentralbank die Zinsen in kleineren Schritten anheben wird. “Vielleicht um 15 bis 25 Basispunkte jedes Mal. Dann warten sie eine Woche, um zu sehen, ob etwas mit der Währung passiert. Und dann heben sie den Zins ein weiteres Mal an”, erklärt Skinhoej.
Nach Meinung von SEB AB, dem größten Devisenhändler in Skandinavien, werden die Kapitalflussdaten in den kommenden Wochen über eine mögliche Zinsanhebung entscheiden.

Vorsicht abgebracht

“Sechs Wochen sind nicht unverhältnismäßig, aber wir müssen erst die Kapitalflüsse sehen”, meint Thomas Thygesen, SEB-Chefvolkswirt für Dänemark. Er räumte ein, dass Spekulanten auf der Lauer liegen könnten, um erneut zuzuschlagen.

Sydbank A/S zufolge deuten die jüngsten Devisenflussdaten auf eine “Normalisierung”, welche die kurzfristigen dänischen Zinsen nach oben treiben dürfte. Allerdings könne es einige “Stolpersteine auf dem Weg” geben, etwa in Form der griechischen Schulden-Diskussionen oder der Europäischen Zentralbank.
Eine Umkehr der Zinsrichtung würde ein dramatisches Kapitel in der geldpolitischen Geschichte Dänemarks bedeuten. Ausgelöst wurde es durch die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank am 15. Januar, den Euro-Mindestkurs aufzugeben. Spekulationen, dass Dänemark als nächstes zum Aus der Euro-Anbindung gezwungen sein könnte, veranlasste den dänischen Zentralbank-Chef Lars Rohde zu dem Versprechen, gegebenenfalls unbegrenzte Ressourcen zur Verteidigung einzusetzen.

Es gibt allerdings auch einige warnende Worte. Laut Nordea Bank AB ist es noch zu früh von einem Sieg der Zentralbank gegen die Spekulanten beim Thema Euro-Anbindung zu sprechen. “Die Währungs-Rally ist auf keinen Fall vorüber”, erklärt Peter Lilleoere, Chef-Analyst bei Nordea Markets, in einer Notiz an die Kunden der Bank.
“Selbst wenn” die Zentralbank “aus irgendeinem Grund zu der Schlussfolgerung kommen sollte, dass die Krise vorüber ist, dann wird es wohl besser sein, lieber auf Nummer sicher zu gehen”, meint Lilleoere.

(Bloomberg)