Jubiläum. Shōichirō Toyoda, langjähriger Toyota-Konzernchef, feierte seinen 90. Geburtstag: Sein Führungsstil wurde zum Erfolgsfaktor für Toyota und wie seine Autos zum Exportschlager.
Immer besser zu werden, das nehmen sich viele Organisationen vor. Doch kaum ein Unternehmen hat Kaizen dermaßen verinnerlicht wie Toyota: Das Bestreben, konsequent und kontinuierlich immer besser zu werden, steckt gleichsam in Toyotas DNA.
Der Mann, der das über Jahrzehnte als Toyota-Chef gefördert hat, feierte diese Woche 90. Geburtstag: Shōichirō Toyoda, geboren am 27. Februar 1925, ist der Sohn des Firmengründers und Vater des aktuellen Toyota-CEOs.
Dank seiner Vorarbeit überholte Toyota im Jahr 2008 erstmals General Motors in puncto Absatzzahlen und führt seit damals die Rangliste - fast ohne Unterbrechung - an. Das ist bemerkenswert, als es der US-Autobauer war, der dem maroden japanischen Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg Entwicklungshilfe leistete. Im Vorjahr konnte Toyota sogar mehr als 10,23 Millionen Neuwagen verkaufen. Volkswagen als Nummer zwei verkauft 10,14 Millionen Fahrzeuge.
Vom Webstuhl zum Auto
Wegbereiter der Erfolgsgeschichte ist der Mut Toyodas, im Konzern immer wieder neue Managementsysteme zu probieren und zu etablieren – die vielfach, aber nicht mit gleichem Erfolg kopiert wurden. Die jüngste Entwicklung heißt Toyota Way. Die wesentlichen Säulen sind – natürlich – Kaizen, der Respekt vor Mitarbeitern, Mitarbeiterteams und Kunden und die Devise „Made by Toyota“. Statt auf made in Japan zu beharren, geht es darum, an jedem der 51 Standorte in 26 Staaten Fahrzeuge in gleicher Qualität zu produzieren. Das bedeutet auch, in den Niederlassungen in die Mitarbeiter zu investieren.
Ursprünglich, sagt Franz J. Brunner, Autor des Buchs „Japanische Erfolgskonzepte“, hatte Toyota Webstühle hergestellt und war erst 1935 in die Autoproduktion eingestiegen.
In den 1950er-Jahren entwickelte Taiichi Ōno „Kanban“, ein System zur Produktprozesssteuerung. Inspiriert wurde Ōno von amerikanischen Supermärkten. Dort stellte er fest, dass die Kunden nur die Produkte wählen, die sie tatsächlich benötigen. Nur dort, wo sich das Regal leerte, wurde nachgeliefert. Umgelegt hieß das: Erst wenn eine Produktionsstufe nachfragt, produziert die vorgelagerte Stufe. Mit dem Nebeneffekt, dass Verschwendung reduziert und Effizienz gesteigert wird. Dieser Ansatz wurde später im „Just in time System“ und im „Toyota Production System“ verfeinert. Ōno schrieb seine ressourcenschonende Philosophie erstmals 1978 nieder.
Bahnbrechend war, was James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in ihrer mehrjährigen Recherche Anfang der 1990er-Jahre als Toyotas Geheimnis identifizierten: lean production, schlanke Produktion. „Seine Erkenntnisse, wie es gelingt, kostengünstig hoch qualitative Autos zu produzieren, kostete in den USA vielen Managern den Kopf“, sagt Brunner. Was die nicht japanische Industrie auch lernte: Permanente Überlastung ist für Mensch wie Maschine schädlich.
Außerdem etablierte Toyoda das Shopfloor-Management. Die Werkstattsteuerung fokussiert auf Unternehmensbereiche, die hohe Wertschöpfung liefern: bei Toyota natürlich die Produktion, die in Gruppen organisiert ist. Das bedeutet hoher Ausbildungsgrad, die Fähigkeit, Tätigkeiten der vor- und nachgelagerten Produktionseinheit ausüben zu können, und nur Produkte anzunehmen und weiterzugeben, die qualitativ entsprechen.
Jeden Tag bei den Mitarbeitern
Noch etwas führte Shōichirō Toyoda ein, sagt Brunner: Er und die Manager sind jeden Tag in der Fabrik, um mit den Mitarbeitern in Kontakt zu sein. Und – das erzählt die Legende – auch einmal selbst Hand anzulegen. Keine Legende, sondern verschriftlicht hat Toyoda seine fünf Arbeitsprinzipien:
- Sei pflichtbewusst, schaue auf das große Ganze.
- Sei strebsam, kreativ und der Zeit voraus.
- Handle praktisch und niemals leichtsinnig.
- Schaffe ein angenehmes Arbeitsklima – warm und freundlich.
- Glaube an etwas, sei dankbar.
Zur Person
Übrigens: Es gibt zwei Erklärungen, warum die Familie Toyoda, das Unternehmen aber Toyota heißt. Eine besagt, man wollte die Trennung zwischen Familie und Firma betonen. Die andere: Toyota besteht im Japanischen aus acht Zeichen – und acht ist eine Glückszahl.
Shōichirō Toyoda (27. Februar 1925) ist der Sohn von Toyota-Firmengründer Toyoda Kiichirō und Vater des aktuellen CEO, Akio Toyoda. Er stieg 1952 in das Unternehmen ein, bekleidete verschiedene Topmanagementpositionen. Der promovierte Techniker – er dissertierte über Treibstoffeinspritzung – führte bahnbrechende Managementsysteme in seinem Unternehmen ein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)