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Konjunktur: Abschied vom Wirtschaftswachstum

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Österreich hat zwei Quartale mit Nullwachstum hinter sich. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist ein nachhaltigerer Aufschwung noch nicht in Sicht.

Wien. Echte Rezession ist es noch keine, was die Wirtschaftsforscher Österreich attestieren. Aber viel fehlt nicht: Es geht einfach nichts mehr weiter. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts hat die Wirtschaftsleistung sowohl im dritten als auch im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal stagniert. Im Jahresabstand ist das Bruttoinlandsprodukt in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres sogar um 0,2 Prozent gesunken. Noch ein Schrumpf-Quartal, und der Tatbestand der Rezession wäre auch definitionsgemäß erfüllt.

Insgesamt ist das Vorjahr damit wesentlich schlechter gelaufen, als noch zu Jahresbeginn prognostiziert worden war. Unterm Strich legte das BIP real nur um 0,3 Prozent zu. Das ist bei Weitem zu wenig, um den Arbeitsmarkt auch nur zu stabilisieren.

Das Ganze ist umso bemerkenswerter, als sich rund um Österreich wieder die Konjunktur regt: Deutschland wächst schon wieder recht deutlich, am Freitag hat auch die tschechische Republik zwei Prozent Wachstum gemeldet. Die Konsumentenstimmung steigt unter anderem in Deutschland, Italien und Frankreich deutlich an, während sich das Konsumklima in der Alpenrepublik zuletzt sogar verdüstert hat.

 

Sehr flaue Konsumnachfrage

Laut Wifo liegt die schwache Konjunkturentwicklung ganz wesentlich an der sehr flauen Konsumnachfrage der privaten Haushalte. Das ist freilich wenig verwunderlich, denn die letzte reale Erhöhung der Löhne und Gehälter liegt schon mehr als fünf Jahre zurück. In der Zwischenzeit sind die nominalen Lohnerhöhungen, die die Kollektivvertragspartner ausgehandelt haben, zur Gänze von der Inflation und steigenden Steuern und Abgaben weggeknabbert worden, sodass die Österreicher jetzt real über weniger Kaufkraft verfügen als zu Beginn der Krise.

Daran wird sich so bald nichts ändern: In ihrer vor Kurzem veröffentlichten Mittelfristprognose bis 2019 gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass die Reallöhne heuer und im kommenden Jahr stagnieren und danach nur um 0,1 Prozent wachsen. Wie berichtet sieht es beim nördlichen Nachbarn in diesem Punkt deutlich besser aus: In Deutschland dürften die Reallöhne heuer erstmals seit Längerem wieder substanziell steigen, was sich zuletzt in einem recht deutlich verbesserten Konsumklima niedergeschlagen hat.

Dass es den Konsum nicht noch stärker erwischt hat, liegt vor allem daran, dass die Haushaltseinkommen insgesamt wegen des Zuwachses der Einkommen aus Vermögen und Transferleistungen geringfügig gestiegen sind. Und Ersparnisse wurden auch abgebaut. Das wird sich jetzt aber wieder ändern: Für heuer wird ein leichter Anstieg der Sparquote prophezeit.

 

Investitionen lassen aus

Zweite große Konjunkturbremse sind die Investitionen der Unternehmen. Die lagen im vierten Quartal um 1,1 Prozent unter dem Ergebnis des vorangegangenen Dreimonatszeitraums und um 1,5 Prozent unter dem Vorjahresvergleichszeitraum. Die starke Investitionszurückhaltung hängt nicht unwesentlich mit dem verschlechterten Wirtschaftsklima im Lande zusammen. Das extrem niedrige Zinsniveau bietet derzeit offenbar keinen Anreiz für verstärkte Investitionen.

Positive Impulse kamen zuletzt nur vom Außenhandel. Hier schlägt die Verbesserung der Wirtschaftsstimmung in den Nachbarländern durch.

Ob unter diesen Vorzeichen die bisherigen, ohnehin schwachen Prognosen der Konjunkturforschungsinstitute für heuer halten, ist noch mehr als ungewiss. Zuletzt waren die Wirtschaftsforscher im vergangenen Dezember von einem Wachstum von 0,5 (Wifo) bis 0,8 (IHS) Prozent ausgegangen. Die nächste Revision der BIP-Prognose erfolgt in knapp drei Wochen.

 

Letztes Toprating wackelt

Die schwache Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigt auch die Kreditwürdigkeit des Landes: Österreich hat sein Toprating (AAA) bei zwei der drei großen Ratingagenturen (S&P und Fitch) verloren. S&P hat in der Vorwoche festgestellt, dass eine Rückkehr in den AAA-Status für die nächsten Jahre (unter anderem wegen der hohen Verschuldung und mangelnder Reformen) ausgeschlossen sei.

Moody's stuft Österreich nach wie vor mit AAA ein. Die Agentur hat am Freitag nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe ihr neues Rating veröffentlicht. Beobachter gingen im Vorfeld davon aus, dass Österreich sein AAA behält, der Ausblick aber auf „negativ“ gesetzt wird. (red/ju)

Auf einen Blick

Stagnation kennzeichnet die österreichische Wirtschaft: In den vergangenen beiden Quartalen ist das heimische BIP real um genau null Prozent gewachsen. Schuld daran waren laut Wifo die schwache Konsumneigung der unter Reallohnrückgängen leidenden Konsumenten und die extreme Investitionszurückhaltung der Unternehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)