Beim Kursverfall erhöht Nachkaufen den Verlust und das Risiko drastisch. Das ist keine besonders gute Idee.
Noch laufen die Börsen, aber der nächste Einbruch kommt bestimmt. Dann stellt sich die Frage: Was tun? Verkaufen? Aussitzen? Oder gar nachkaufen?
Die Antwort ist einfach: Oberstes Prinzip bei der Anlage in Risikopapieren ist der Kapitalschutz. Speziell wenn schon Gewinne angefallen sind, dann darf daraus keinesfalls mehr ein Verlust werden. Das heißt: verkaufen! Selbst wenn der Kurs nach einer gewissen Zeit wieder zurückkommt, hat es keinen Sinn, in den Kurskeller mitzufahren. Man bindet nur unnötig Kapital, das man in dieser Zeit anderswo vielleicht auch gewinnbringend verwenden könnte.
Und man nimmt ein unkalkulierbares Risiko auf sich: Es ist nämlich keineswegs ausgemacht (und lässt sich auch nicht seriös prognostizieren), dass sich alle Aktienkurse nach einem Einbruch bald wieder erholen. Wer etwa 1999 Yahoo um 109 Dollar gekauft hat und jetzt erst wieder bei 43 steht, weiß, was gemeint ist. Und wer 2008 bei 108 Euro bei Raiffeisen International (RBI) eingestiegen ist und jetzt bei 13 steht, wird Aussitzen wohl nicht mehr für die brillanteste Idee halten.
„Nachkaufen“, sagen viele Anlageberater in diesem Fall. „Damit verringert man den Einstiegspreis.“ Das ist freilich die schlechteste aller möglichen Varianten: Nachkaufen vergrößert den Verlust und multipliziert das Risiko. Davon sollte jeder Anleger, dem Kapitalschutz wichtig ist, dringend die Finger lassen.
Nehmen wir das Raiffeisen-Beispiel: Ein Anleger hätte 1000 Stück RBI zu 100 Euro gekauft. Dann säße er jetzt auf 87.000 Euro Verlust. So viel müsste er wieder gewinnen, um nur auf null zu kommen. Hätte er bei 70 und 50 jeweils 1000 Stück nachgekauft, dann wäre sein gemittelter Einstiegskurs zwar nur noch 73,3 Euro. Allerdings läge sein Gesamtverlust nun bei 181.000 Euro. Bei Kursdrehung wäre er zwar schneller wieder auf null. Aber wenn das nicht klappt und der Kurs unten bleibt, hat er seinen Verlust vervielfacht.
Man sieht: Nachkaufen ist Finanz-Hasard mit ungewissem Ausgang – und hat mit verantwortungsvollem Anlegen nichts zu tun. Es ist nichts anderes, als gutes Geld schlechtem nachzuwerfen. Wer nicht riskieren will, den Anlageerfolg von Jahren mit einer einzigen Fehlentscheidung auszulöschen, setzt schon beim Einstieg sinnvolle Stopp-Limits – und beachtet diese auch kompromisslos.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2015)