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OMV: Kemler ortet „eine gezielte Rufmordkampagne“

Die Presse
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Geht OMV-Chef Gerhard Roiss wie geplant? Bleibt er? Aufsichtsratspräsident Rudolf Kemler sieht das Gremium unter Druck gesetzt. Und spricht von „Dolchstoßlegenden“ rund um Roiss.

Wien. Der Kampf um ein mögliches Comeback von OMV-Chef Gerhard Roiss an der Spitze des heimischen Mineralölkonzerns droht zu eskalieren. „Irgendjemand versucht, den Aufsichtsrat der OMV unter Druck zu setzen, um Dinge umzuentscheiden, die längst entschieden sind“, sagt Aufsichtsratschef Rudolf Kemler zur „Presse“.

Als ÖIAG-Vorstand vertritt Kemler (noch) die Interessen der Republik als Drittel-Eignerin des Unternehmens – und gilt als treibende Kraft hinter der vorzeitigen Ablöse von Gerhard Roiss im Herbst des Vorjahres. Wie „Die Presse“ am Samstag berichtete, haben sich mittlerweile mehrere Wirtschaftstreibende formiert, um den scheidenden Vorstand des Mineralölkonzerns über den 30. Juni 2015 hinaus im Amt zu halten.

Zupass kommt ihnen, dass Kemlers Stimme in dieser Causa nicht mehr lang Gewicht haben wird. Mit der Hauptversammlung Mitte Mai (und nach der Umwandlung der Staatsholding zur ÖBIB) wird er selbst abgelöst werden. Bis dahin hat der Aufsichtsrat allerdings ausreichend Zeit, um Fakten zu schaffen und einen Nachfolger für Roiss zu präsentieren. Die Suche läuft bereits seit Monaten.

Artikel als Rückenwind

Das soll offenbar verhindert werden, mutmaßt Kemler. In den Medien tauchen seit Jahreswechsel wiederholt Artikel auf, in denen Roiss quasi als unentbehrlich für die OMV dargestellt wird. Mit seiner Weigerung, dem Großaktionär IPIC die Kunstststofftochter Borealis zur Gänze zu verkaufen, habe er (immerhin Vorstandsvorsitzender eines börsenotierten Konzerns) die Interessen Österreichs gewahrt. Prominente wie Norbert Zimmermann oder Brigitte Ederer machen sich für Roiss stark.

Und es gibt noch mehr Rückenwind: Auch eine Prüfung seiner Tätigkeiten, die der Aufsichtsrat wegen eines anonymen Schreibens veranlasst hat, ging zu seinen Gunsten aus, berichtete der „Kurier“. Damit sei der Grund für die Ablöse des OMV-Chefs weg. Roiss, der Retter der Borealis, sei offenkundig einer Intrige von Rudolf Kemler zum Opfer gefallen, wird dort resümiert.

Das lässt sich der langjährige Topmanager nicht gefallen: „Das ist alles eine gezielte Rufmordkampagne, um den OMV-Aufsichtsrat als unabhängiges Gremium zu schädigen“, sagt Kemler zur „Presse“. Der anonyme Brief, in dem Roiss schwer beschuldigt wurde, sei erst im Spätherbst aufgetaucht. Zehn Tage vorher habe der gesamte OMV-Aufsichtsrat bereits einstimmig den vorzeitigen Rücktritt von Roiss angenommen. Demnach mussten die Anschuldigungen zwar geprüft werden, konnten aber gar nicht der Grund für die Ablöse des OMV-Chefs sein.

„Das ist der Versuch, mich als Person zu desavouieren“, sagt Kemler. „Aber der Aufsichtsrat wird – in seiner heutigen Besetzung – von solchen Machenschaften nicht unter Druck zu setzen sein.“ Schon am 18. März trifft das Gremium das nächste Mal planmäßig zusammen. Nach dem Fahrplan, den die ÖIAG zusammen mit dem Syndikatspartner IPIC beschlossen hat, könnte dann bereits ein Nachfolger für Roiss bestellt werden.

Roiss' „Freundeskreis“

Oder stört die lautstarke Mahnung mancher Manager, das zu tun, die Mitglieder des Aufsichtsrates doch zu sehr? Kemler glaubt nicht an die Geschichte vom plötzlich erwachten Rückhalt von Politik und Wirtschaft für Roiss. „Bei mir hat sich noch niemand gemeldet“, sagt er. Und öffentlich würde sich eben „der Freundeskreis von Roiss“ zu Wort melden. Zu dem gehört anscheinend auch der Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger. Roiss habe „das Vertrauen des Streubesitzes“, sagte er am Montag. „Er hat über viele Jahre sehr gute Arbeit geleistet. Ob er ein guter Diplomat war, lasse ich dahingestellt.“ Intrigen dürften jedoch „keinesfalls ein Entscheidungskriterium bei einer Vorstandswahl“ sein.

„Retter der Borealis“

Rudolf Kemler nimmt den Gegenwind gelassen. Es würden viele Geschichten kursieren, die schlichtweg nicht stimmen. „Roiss versucht sichals Retter der Borealis hochzustilisieren“, sagt er. Das sei nicht mehr als eine „Dolchstoßlegende“. Gründe für die vorzeitige Ablöse von Roiss gäbe es auch nach dem entlastenden Prüfbericht mehr als genug. „Bald wird der Jahresabschluss 2014 veröffentlicht. Da werden die Zahlen für sich sprechen.“

Die OMV wollte sich gestern gegenüber der „Presse“ zu dem Thema nicht äußern.

AUF EINEN BLICK

Rudolf Kemler gilt als treibende Kraft hinter der vorzeitigen Ablöse von Gerhard Roiss als OMV-Chef im Herbst. Der (Noch-)ÖIAG-Vorstand und Aufsichtsratschef des Mineralölkonzerns wehrt sich nun gegen Versuche, Roiss weiter im Amt zu halten. Prominente Wirtschaftstreibende haben sich für den Manager starkgemacht. Der Aufsichtsrat will sich aber nicht unter Druck setzen lassen. Das Gremium tagt am 18. März; hält der Fahrplan, könnte dort ein Nachfolger für Roiss bestellt werden.

("Die Presse", Printausgabe vom 3.3.2015)