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Wien, urig: Zünftig samma, Schotterrasen hamma?

(C) Freitag
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Neues vom Prater: Wird aus der „Wiener Wiesn“ das „Wiener Schotterrasn“-Fest?

Was tut der Bauer im Märzen? Richtig: „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.“ Und dann? Ja dann setzt er dem Volkslied getreu „seine Felder und Wiesen instand“. Wien, zugegeben, ist nicht gerade dominant agrarisch, und auch mit den hiesigen Rösslein ist es zahlenmäßig nicht weit her. Dafür haben wir eine Wiese, die instand zu setzen guter Grund bestünde: die Kaiserwiese vor dem Riesenrad. Die hat gerade mehrere Monate der Entertainment-Belagerung namens Palazzo überstanden, das heißt, überstanden hat sie die Monate selbstredend nicht, sie hat sie hinter sich gebracht, aber Wiese ist da eh schon länger keine mehr.

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit ich an dieser Stelle erstmals auf die Zerstörung des Grüns am Prater-Entree hingewiesen habe. Eineinhalb Jahre, in denen sich einiges getan hat. Eine Bürgerinitiative, „Kaiserwiese für alle!“, ist begründet, eine Petition auf den Weg gebracht, die Leopoldstädter Bezirksgrünen sind jüngst mit einer Kampfschrift für eine Wiese auf der Wiese eingetreten, und hinter dicken Bezirkstüren tagt sogar anfallweise eine eigene Kaiserwiesen-Arbeitsgruppe. Unter strengster Bezirksgeheimhaltung, wie es dem hochbrisanten Gegenstand auch einzig angemessen ist.

Lösung für die imperiale Wiesenmalaise freilich ist keine in Sicht. So man nicht bereit ist, den von SP-Seite ins Spiel gebrachten Vorschlag für eine Lösung zu halten: die Wiese der Kaiserwiese durch einen sogenannten Schotterrasen zu ersetzen, auf dass man die Liegenschaft möglichst für alle Zeit, aber immerhin ohne regelmäßig größeren Flurschaden zu verursachen, vermieten könne. Einmal abgesehen von der Grundsatzfrage, ob denn öffentliches Gut so ohne Weiteres auf Dauer zu entöffentlichen sei: Ein Schotterrasen bedeutet viel Schotter, wenig Gras und so sehr keine Wiese, wie ein einzelner Bonsaibaum kein Wald ist. Im Gegenzug allerdings erhielten wir den weltweit ersten Kaiserschotterrasen, und im Herbst dürften wir beim „Wiener Schotterrasn“-Fest so richtig zünftig-bierig lustig sein. Auch sehr schön.

E-Mails an: wolfgang.freitag@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2015)