Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Islamgesetz: "Inländisch finanzierter Religionsbetrieb völlig legitim"

GERMANY FRANCE PARIS TERROR ATTACKS
Aiman A. Mazyek(c) APA/EPA/MAURIZIO�GAMBARINI (MAURIZIO�GAMBARINI)
  • Drucken

Das österreichische Islamgesetz sorgt auch in Berlin für Kontroversen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, begrüßt generell die Debatte.

Die Presse: Das neue Islamgesetz wird in Österreich kontrovers diskutiert und hat in Deutschland ebenfalls Wellen geschlagen. Hier wird auch eine solche Möglichkeit in Erwägung gezogen. Sie selbst befürworten das österreichische Gesetz.

Aiman A. Mazyek: Wir haben vor allen Dingen die Diskussion um die Gleichstellung als Religion in Deutschland begrüßt. Wir haben hier eine ganz andere verfassungsrechtliche Ausgangslage als in Österreich, dort ist eine faktische Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Religionsgemeinschaften seit 1912 gesichert. Wir hatten in Deutschland zu keinem Zeitpunkt eine faktische Gleichbehandlung der muslimischen Religionsgemeinschaften. Die Rechte-Pflichte-Regelungen wie zum Beispiel die Friedhofsruhe oder die Seelsorge sind natürlich hochspannend für Deutschland.

In Österreich sorgt die Richtlinie über die Finanzierung aus dem Ausland für Furore. Gilt das auch für Deutschland?

Es ist völlig legitim, wenn ein Land wie Deutschland erwartet, dass der Religionsbetrieb inländisch finanziert wird. Die Politik soll hierbei aber nicht nur vorschnell einfordern, sondern das auch konzeptionell mit Angeboten auf dem Weg einer Gleichstellung der Religionsgemeinschaft auskleiden. Wenn zudem der Diskurs, wie auch über die Ausbildung der Imame in Deutschland, die wir als Zentralrat für völlig richtig erachten, motiviert wird vom Extremismusvorbehalt gegen islamische Einrichtungen und Institutionen, läuft etwas falsch. Wir fordern, dass unsere Imame Sprache, Kultur und Mentalität des Landes kennen und dass sie am besten von hier kommen sollen. Muslimische Religionsgemeinschaften wie der Zentralrat wollen den Dialog darüber mit dem Staat, aber nicht zum Preis der Aufweichung des Trennungsgebotes von Religion und Staat, sprich durch Einschränkung der Religionsfreiheit speziell beim Islam.

Im Gegensatz zu Österreich gibt es in Deutschland bereits mehrere Lehrstühle, die islamische Theologen ausbilden.

Ja, das österreichische Gesetz kann ohnehin nicht eins zu eins auf Deutschland angewendet werden. Wir haben hier ein föderales System, Religion wird insbesondere über Staatsverträge zwischen Ländern und Religionsgemeinschaften geregelt. Die Diskussion darüber kann ein wichtiger Impuls für uns sein, ich bin aber auch irritiert über die Art und Weise, wie das Gesetz in der Diskussion hierzulande instrumentalisiert wird...

... in Richtung Extremismus ...

Man hat den Eindruck, als ginge es nur um Radikalisierung – und dass diese Radikalisierung grundsätzlich in den Gemeinden stattfindet. Das ist eine grundfalsche Annahme. Sie führt nur dazu, dass wir den Extremisten in die Hände spielen, die da sagen: „Dieses Land, diese Gesellschaft, ist euch feindlich gesinnt.“ Die objektive, sachliche Diskussion fehlt mir bisweilen. Ein Beispiel ist der populistische Ruf, die von Ditib (der türkischen Religionsbehörde unterstellten Vereine in Deutschland, Anm.) finanzierten Imame müssten einfach abgeschafft werden, ohne ein Konzept und eine Vision zu haben. Diese Imame werden plötzlich fehlen, das wäre für die Gemeinden ein desaströser Verlust. Wie soll das schnell kompensiert werden? Und stärken wir nicht damit, wenn wir nicht zuvor ein Alternativmodell geschaffen haben, gerade die radikalen Ränder?

Eine Argumentationslinie lautet, dass Maßnahmen wie auf Deutsch predigen und Ausbildung im Land eben dieser Radikalisierung entgegenwirkt, weil die Imame sich besser auf die Gläubigen einlassen können. Ist das der Weg aus der Radikalisierung?

Man kann auch auf Deutsch einen falsch verstandenen Islam predigen und Extremismus kann ich auf Arabisch oder Türkisch begegnen. Das ist nicht eine Frage der Sprache. Neosalafisten machen doch gerade im Netz vor, wie sie wacklige Jugendliche in der jeweiligen Landessprache verführen. Aber es ist richtig, dass wir den Anforderungen der Gemeinden am besten genügen, wenn wir dies in der Landessprache tun und dies ist in Deutschland nun einmal Deutsch.

Soll es nicht zu einer Voraussetzung werden, dass in den Moscheen und Gebetshäusern auf Deutsch gepredigt wird?

Das ist ohnehin schon in vielen Moscheen der Fall. Wir begrüßen es, dass auf Deutsch gepredigt wird. Daraus sollte aber keine staatliche Vorgabe gemacht werden, sonst ist das eine Einmischung in die innere Angelegenheit der Religionsgemeinschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2015)